Dem Don Alphonso seine Sau durchs Dorf
Es war wohl ungefähr so, als hätte man als Tankwart an der eigenen Zapfsäule ein Lagerfeuer veranstaltet oder wäre man des nachts im Antiquitätengeschäft an der Ecke eingestiegen, um anderntags die erbeutet Ware eben jenem Antiquitätenhändler zum Kauf anzubieten: Eine PR-Agentur illustriert ihre Website mit einem Foto, welches sie einfach mal so kopiert hat und dieses Foto gehört einem A-Blogger. Soweit so nicht mal so schlimm. Aber diese PR-Agentur wirbt mit Blog-Monitoring von A-Bloggern, will heißen, Überwachung, will heißen, gegen einiges Honorar sucht sie Gründe zum Anschiß. Denn Blogs, das hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen, können ganz gut Stimmung machen, leider eben auch schlechte. Das interessiert, das will man wissen.
Das könnte doch wohl nicht eine Marktlücke sein? Sie ist es, bestimmt, also auf der eigenen Website diese Chance mit ausführlichem Artikel bekannt gemacht und ein Foto geklaut, dumm gelaufen: von einem A-Blogger,
Don Alphonso himself.
Nein, das tut man nicht, dem Haifisch eine Flosse klauen und ihm dann vorm eigenen Schnabel herumwedeln damit. Also wirklich. Denn so nimmt es dann seinen Anfang: A-Blogger schreibt bei einem anderen A-Blogger einen Artikel,
/hier/ in dem er ankündigt, dass, wenn es nicht in weniger Zeit eine entgegenkommende Reaktion wegen unerlaubt genutztem Foto und so geben würde, er bei sich und Blogbar posten würde, was ein Debakel wäre, für eine PR-Firma. Aber optimistisch könne man ja sein, schließlich werben sie ja damit, dass sie in sehr geringer Zeit, unter einer Stunde, Veränderungen in Blogs mitbekommen können, damit man, falls nötig, rasches Krisenmanagement einleiten könne. Nicht zu spät komme. Damit es nicht solche Debakel gebe wie in der jüngsten Vergangenheit mit Jamba und Transperency International.
Was dann folgt ist leider unerfreulich. Goliath ist in diesem Falle nicht die PR-Agentur, sondern der A-Blogger, er verhält sich aber so, als sei er David. Wer nachlesen möchte, wie man sich im Laufe eines Tages aufgeschaukelt hat, /hier/.
Zuerst geschah gar nichts, außer Aufheize, dann das Statement der Agentur, die Genehmigung zur Benutzung des Fotos sei vom Verlag sanktioniert gewesen, schnell entkräftet, leider eine Lüge, aber da lag der Hund eigentlich schon am Boden. Einmal zuckte er noch, dann stellte er sich endgültig tot. Keine Meldung mehr von ihm.
Über 200 Kommentare generierten sich an einem Nachmittag und Abend, ich schickte auch 3 los, als sich David so weit steigerte, Zitat: „Öffentlichkeitsarbeiter sind qua Beruf beruflich keine Privatpersonen.“ Hm. Starkes Stück Unsinn. (Wenn ich auch, jetzt, mit dem eingefügten „beruflich“ nicht ganz klar komme, entweder zu schnell geschrieben oder soll das doch was aussagen?)
An dieser Stelle, nach nicht mal 2 Stunden Freigabe zur Jagd hatte sich in den Kommentaren ein illustres Volk versammelt, teilweise schlau, teilweise lustgeifernd, alle geeint gegen Goliath, der schon am Boden lag, bevor es überhaupt losging, aber immer drauf. Stasi, diese. Und spätestens dann darf man ja hauen. Stasi.
Spätestens so ungefähr da hatte es mir die Lust an der Posse genommen, als David-A-Blogger seine
Rechnung postete, 250 Eurolein für das Foto, diese Ziffer eingefasst mit 2 Seiten Text. Mein Gott, muss der Mann beim Verfassen eine Erektion gehabt haben!
Was ist, 24 Stunden später, bei mir übriggeblieben?
Zum einen wurde sehr anschaulich Macht illustriert, worüber auch ich nur froh sein kann, sonst könnte auch ich hier meinen C-Blog (schlappe 5 Leute am Tag, die vorbeischauen, kein Kommentargeschehen, Verlinkung, nein) bestimmt bald dicht machen. Zum anderen ein arges Gefühl der Peinlichkeit. Nee, war das aber auch peinlich, diese Trittbretttypen, jeder zweite hatte da schon mal so „eine Zeit“, in der er „Einblick“ in PR-, Politik- oder Journalistenbetrieb bekommen hatte. Ach ja.
Leider. Man kann sich seine Haifische eben nicht aussuchen.
April 28th, 2006 at 11:33
Die Suche nach der jeweils aktuellen Sau für das Dorf und das Stöckchenspiel “ich mache auch mit”, ein Insiderspiel der Blogger.
Aber 250 € finde ich in diesem Fall viel zu billig; weil:
“Aber diese PR-Agentur wirbt mit Blog-Monitoring von A-Bloggern, will heißen, Überwachung, will heißen, gegen einiges Honorar sucht sie Gründe zum Anschiß”
An diesem Punkt liegt die Brisanz in Zeiten wo es ein Geschäftsmodell gibt per systemantischen Mißbrauch von Abmahnungen Umsatz in die Kanzleikasse zu bringen.
Ein entsprechendes wirtschaftliches Gegenmodell fände ich schon hilfreich, bis endlich irgendwann mal einer der Abmahner wg. Betrug, Rechtsmißbrauch oder dergl. rechtkräftig honoriert wird.
April 28th, 2006 at 11:20
re: “dagegen kann man vorgehen. doch stundenlang lamentieren und am ende doch die rechnung aufmachen – wenn sowieso, warum nicht gleich und ohne viele worte?”
ich bin über den eintrag jetzt erst gestolpert. als mitbetroffener sei hier bemerkt, dass es in der tat auch eine nicht ganz so laute seite an der geschichte gab. dass nämlich die PR-agentur von mir am mittag und nachmittag zweimal per eMail aufgefordert wurde, mir einen honorarvorschlag zu unterbreiten. zweimal sind sie nicht darauf eingegangen, zweimal haben sie lamentiert, dass es eine angeblich erlaubnis von seiten des verlages gegeben hätte. bewegung kam erst in der sache, als ruchbar wurde, dass sich auch der verlag einschalten würde.
zu der eskalation die es dann am abend gegeben hat, gehören zwei seiten. nicht nur don.
April 27th, 2006 at 23:29
[…] Der Gustav von blog.gtaag.de hat sich als Chronikschreiber der lustigen Art versucht und noch mal den Fall Don Alphonso gegen die PR-Agentur Johanssen + Kretschmer betrachtet. Kurz, knapp und sehr pointiert. Der Artikel ist nicht ganz neu, aber der Herr Alphonso meldete sich in den Kommentaren sogar persönlich zu Wort. (via) […]
April 27th, 2006 at 22:04
[…] mein Gott, ich hab mir beim Lesen dieses Artikels fast in die pants gemacht, herrlich.. zB eine Perle: Spätestens so ungefähr da hatte es mir die Lust an der Posse genommen, als David-A-Blogger seine Rechnung postete, 250 Eurolein für das Foto, diese Ziffer eingefasst mit 2 Seiten Text. Mein Gott, muss der Mann beim Verfassen eine Erektion gehabt haben! […]
April 18th, 2006 at 21:21
Meinten Sie mich, Mr. Waschsalon oder Max.K.Berg.? Denn der war auch schlauer wie auch treffender.
Vielen Dank.
GTaag | Homepage | 04.18.06 – 12:35 am | #
April 17th, 2006 at 21:20
schlaue analyse, das.
waschsalon | Homepage | 04.17.06 – 11:06 pm | #
April 16th, 2006 at 21:19
natürlich soll niemand das urheberrecht verletzen. dass es trotzdem (täglich hunderte male und auf jede erdenkliche weise) passiert, ist unerfreulich, aber dagegen kann man vorgehen. doch stundenlang lamentieren und am ende doch die rechnung aufmachen – wenn sowieso, warum nicht gleich und ohne viele worte?
geht es eigentlich um etwas anderes? der blog als unprätentiöser, „wilder“, gern auch heiterer gegenentwurf zum etablierten medienbetrieb – alles schon vorbei? statt dessen persönliche eitelkeit, aufmerksamkeitsgeheische, volkserzieherei. na dann, ab in den kleinbürgerlichen mustopf: blogs zu und vorwärts zu neuer (selbst)beschränktheit …
Max K. Berg | 04.16.06 – 2:29 pm | #
April 15th, 2006 at 21:19
Stimmt, man muß wirklich nicht ins Haifischbecken steigen.
Zu dem privat-beruflich, das kann ich natürlich so – in diesem Kontext – auch unterschreiben.
GTaag | Homepage | 04.15.06 – 4:09 pm | #
April 15th, 2006 at 21:00
Ach so, und wegen dem “beruflich”: Das steht bewusst drinnen. Was ich damit ausdrücken wollte ist, dass PR-Leute, die sich in ihrem Beruf zu ihrer Person äussern, meines Erachtens eben keine Privatpersonen sind. Wenn sie gut sind, kommt diese Personality-Nummer durchaus gut an. Wenn sie daneben geht, kann man schlecht sagen, dass man jetzt bitteschön privat bleiben will. Ich würde das generell nicht machen, wäre mir zu riskant.
Es gab da mal den schönen Fall des offenen Forums der bayerischen BAW, wo sich deren Absolventen selbst darstellen konnten, mit Bio etc. Ein paar der Postings waren erheblich grenzwertig über dummdreist bis zum Verrat von Unternehmensinterna der HR. Das ging eine Weile so, bis dann mal ein Artikel über mache Äusserung erschien. Die BAW hat das Ding plattgemacht, und die betreffenden Damen haben sich beschwert, man hätte ihre Privatsphäre beschädigt.
Don Alphonso | Homepage | 04.15.06 – 1:29 pm | #
April 15th, 2006 at 20:18
Danke für die kritische Würdigung. Du hast teilweise recht: man kann sich die Haifische wirklich nicht raussuchen. Andererseits auch unrecht: Man muss ja nicht ins Haifischbecken steigen.
Ich kann Dir aber versichern, dass eine Reihe von Leuten schon auch wissen, wovon sie reden.
Und die Rechnung… wir wissen wohl beide, dass 250 Euro ein kleiner, fast symbolischer Betrag ist, es geht nicht um das Geld, sondern um den Lerneffekt. Ohne die Lüge über den Verlag, mit einer schnellen Entschuldigung, wäre es sicher auch anders gegangen. Aber genau das haben sie nicht gemacht. Das lesen jetzt auch viele PRler. Und ich habe Hoffnung, dass sich die nächste Generation etwas geschickter im Umgang mit Haifischen anstellt. Schliesslich ist das Meer gross, und meistens gibt es keine Probleme.
Don Alphonso | Homepage | 04.15.06 – 1:07 pm | #