|GTaag|

17. März 2006

Vorausphänomen, Neger

Abgelegt unter: Rezensionen — gtaag @ 12:22


Im Glück. Neger. Plakat / Quelle: Produktion



Das war der Arbeitstitel vom neuen Dokumentarfilm von Thomas Heise. Jetzt heißt er: “Im Glück. Neger” Warum Neger? Warum Glück? Man darf bei Thomas Heise nicht solche konkreten Fragen stellen. Sonst hat man Thomas Heise nicht verstanden.
Die ersten 20 Minuten waren einfach nur langweilig, was macht der hier mit mir, Schwenks aneinander, Geräuschfetzen, Kulissen und Bestandteile, bunt durcheinander, so, als würde gewürfelt werden, aber warum gewürfelt. Was soll das ganze hier. So ein sperriger Beginn, wo doch gerade die Anfänge so wichtig sind.

Aber dann macht sich Sven auf, der Protagonist, und besucht seinen Vater. Er fährt mit dem Zug von Berlin nach Riesa. Es splittet sich Ton und Bild, die Begegnung nach 12 Jahren wurde nicht gedreht. Der Vater, sein sächsisch, man hört es, man weiß es, jemand der schon am Tage sein Bier trinkt und im Unterhemd rauchend am Chouchtisch sitzt, den Blick auf den Fernsehapparat. Man weiß das automatisch.
Sie haben sich nichts zu sagen, Vater und Sohn, der Sohn will vom Vater auch eigentlich nur eine Unterschrift, daß der selber kein Einkommen hat, er braucht das für irgend ein Amt. Sven sagt: “Wir haben uns sehr lange nicht gesehen. Eigentlich meine ganze Jugend lang haben wir uns nicht gesehen. Mutter ist jetzt in Bayern. Ich bin alleine in Berlin.”

Von diesem Augenblick hatte mich der Film gefangen und Heise konnte mich quälen bis zum Ende. Quälen mit langen Einstellungen, mit Gesprächen, deren Ton man kaum verstand (nicht nur wegen der Anlage in der Volksbühne, auch sonst ist ein Ton, unprofessionell auf einer DV-Kamera aufgenommen, immer problematisch.) Quälen mit Sozialämtern, mit Aussichtslosigkeit, mit gestotterten Sätzen, mit unendlichen Schwenks.
Und immer wieder Züge. Immer wieder Bewegung. Ja weg. Fort. Hier ist nicht das Glück. Hier ist man Neger. Ja Neger. Ich habe keine weiteren Fragen. Unbedingt ansehen!

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