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26. April 2006

Gerontologisch

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 14:24
“Irgendwann hat sich das sowieso erledigt, mit diesen Thema, beim Dokumentarfilm.” Das sagte ein Kameramann vor ca. 10 Jahren, als wir in Theresienstadt unterwegs waren. Abends hatten wir zusammen gesessen, wie üblich nach solchen Drehtagen in der Fremde. Ich hatte ihn gefragt, wohl mehr als Feststellung: Du machst ja dauernd solche Filme.

Diese Feststellung kam wohl nicht besonders gut, denn nach dem einen Film (Balagan) und dessen Erfolg war er abonniert. Auf Israel, Juden, Konzentrationslager. Vertreibung und Vernichtung. Und da es eine Mähr ist, sich irgendetwas aussuchen zu können, was man so macht im Beruf, schaute er mit Schaukelpferdblick. Man kann sich eben nicht wehren, warum auch, es hätte ja auch schlimmer kommen können, das allemal, Krankenhausserie beispielsweise. Oder aktuelle Berichterstattung.



Es wurde tatsächlich stiller um diese Themen, jedenfalls um Dokumentarfilme, in denen Zeitzeugen auftreten, die man dann an diese Schauplätze begleitet. Die dann erzählen. Jedenfalls in meiner Wahrnehmung wurde es stiller. Zwar trifft auch auf mich zu, dass ich mir nicht aussuchen kann, was ich so für Projekte habe, aber in den letzten Jahren waren es mehr Spielfilme. Das habe ich sehr forciert, aber nicht ausgesucht.

Dann kam vor 3 Wochen ein Anruf aus Amerika, dass für den dokumentarischen Teil eines Spielfilmes, der noch gedreht werden wird, in Berlin Aufnahmen stattfinden sollen, das müsse jetzt geschehen. „Der Protagonist ist schon 83.“ Aha, das gerontologische Problem. Und ich sagte das auch noch, am kurzen Zögern am anderen Ende der Leitung merkte ich, da war man etwas irritiert. Von einem Deutschen, so etwas. Ich konnte ausbügeln, selbstverständlich, aber was kann ich denn auch dafür, dass mir spontan der Satz des Kameramanns einfiel, Dokumentarfilm ist sowieso bald erledigt. Mit diesem Thema.



Und so kamen sie über den Großen Teich geflogen, Kameramann, Regisseur, Produktionsleiter und Protagonist. Für das Ende eines noch nicht gedrehten Spielfilmes: Ein alter Mann geht in Plötzensee in den Raum der Hinrichtungsstätte und sagt etwas über Hermann. Hermann ist statt seinem dort 1943 der Kopf abgeschlagen worden. Er hat weitergelebt. Eine wahre Geschichte.

Diese Geschichte muss so ungeheuerlich sein, dass sie wie ausgedacht wirken wird. Und nachdem sie zu Ende erzählt ist, tritt der alte Mann auf. Nein, keine ausgedachte Geschichte. Es kann wirklich sein, dass einem dann der Atem stockt.



Im Herbst soll der Spielfilm gedreht werden. In Tschechien oder in Ungarn, Teile in Deutschland. Noch steht die Finanzierung nicht, Low Budget. Wie viel Geld ist denn schon da. 10 Millionen Dollar. In Deutschland nennt man das eine anständige Finanzierung. Man darf gespannt sein. Arbeitstitel: „Truth And Treason“.

 

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