
Für dieses Einpersonenstück gibt es alleine in Deutschland 15 Darsteller. Falls mal einer ausfällt oder sich Aufführungen überschneiden. Es könnte also zeitgleich an 15 verschiedenen Orten, dieses Stück, aufgeführt werden und würde sein Publikum finden, so erfolgreich ist es. In der Arena (Berlin) nennt man es auch deshalb intern „Unsere CashKuh“, immer ausverkauft, immer zahlende Gäste. So etwas braucht jeder Laden, der die Finger in vielen Aktivitäten hat, das nennt man Risikostreuung, nur so kann man erfolgreich sein.
Vielleicht ist es ein Unterschied, ob man seine Eintrittskarte kauft, oder ob man den Eintritt frei bekommen hat, wenn man kauft, jedenfalls ist das so bei mir, muss man auch Lust auf das Stück haben, irgendwo muss ein Interesse geweckt worden sein. Aber geschenkt, da kann ich geschenkt ja schon mal ganz sportlich ohne Informationen hingehen, nur wissen: EinPersonenTheaterstück, erfolgreich, CashKuh.
Und gehe dann hin, setze sich auf meinen Platz, mustere mit offenen Augen die Location (hier hatte ich schon mal Sir Simon Rattle mit einem Educationprojekt gesehen, da war der Saal größer, jetzt hat man abgetrennt.) *)
Ja das ist es schon, man hat abgetrennt, schlauchartig. Und als es losgeht, ich sitze im hinteren Drittel, habe ich den Eindruck, als würde ich auf eine Briefmarke weitweit vorne schauen, auch noch links in der Reihe vor mir etwas eingeschränkt von einem Sitzriesen mit Muttermal im Nacken.
Geschenkt bleibe ich sitzen, nur irritiert. Aber hab dich mal nicht so, sage ich mir. Da gab es schon schlimmere Sachen. Aber welche?, mir fällt nichts ein. Was nichts zu sagen hat, denn ich gehe für gewöhnlich nicht ins Theater. Das letzte mal vor 10 oder mehr Jahren in die Volksbühne, zu Martthaler, Danke. Europäer, dieses Ding, das Stück war so gut, dass ich keine Lust verspürte, mir dieses Erlebnis durch dauernde schlechtere nehmen zu lassen.
Caveman ist schnell erzählt: Tom, um die 40, wird von seiner Heike ausgesperrt und vor die Tür gesetzt und räsoniert nun über die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Es ist ganz einfach, Männer und Frauen, die gehen einfach nicht zusammen. Männer sind Jäger und Frauen sind Sammler. **)
Der Mann, vor einem See, das andere Ufer ist das Ziel, baut ein Floß oder eine Brücke, gerade hindurch. Die Frau, überlegt, wie komme ich hinüber und geht nach links, unterwegs lässt sich bestimmt noch viel entdecken und aufsammeln.
Mann und Frau im Möbelladen, die Frau vor einem Bett, ach wäre das schön, der Mann, mit Blick auf das Preisschild, komm weiter, das können wir uns nicht leisten.
In dieser Art reiht es sich aneinander, zwar sind die Facetten der Darstellung des Mannes und der Frau bei einem der 15 Darsteller, Christoph Schobesberger, recht schnell erschöpft, Frauen sind bei ihm durch die Gegend tanzende Wesen, mit jeglichem Mangel an Bodenhaftung, Männer wirken immer so, als hätten sie einen Speer in der Hand und müssten sich ununterbrochen an die Brust hauen, ich Tarzan, du Jane. Interessant wäre, noch einen anderen der 15 zu sehen, wie die das so drauf haben, aber trotzdem, es hatte schon was. Es ist eben das Urthema Mann und Frau, die immer wieder eine Partnerschaft eingehen, obwohl sie eigentlich doch gar nicht unter ein Dach passen. Oder gerade deshalb, damit es nicht langweilig wird.
Und so habe ich mich über eine Stunde doch ganz gut amüsiert. Bis das Kopfmikrophon ausfiel und Tom noch gerade seine Sätze zu Ende brachte, ganz weit vorne, da in seiner Briefmarke.
Dann war Pause. Tatsächlich waren T. und ich dann die einzigen, die nach dem Klingeln vor ihrem Bier sitzen blieben. Wir schauten auf die Spree und dachten über uns nach. So ist es, wenn man Eintrittskarten geschenkt bekommt. Ich Tarzan, du Jane. Auf dem Nachhauseweg konnten wir viel lachen. Also doch, ein gelungener Abend.
*) Ich wurde heute korrigiert, Rattle hat in einem anderen Saal der Arena gespielt. Eigentlich wäre es ja auch komisch gewesen, wenn man freiwillig so einen Schlauch abtrennt.
**) In allen zugänglichen Puplikationen wird natürlich “SammlerINNEN” gesagt. Hallelulja.