|GTaag|

6. April 2006

Leben – wat sonst

Abgelegt unter: so — gtaag @ 13:19



Da wird wieder eine Sau durchs Dorf getrieben, jedenfalls hat man diesen Eindruck. Andauernd werden ja Säue durchs Dorf getrieben, nach wie vor ist es schwierig, dieses Durchs-Dorf-Sau-Treiben zu ignorieren, aber irgendwie, diese Säue, rosig und im Fleisch, das Schauspiel ermüdet, man schaut eigentlich nur noch hin, falls doch einmal etwas passiert, was anderes, aus Sensationslust schaut man vielleicht, oder man ist einfach nur drangebllieben, nach anfänglichem Interesse. Diese Säue.

Es ist der Ex Gerhard S. , der sich per Amtsgewalt seinen späteren Arbeitsplatz sichert.
Der Schwan mit Grippe und die Hauskatze, die sich angesteckt hat.
In Klein Bloggersdorf ist es das Abmahnwesen.
Die Hauptschulen, Jugendliche, die kein Deutsch können und deren Sprache Gewalt ist.



Nebenbei und parallel aktuell ist es auch die Themenwoche der ARD, Krebs, der liebe gute alte.
Überall in den Straßen begegnen einem Plakate mit einer ernstaften Frau Mitte 30 darauf. “Leben – was sonst.”

Schon das ARD-verbundene Radio morgens, bei der Schrippe und dem Kaffee, liefert Worte, Metastasen, Prävention, Vorsorgeuntersuchung. Man ist versucht, zum Dudelfunk zu wechseln.
05Leben2

Den Tag kann man einigermaßen unbeschadet überstehen, wird aber durch die Plakatierung auf den Abend vorbereitet, denn wenn man das Pech hat, ARD-Zuschauer zu sein, gibt es dann Filme, in denen sich viel umarmt wird, Familien wieder zusammenfinden und einer aus der MItte trotzdem sterben wird. So ist das und das ist nicht schön, als diese Sau, durchs Dorf, das mitansehen zu müssen. Ausnahmsweise keine Glatzen aus Überzeugung, sondern durch Chemotherapie.
Maischberger macht es auch nicht anders. Was soll sie auch machen, sie hat bestimmt einen Vertrag. Ihre Gäste kommen aus verschiedenen Lagern, der, der Vorsorge ablehnt, hat ein Buch geschrieben und verkauft sich gut, er hat es schwer, er sitzt breitbeiniger als nötig da und hat eine leise Stimme. Die, die Vorsorge verfechtet, ist Professorin und hat die richtigen Zahlen und Argumente. Ihre Stimme ist schrill. Ihr fällt es schwer, zuzuhören. So treibt sich die Sau durchs Dorf.



Ja, ich weiß, die ARD mit ihrer Themenwoche hat wenig mit den anderen Säuen zu tun. Eigentlich gar nichts. Aber gemeinsam ist ihr dieses gewisse Bomardement, diese Präsenz auf allen ihren Kanälen, und jeder hat etwas zu sagen. Eine Woche ist ja auch lang. Nicht klug, nicht schlau. Es atmet Planwirtschaftlichkeit.



Ein verwittertes Plakat wird nachgereicht. Versprochen. Bestimmt in 14 Tagen schon.

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