|GTaag|

27. März 2006

"Der Anfang war gut" Ein Film von Susanna Salonen

Abgelegt unter: Rezensionen — gtaag @ 21:45
Der Anfang war gut
Es geht um die Mutter. Im ersten Bild, in dem sie auftritt, trägt sie eine Sonnenbrille und ist der Kamera halb abgewendet. Die Tochter hört man, hinter der Kamera, sagen: Setz doch mal die Sonnenbrille ab. Schließlich will die Tochter über die Mutter einen Film machen. Mit einer Sonnenbrille, so geht das nicht. Die Mutter reagiert, etwas verzögert, als müsse sie erst denken, sie schaut das erste Mal zur Kamera und ist trotzig, nein. Sie wendet sich wieder ab. Sie lacht über die Situation hinweg, so wie immer, nicht böse, ohne Hintergedanken, sie kann nicht anders: Wollen wir nicht lieber etwas essen gehen?, wollen wir nicht lieber etwas anderes machen, als du dort hinter der Kamera und ich hier davor? Sollte es nicht eigentlich ganze andere Dinge geben, die wir miteinander machen könnten, außer dieses Reden, dieses Stochern in der Vergangenheit?
Und die Mutter löst es auf, indem sie wie zur Versöhnung doch die Sonnenbrille abnimmt, aber über etwas anderes redet, sich dem Thema nicht stellt: Schau, und dort drüben. Das ist Lübeck. Siehst du?
Die Kamera schwenkt brav von der Mutter weg, etwas unsanft.
So ist das mit der Mutter. Gespräche sind eigentlich nicht möglich. Es ist so, als würde man in Watte stoßen: Da ist zwar etwas, aber es hat so gar keinen Widerstand, den Fragen wird dadurch eigenartig die Energie genommen. Die Fragen bleiben unbeantwortet. Warum in die Vergangenheit schauen, wenn es doch eine Zukunft gibt. Warum viel über die Gegenwart nachdenken, wenn es doch weitergehen wird. Das ist die Mutter. Sie ist nicht böse. Sie ist leicht.

Mit ihrem Mann und den beiden Töchtern war sie vor über 30 Jahren von Finnland nach Deutschland gekommen. Nach Lübeck. Für ein Jahr, um deutsch zu lernen. In Deutschland wurden es dann 15 Jahre, so schnell lernt man die deutsche Sprache dann doch nicht. In der Ehe wurde mehr geschwiegen oder gestritten, schließlich geschieden, die Ehe hatte nicht funktioniert. Sie hatten sich kennengelernt und sofort geheiratet, so war das, es hätte ja auch gut gehen können, es ging aber nicht gut. Da waren die Kinder aus dem Gröbsten raus, wie man so schön sagt.
Dann ist sie nach Malta, eine Pauschalreise, nur weg, nur mal kurz. Von der jüngeren Tochter hat sie sich verabschiedet, indem sie an der Schule vorbeigegangen war, so schnell mußte es gehen. Ich bleibe ja nicht lange weg.
Es wurden 15 Jahre, auf Malta hatte sie jemanden kennengelernt, sie blieb erst einmal dort. Dann Zwischenstation Finnland. Dort, in der Sparkasse einer Kleinstadt, hatte man bei einer Überweisung zwei Nullen zu viel hintenan gestellt, ein Versehen, natürlich, aber die Mutter hatte nun auf einmal so viel Geld, um den Plan zu verwirklichen, nach Australien gehen, Sydney, in die Sonne. Finnen ist der Drang nach Wärme sehr eigen. Sie eint eine kollektive Angst vor ihren Wintern. Entweder man bekämpft diese Angst mit Alkohol, oder man geht weg. Oder man ist wortkarg. Also nach Australien. Manchmal sind einem die entferntesten Punkte der Erde die nähesten.

Jetzt ist die Mutter wieder in Deutschland, nach 15 Jahren, zuerst in Berlin und dann in Lübeck, 3 Jahre. Sie rechnet vor: Von den 3 Jahren hat sie vielleicht ein Jahr gearbeitet, eine Rente habe sie in Deutschland nicht zu erwarten, so geht sie nach Finnland, schließlich werde jedem geborenen Finnen eine *Volksrente* gewährt. Hier beginnt nun der Film über diese Mutter, wir hören immer wieder die Fragen der Tochter, was wird werden, was hast du vor, was hast du dir gedacht, und die Mutter gibt den ganzen Film über keine Antworten, bleibt eigenartig in Watte gepackt, aber sie schaut nun offener in die Kamera, da findet eine Entwicklung statt. Nein, die Mutter kann nicht anders. Sie kennt Hintergedanken nicht.
Wir lernen Finnland kennen, die Ämter. Ja, das mit der Volksrente, das stimmt, 480EUR, aber da sie so lange nicht in Finnland gewesen waren, 30 Jahre, gibt es nur die Hälfte, 240, dazu kommen noch 100EUR aus Deutschland. Das ist doch gar nicht so schlecht, oder? Das sagt die Sachbearbeiterin. Könne sie damit auch nach Italien gehen? Ja, sie könne. Finnland, nicht ohne Stolz, nicht ohne Bedauern, ist in der EU.

So richtig Vorwürfe werden der Mutter nicht gemacht, nur eben diese Fragen gestellt. Es sind die Fragen der Tochter, die verstehen will, wo es möglicherweise nichts zu verstehen gibt. Dieser Mensch, ihre Mutter, sie ist einfach anders, sie kümmert sich nicht weiter. Eigentlich müßte sie an der Seite eines reichen Mannes sein, dann würde man sie auch nicht fragen. Vielleicht würde man sie sogar bewundern: Mit ihren 60 Jahren ist sie fit und aufrecht, sie versteht sich zu kleiden, sie hat eine bestimmte Art, die Dinge mit Humor zu sehen, wenn etwas schief läuft, wieder einmal, nimmt sie es dadurch nicht persönlich, sie ist ein ausgesprochen freier Mensch. Eigentlich bewundernswert.
So ist sie nach 30 Jahren wieder in Finnland angekommen. Nun träumt sie von Italien. In Italien ist es warm, man braucht nicht so viel Kleidung, der Wein ist gut und auch das Essen. Und man kann sich denken: Irgendwann packt sie wieder ihre Koffer, gerade so viel sie selber bewegen kann und fährt los. Sie denkt sich: Für kurze Zeit. Und nimmt nicht einmal die angefangene Milch aus dem Kühlschrank.

Susanna Salonen legt seit 1999 mit „A Tokyo Fusebox“ regelmäßig auch eigene, sehr persönliche Filme vor. War es anfangs die Notizbuchkamera im Rucksack gewesen, ohne selbständiges Tonequipment, war es später bei “
Monsoonregen
“ schon ein aufgesetztes Mikrophon, das den Ton klarer werden ließ. Nun, bei „Der Anfang war gut“ haben Mikroports Einzug gehalten, diese Miniaturmikrophone, die mit einem Sender betrieben werden und die Stimme klar hinüberbringen, nicht immer schön, aber immer verständlich. Die Kameras sind weiterhin klein geblieben, sie erlauben spontanes Einschalten im Auto, im Bus, im Flugzeug, beim Warten, beim Laufen, Susanna Salonen ist im kleinen Team unterwegs: Die Aufnahmen macht sie alle selber. Das kostet nicht viel Geld. Es ist teuer genug. Aber anders wären diese Filme nicht möglich. Wer gibt schon eine Million Budget für die Geschichte einer sich straff haltenden älteren Frau, die zwar nicht schweigsam ist, aber nicht gerne darüber erzählt. Die eher ausweicht, deren Motto ist: In die Zukunft blicken, nicht in die Vergangenheit, trägt denn das für 70 Minuten Film?
Ich denke: In dem Fall hat es getragen Vielleicht hätten es 10 Minuten weniger sein können, aber das ist manchmal nicht das Kriterium. Es ist sehr schwierig, über die eigene Familie einen Film zu machen, man kann auch sich selber dann nicht aussparen, das macht diese Projekte umso schwieriger. Zumal dann, wenn sie das Private verlassen sollen. Auch Dank einer erfahrenen Schnittmeisterin, Bettina Böhler, ist es gelungen.

Schade, als Zuschauer wird man nicht erfahren, was die Mutter in Zukunft machen wird. Wird sie eines Tages sich wieder, nur für kurze Zeit, verabschieden? Italien? Die Milch im Kühlschrank, wird sie die einfach wieder stehen lassen?

Susanna Salonen: “Der Anfang war gut” 2006
3sat
Sendetermin steht noch nicht fest

Jubel Jubiläum

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 11:17


GTaag05
 
Bald werden sie am Alexanderplatz wirklich jubeln: Neuer, superlativer, billiger, schicker.
Also Jungs, nicht so skeptisch gucken.

26. März 2006

Unglückliche Busse

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 23:59


Die Vermutung, damit lag ich richtig: Es gibt eine neue Buslinie zwischen Prenzlau und Brüssow. Und die führt durch T.
Das ist die Linie 427, der “Uckermärkische Linienverkehr” hat dafür 2 Busse und 2 Busfahrer spendiert.
Aber glücklich sehen die Busfahrer nicht aus, es gibt so gut wie keine Passagiere. Da will man ja nun regelrecht etwas dagegen tun, es herumsprechen: Leute, es gibt eine neue Buslinie, ihr könnt eure Mopeds und Autos stehen lassen, berappt die zweifuffzig und laßt euch entspannt durch die Gegend schaukeln, pünktlich sind die Busse, sechsmal am Tag, dreimal in jede Richtung, Stau und damit Verspätung gibt es hier nicht, hier ist man pünktlich, jedenfalls ist das Bedingung, für diesen Job.
Ob die Busfahrer glücklicher ausssehen würden, wenn es Fahrgäste geben würde, ich glaube es kaum, Busfahrer sehen immer irgendwie unglücklich aus. Wie sie so aus ihrer Kanzel hinunterschauen, haben so ihre Handgriffe, ihre Aufmerksamkeit, die wissen ganz genau, wie oft sie diesen langweiligen Weg am Tage noch fressen müssen. Da kann man nicht besonders glücklich sein. Schon gar nicht, wenn man sich nicht mal über Fahrgäste ärgern kann, die Lehmspuren von ihren grobschlächtigen Botten hinterlassen. Nicht mal das.



Trotzdem Aufruf: Linie 427! Eine Empfehlung! Zahlreiches Erscheinen! Macht die Busfahrer glücklicher!

Treasures

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 16:38


Brauerei, Eingang
 
Fürchterlich warm heute in Berlin, jetzt halb 7 und immer noch 15Grad!, was lag es also näher, als in die Unterwelt zu steigen. Warm wird es noch lange genug sein!
Dort (Fotos links) geht es hinunter, in die Katakomben der Alten Königstadt Brauerei. Wußte das jemand?

Die Deckengewölbe spannen sich in 4 Metern Höhe über einem und bis man zu den 4 Ausstellungsräumen gelangt ist, wird es manchmal dunkel, stockdunkel, die Halogenstrahler gehen in Zufallsschaltung an und aus, das ist gespenstisch. Ich habe es jedenfalls gleich bereut, ohne Taschenlampe und ohne Feuerzeug hier hinabgestiegen zu sein.
Dann, nach mehreren Räumen und Gängen, kommt man den Klängen näher, zuerst meint man, eine dumpfe Lüftung zu hören, dann ist es Meeresrauschen, vielleicht, verfremdet, ausufernd, wabernd.

Treasures
, die Ausstellung/Installation von ERIK BÜNGER, ANDREA LOUX, JAKOB FRIIS & JULIE LINDHARDT.
Das dunkele Foto? Dieser Raum war tatsächlich so dunkel, nur einige wenige kleine tiefblaue Diodenlämpchen signalisierten Augenlicht. Dazu diese schwebenden, außerirdischen Klänge. Unheimlich, bedrohlich.



treasures











ALTE KÖNIGSTADT BRAUEREI
Saarbrückerstr. 24
Haus D

23. März 2006

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 13:36


Gehachselt

Heckenrest



Auf jeden Fall ist der edle Königssohn zu bewundern, der auch da vor der Dornenhecke nicht Halt gemacht hat, um zu seiner holden Prinzessin zu gelangen. Oder wie war das, die Hecke ist auf einmal zurückgegangen? Ich kann es mir nur so erklären, denn Märchen sind ja auch irgendwie dann doch realistischer als man denkt. Mein Dornengestrüpp hat sich leider nicht von alleine zurückgezogen und ich habe alles durch den Hecksler gejagt. Den Flieder auch.
Das (oben) ist übriggeblieben.

21. März 2006

Dear Gosbodin Amtsdirektor

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 15:41


Trampe. Hecke nach Schnitt 06



Lieber Herr Amtsdirektor in Br.!
Nun sagen Sie aber nicht, so hätten Sie das nicht gewollt! So war es nicht gemeint gewesen? Ach so.

Jedenfalls danke ich Ihnen noch einmal recht schön, daß Sie mir dafür eine Firma hatten schicken wollen. Aber das kann ich doch auch allein, wie Sie sehen.
Nun können jedenfalls die Autos hier ungehindert durchbrausen, das ist gut, und die vereinzelt anzutreffenden Fußgänger müssen sich nicht mehr in die Hecke flüchten. Das war wirklich kein Zustand.



Jetzt schreiben Sie sich bitte schon einmal einen Termin auf: In 5 Jahren, das kann ich prophezeien, die Hecke wird dichter und schöner denn je dann sein. Bei so einem Erziehungsschnitt ist sie regelrecht trotzig. Ich weiß das, außerdem gehört sie ja auch mir. Sie werden mir dann wieder schreiben müssen. So ist das.
Bitte stören Sie sich jetzt aber nicht an dem etwas freieren Blick auf die Ruinen. Wissen Sie noch: “Schöner unsere Dörfer und Städte! Mach mit!” Das ist heute nicht mehr ganz so. Hinter meinem Gartenzaun, da hat eigentlich nicht mal mehr ihr Blick etwas verloren.
Sie kennen dieses Motto nicht, sie sind nicht aus dem Osten? Na dann lassen Sie es sich von Ihrer Sekräterin erklären.
Mfg



Trampe, Scheune 06

Trampe. Hecke nach Schnitt 06

Trampe. Hecke, das war sie 06


Palast der Republik

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 00:00


PdR.2005 Foto: GTaag



PdR, Seitenansicht. Foto: GTaag 06
 



15 Jahre lang war es nun ungewiss. Wird er abgerissen oder wird er nicht abgerissen.
Für mich stand immer fest, daß er abgerissen werden wird. Es gibt Gebäude, die sind nicht nur asbesthverseucht, sondern die sind auch erinnerungsverseucht, und letzteres ganz speziell der Palast der Republik. ddr-Idiom: Pe-deh-eR oder Erichs Lampenladen, aber eigentlich nur Palast oder Ballast. (Bei uns in der Familie Ballast.) Und solche erinnerungsverseuchte Gebäude gehören abgerissen.



Komischer Weise beschränkt sich das mit der Verseuchung nur auf eben dieses eine Gebäude. Es könnten doch eigentlich auch noch andere sein, die Wache Unter den Linden, der Friedrichstadtpalast (Aserbaichanischer Bahnhof), das Nickolai-Viertel, die Pionierrepublik Ernst Thälmann in der Wuhlheide. Nein, einzig erinnerungsverseucht ist der Palast der Republik. Verseucht.



Daß man ganz entgegengesetzer Meinung mit dem Palast sein kann, vor allem wenn man ihn entemotionalisiert, das kann ich verstehen. Es ist ja auch albern, irgendwas an Gebäuden festzumachen. Trotzdem, es ist gut, daß er jetzt fliegt.
Wenn er geflogen ist, dann wird der Platz erst mal öde! Ich bin ja für Wald, so wie gegenüber., da wo Marx und Engels als ewige alte Männer stehen.



Warum der Palast so erinnerungsverseucht ist, das schreibe ich später. Da muß ich jetzt vertrösten. Das schreibt sich nicht so einfach hin. Und gehört eigentlich fast in die Nachbarabteilung, zu Gustav Taags Faltin.



PdR. Waldblick Foto: GTaag06

19. März 2006

Tiergartentunnel

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 17:42


“Also ich bin für die Untertunnelung des Tiergartens!” Und damit es auch jeder versteht, gleich noch mal wiederholt: “Also ich bin für die Untertunnelung des Tiergartens!” Das hat man so zumeist dann irgendwann gesagt, wenn die Disskusion mehrerer Leute so sehr im Gange war und man genau wußte, sie hatten sich schon im Für und Wider leergelaufen. Dann kam dieser Satz einfach gut, quasi als Zeichensetzung, als Schlußpunkt. Man lachte dann allgemein etwas ungläubig, weil man es nicht glauben wollte. So ein Satz!
Das war vor 10 Jahren.
Dann wurde es ruhig um den Tunnel und den Tiergarten. Zwischendurch gab es die Disskusion um die Loveparade, daß auch daran, an den Hektolitern Urin, der Tiergarten zugrunde gehen werde. Aber er ging nicht. Sehr kleinlaut später, wie hingenuschelt die Meldung: Der Urin hat den Bäumen erstaunlich wenig ausgemacht.









Und das ist er nun, der neue Tunnel. 1750m lang, geschwungen in einer S-Kurve, beleuchtet, aspahltiert. Schlappe 360 Millionen Euros hat er gekostet und damit ist alles bezahlt. Stimmen sagen ja, der Tunnel sei Unsinn, es werde unweigerlich zum Stau kommen an den Ein- und Ausfahrten.

Seitdem ich vor 15 Jahren nachts das erste Mal in Stockholm angekommen war, einen dortigen Stadttunnel gesehen hatte, dachte ich auch sofort, was ist denn das. Am Tage kommt es doch hier unweigerlich zum Stau. Wer baut denn so etwas. An der Stadtseite endet dort der vierspurige Tunnel an einer rechtwinkligen Kreuzung. Mit Ampel sogar. Dann war ich auch am Tage dort öfter unterwegs. Es staute sich nichts oder es staute sich so minimal, wie man eben manchmal in einer Großstadt an einer Ampelkreuzung steht. Nun gut, Stockholm vor 15 Jahren, ich sollte mal wieder hinfahren und die Tunnellage dort überprüfen.









Es waren so viele Leute unterwegs. Und als die Durchsage kam, alle sollen sich ruhig verhalten, nicht weiterfahren und den Motor abschalten, da nahm niemand Notiz, auch nicht, als es noch einmal auf englisch wiederholt wurde. Das ganze war etwas surreal nun, mit diesen Lautsprecherdurchsagen, von denen niemand Notiz nahm. Wie in einem Film, in dem die Bedrohung sichtbar für den Zuschauer, aber für die handelnden Personen nicht.
Es war ja irgendwie auch absurd, durch so einen Tunnel zu laufen, zu sehen gab es nichts, außer frisch gestrichenen Spannbetonwände und Notausgangszeichen, und als Ziel war als einziges das jeweils andere Ende, zur einen Seite der Potsdamer Platz, zur anderen Seite der neue Hauptbahnhof, eine Baustelle. Vielleicht war es die Kälte, vielleicht war es die Aufgabe, die schlappen 2 Kilometer in einer bestimmten und geringen Zeit zu überwinden: Jeder strebte in seine Richtung voran, egal was ihn erwarten würde, so ein Tunnel ist kein angenehmer Ort, da hält man sich nicht auf, die einzige Aufgabe eines Tunnels ist das Ziel. Ganz unromantisch.
Vor jedem Notausgang und Notaufstieg war einer mit Kärtchen an der Brust postiert worden, Berliner sind neugierig. Sie hätten auch noch gerne jeden Schacht und jede Tür zur anderen Tunnelröhre, die nicht geöffnet war, inspiziert. So hatte man also nicht einfach nur den Tunnel geöffnet für die Fußgänger, es war organisiert, Mannschaftswagen der Polizei standen auch da, aber keine Wasserwerfer, an jedem Ende standen auch Bratwurstbuden und Bierstände und Musik.




An der Invaliedenstraße, am neuen Hauptbahnhof, kamen wir wieder hinaus. Na wenn es da mal nicht zum Stau kommt. “Ich bin für die Untertunnelung des Tiergartens!” Jetzt brauche ich das ja das nicht mehr zu rufen.

17. März 2006

Vorausphänomen, Neger

Abgelegt unter: Rezensionen — gtaag @ 12:22


Im Glück. Neger. Plakat / Quelle: Produktion



Das war der Arbeitstitel vom neuen Dokumentarfilm von Thomas Heise. Jetzt heißt er: “Im Glück. Neger” Warum Neger? Warum Glück? Man darf bei Thomas Heise nicht solche konkreten Fragen stellen. Sonst hat man Thomas Heise nicht verstanden.
Die ersten 20 Minuten waren einfach nur langweilig, was macht der hier mit mir, Schwenks aneinander, Geräuschfetzen, Kulissen und Bestandteile, bunt durcheinander, so, als würde gewürfelt werden, aber warum gewürfelt. Was soll das ganze hier. So ein sperriger Beginn, wo doch gerade die Anfänge so wichtig sind.

Aber dann macht sich Sven auf, der Protagonist, und besucht seinen Vater. Er fährt mit dem Zug von Berlin nach Riesa. Es splittet sich Ton und Bild, die Begegnung nach 12 Jahren wurde nicht gedreht. Der Vater, sein sächsisch, man hört es, man weiß es, jemand der schon am Tage sein Bier trinkt und im Unterhemd rauchend am Chouchtisch sitzt, den Blick auf den Fernsehapparat. Man weiß das automatisch.
Sie haben sich nichts zu sagen, Vater und Sohn, der Sohn will vom Vater auch eigentlich nur eine Unterschrift, daß der selber kein Einkommen hat, er braucht das für irgend ein Amt. Sven sagt: “Wir haben uns sehr lange nicht gesehen. Eigentlich meine ganze Jugend lang haben wir uns nicht gesehen. Mutter ist jetzt in Bayern. Ich bin alleine in Berlin.”

Von diesem Augenblick hatte mich der Film gefangen und Heise konnte mich quälen bis zum Ende. Quälen mit langen Einstellungen, mit Gesprächen, deren Ton man kaum verstand (nicht nur wegen der Anlage in der Volksbühne, auch sonst ist ein Ton, unprofessionell auf einer DV-Kamera aufgenommen, immer problematisch.) Quälen mit Sozialämtern, mit Aussichtslosigkeit, mit gestotterten Sätzen, mit unendlichen Schwenks.
Und immer wieder Züge. Immer wieder Bewegung. Ja weg. Fort. Hier ist nicht das Glück. Hier ist man Neger. Ja Neger. Ich habe keine weiteren Fragen. Unbedingt ansehen!

16. März 2006

Nun aber los, mach endlich mal

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 19:33


Aus irgendwelchen Gründen fahren durch T. viermal am Tag richtig große Busse, Linienbusse, die sind immer leer, aber es schaut aus wie ein Linienverkehr. Nun wird es da ja nun tatsächlich eng, wo meine Fliederhecke ist, und ich bin vorgestern wirklich rangegangen und habe ein paar Zweige herausgeschnitten, nicht viele, aber doch störende: An einer Stelle ist in der Hecke auch ein Dornenbusch und weit oben, da hörte ich es an einem Bus kratzen. Nun, das kann ich ja nun nicht wollen, daß die schönen leeren Busse zerkratzt werden… Dornengestrüpp ist ja wirklich eine fürchterliche Sache, vor allem auch für den, der die Zweige enfernen soll, eigentlich für jeden, der damit in Berührung kommt. Und so war ich recht sparsam mit dem Entfernen und ging lieber wieder an die unsägliche Aufgabe Holz sägen.



Trampe. Straßenfront Foto: GTaag 05
Na so eng? Es verengt sich, tät ich sagen.




Wieder in Berlin, heute, ein Schreiben vom Amtsdirektor in Brüssow. “An den Eigentümer Grundstück 3, Flurstück 128, Gemarkung T.” Ja ich wußte schon, die Hecke, die gefällt denen nicht, da hatten sie schon mal im August letzten Jahres geschrieben. Meine Hecke stelle eine erhebliche Behinderung für den Straßenverkehr dar. Dann kam noch mal ein Anruf im Januar und jetzt dieser Brief, der mir ein Ultimatum bis morgen setzt, da ich ja als Eigentümer “auch vor dem Grundstück verantwortlich” bin. Bis zum 17.3., also morgen, habe ich Zeit, endlich meine Hecke zu schneiden, wenn nicht, ja wenn nicht, dann werde eine Firma beauftragt und mir das dann in Rechnung gestellt. So. Aus. Schluß. Mit uns nicht mehr.
Da war ich doch erst mal schnell und hab ein Fax geschrieben und um Gnade gebeten, eine Woche Aufschub.
Meine schöne dichte Hecke, ja sie wächst schon ziemlich über den Gartenrand, aber sie hält im Sommer den Staub ab und sie ist dicht wie ein Urwald. Sie *war* dicht wie ein Urwald, in der nächsten Woche. Vielen Dank Herr Amtsdirektor. Für die Arbeit in der nächsten Woche.

15. März 2006

Zukunftssicherung

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 20:57


Trampe Holz 06



Ob das eine so gute Idee war?
Die Stämme lassen sich nicht bewegen und ich habe mit der STIHL mal schon ein bißchen dran genagt. Genagt eben. Einen kleinen Stamm, vielleicht 80cm Durchmesser, habe ich immerhin durchbekommen. Aber irgendwie fehlt mir das Talent, einen Schnitt gerade zu setzten und beim zweiten Schnitt dann auf den anderen zu trefffen. So habe ich die 6 entstandenen Stücke wenigstens zwanzigmal geschnitten, wenn man mein Knabbern zusammenzählt.
Das Spalten dann ging gut von der Hand. 3 Stunden Arbeit, so sind 3 Schubkarren Holz entstanden für den Winter 2007/2008. Das nenne ich perspektivisch denken! 2 Tage ohne Gas heizen in 2 Jahren. So ist meine heutige Arbeit mindestens das Doppelte, wenn nicht Dreifache wert, wenn man die Entwicklung der Gaspreise zu Grunde legt.