|GTaag|

30. Mai 2006

Tauschbörse

Abgelegt unter: usw. — gtaag @ 19:32
Serie drehen ist langweilig. Das ist so, als würde man in eine Schraubenfabrik gehen, der Bedarf an Schrauben hört nie auf. Oder in eine Streichholzfabrik, der Bedarf an Streichhölzern hört nie auf. Serie bedeutet vor allen auch, immer 3 oder 4 Folgen parallel zu drehen, so werden die einzelnen Motive abgefeiert. Man hat dann gar keinen Durchblick mehr, was man in der Geschichte eigentlich nun gerade dran hat, alles verschwimmt zu einem Einheitsbrei, so wie Serien ja auch sind. Diese Parallelität lässt auch gar keine herausragenden Emotionen zu, man kann gar nicht richtig loben oder schimpfen, eigentlich ist man nur damit beschäftigt, abzuarbeiten.
Meistens macht es sich dann das Team gemütlich miteinander, man fühlt sich zusammen in einem Boot sitzend, was eng ist, aber das Meer muss nun ja nun mal durchquert werden, Horizont in Sicht, ja ganz weit hinten. Das ist durchzuhalten. Also warum sich Stress machen?
Hier in meiner Serie hat man damit begonnen, miteinander Bilder von Fußballern zu sammeln, zu tauschen, zu verkaufen. Das macht bestimmt die Hälfte der 30 Leute mit. Dazu gibt es ein Album, Zu Gast bei Freunden steht drauf, darin werden die Bildchen geklebt und damit wird sich beschäftigt. Es geht richtig ernsthaft zu, wobei mir bisher verschlossen geblieben ist, worin der Reiz besteht. Ein Reiz würde doch nur im Mangel bestehen, wie wird denn dieser Mangel an Bildern so künstlich aufrechterhalten, ich verstehe es nicht.
So beschäftigt sich das halbe Team miteinander, es wird getuschelt, über Walkytalky geredet und jede freie Minute am Tauschbörsentisch verbracht, ernsthaft und diszipliniert, ohne die eigentliche Arbeit zu vernachlässigen.
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Einmal saß die Makeupfrau neben mir und der Kameraassistent kam hinzu. Er kaufte ihr ein Bildchen ab. Sie holte ihr Portemonnaie hervor und die Transaktion ging sehr schnell vonstatten. Das interessierte mich dann nun doch, wie teuer?, sie sagte, 30 Cent. Ich war enttäuscht, so wenig, ich hätte mindestens 5 Euro gedacht, irgendwoher muss doch der Reiz kommen. Ich sagte, ach so, 30 Cent, und sie sagte, ja, das ist doch viel, für einen Schüler, wenn der 30 Cent bezahlen müsse. Aber ihr seit doch keine Schüler, sagte ich. Sie schaute mich erstaunt an und antwortete nicht.
Aha, so weit ist es also schon. Sie schaffen sich schon eine Parallelwelt miteinander! Das sind ja ungeheuerliche Vorgänge! Und so bleibe ich weiter außen vor, frage nicht weiter nach, vermute, beobachte, finde es unbegreiflich. Wie ich schon sagte, Serie drehen ist wirklich langweilig.

25. Mai 2006

Schauspieler

Abgelegt unter: usw. — gtaag @ 19:38

“Wenn man in Californien am Strand einen Stein wirft, trifft man gleich ein Dutzend von ihnen”. Das umschreibt wohl am treffendsten die Schauspieler der Vorabendserie, der ich mich nun angeschlossen habe: Schöne, großgewachsene Menschen mit schnellem und optimistischem Lachen, redegewandt, eloquent, gut gelaunt. Warum fällt es mir nur so schwer, mir die Vornamen zu merken. Ist da irgend ein Geheimnis? Sie müßten alle Bob oder John heißen. Warum?

Vor langer Zeit hatte ich mal einen Kollegen, der nannte alle KRAUSE. Der Regisseur war Krause, der Kameramann war Krause, ich war Krause. He, Krause, komm mal her. Krause, mach mir mal die Tür auf. Krause, reich mal das Salz rüber.

Tagein tagaus rannte er in Gesundheitsschlappen herum und hatte die Angewohnheit, den Schnaps aus Wassergläsern zu trinken. Mit Nachnamen hieß er nicht Krause, er hieß Lietschew. Vielleicht deshalb der viele Schnaps. Ich kanns ja nun sagen, er ist gestorben. Vielleicht sollte ich seinen Krause-Trick übernehmen?

Die Mädchenschauspieler sind alle sehr symphatisch. Hier ist man auch nicht so schamig, wenn ein Mikrophon zwischen die Brüste geklebt und der Sender am Oberschenkel befestigt werden muß.

In Pakistan war mal eine junge Schauspielerin, die – nachdem ich ihr so ein Mikro installieren hatte lassen – zur Strafe nur lautlos die Lippen bewegte. Ich dachte tatsächlich, da sei irgend etwas kaputt, aber sie wollte sich bei mir nur rächen, daß ich ihr so nahe gekommen war und überhaupt so nahe war. Sie bekam dann mit der Regisseurin einen fürchterlichen Ärger, nachdem ich das eigentlich hatte anders klären wollen, zum Schluß war es mir selber peinlich, dieses Aufsehen. Denn natürlich, wenn man eine fremde Stimme so nah auf seinen Kopfhörern hat, im Grunde trete ich in einen intimen Kreis. Sie wollte das nicht. Als Schauspieler muß man das natürlich zulassen, auch in Pakistan. In Deutschland ist das kein Thema. Da ist es eher so, daß man vergeblich nach irgendwelchen Barrieren sucht. (Oder es wird gezickt. Aber das ist eine ganz andere Sache.)


22. Mai 2006

So ein Beginn.

Abgelegt unter: usw. — gtaag @ 19:44
Heute haben sie doch tatsächlich, und das am ersten Tag, geloost: Wenn man 6 Minuten auf dem Plan hat, will heißen, 6 Minuten Sendeminuten sollen gedreht werden, kann man sich keinen Ausfall leisten. Vor allen dann, wenn *jeden* Tag über 2 Monate lang 6 Minuten geschafft werden müssen. 6 Minuten sind ein mörderisches Pensum, ja ich weiß, vielleicht liest hier jemand mit, der 8 bis 10 Minuten am Tag auf dem Plan schon hatte, aber die nenne ich die Adolf Hennecke des Films, bzw. so sieht es dann auch aus, Schauspielerarbeit ist dann gar nicht mehr und der Kameramann läßt nach dem Motto Licht setzen: Mach mal hell.
Aber so etwas wollen wir doch gar nicht erst anfangen! Doch auch schon bei 6 Minuten kann nur die Qualität auf der Strecke bleiben, naja, ist ja Vorabendprogramm, naja. Aber loosen darf man da trotzdem nicht.
Auf der Hinfahrt heute in aller Herrgottsfrühe sagte der Wetterbericht mir schon, heute Nachmittag wird es Schauer geben, da kann der Himmel noch so blankblau jetzt aussehen. Aber als Tonmeister, noch dazu am ersten Tag, da sage ich doch so etwas nicht in die Runde, nur dem Kameramann, bei der Begrüßung und gleichzeitig Vorstellung, hab ich gesagt, Schitt, heute Nachmittag regnets, woraufhin er sagte: Sag doch so etwas nicht. – Es ist natürlich auch unschön, so etwas zu sagen, wenn den ganzen Tag draußen gedreht werden soll und man sich noch gar nicht kennt, also hab ich mir auf die Zunge gebissen und nichts weiter gesagt, wobei mir ganz sicher war, daß es regnen wird. Aber ich werde doch nichts beschreien. Und dachte immer noch im Stillen, ein Coverdrehplan sei aufgestellt, bei der Ruhe, mit der bis 13Uhr gedreht wurde, und da war auch schon Wind aufgekommen und es war schwühlwarm, sicheres Zeichen für Regen, vielleicht in Ägypten nicht und in Jordanien auch nicht, aber in Europa schon. Da braucht man gar kein Prophet sein, nur die Augen ein bißchen offen behalten.

Langer Rede, kurzes Ergebnis, 2 Minuten, wenn nicht mehr, sind heute hängen geblieben. Es schüttete, daß es nicht mehr lustig war. Was für ein Anfang. Kein Ausweichplan, bei einem Dreh in Europa. Ich lach mich tot.

21. Mai 2006

Da ist er

Abgelegt unter: Abwege — gtaag @ 17:49
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Am Freitag haben sie mir das Ding freundlich vor die Tür gestellt. Und sehen Sie mein feistes Grinsen? Das ist eben schon etwas anderes, als ein 16jähriger Saab es ist. Jedenfalls wenn man mal das ganze übersieht, was andere Leute in so einen Saab900 hineinlegen, an Kult und so, aber die müssen so ein altes Auto ja auch nicht fahren. Hingegen so ein Neuwagen, da ist alles leichtgängig und ruhig, hat einen Tempomaten und – zwar hat das mein Saab auch schon – die Blinker gehen alleine wieder zurück. Wow. Auch fühlt der Wagen, wenn es regnet, dann schaltet er die Scheibenwischer ein. So ein famoses Teil ist das. Na jetzt geb ich ihn 2 Monate erst mal nicht mehr her. Die Rückbänke sind schon umgelegt, gleich werden die Silberkisten eingeladen. Viel Stauraum hat er ja, das wird schon passen.

Aber ich wollte doch eigentlich nichts schreiben über das zur Verfügung gestellte Auto, dem man mir sogar das Futter bezahlt. Hallo sixt, hallo VW, sie wissen gar nicht, daß hier jemand sie loben will? Dann mach ich es gleich wieder gut: Es stinkt gewaltig da drinnen. Was fällt Ihnen überhaupt ein, mich hier zum Trockenwohnen zu benutzen? Und dafür soll ich mich also auch noch bedanken? Nee, keine Silbe mehr von mir!

20. Mai 2006

Autowahl

Abgelegt unter: Abwege — gtaag @ 21:21
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Nein, ein Audi ist es nicht geworden. Ich soll ja auch nicht zu sportlich sein. Auf Opel konnt ich sie auch nicht überreden, bei sixt, der Typ am Telefon, der hatte auch so ein irritiertes Zögern, ich habe es dann nicht weiter versucht.

19. Mai 2006

„ENDE“

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 20:56
Herr Poodle hat sich mittlerweile vom Netz genommen, *) nachdem seine Kommentarleiste sich verselbständigt hatte. Wer schon mal in einer Mailingliste aktiv war wird das kennen, wenn sich dann ein Thema eigenständig macht und alle Mitglieder irgendwie und irgendwas sagen müssen, dann wird schnell polarisiert und polemisiert und offen werden Feindschaften ausgetragen, so weit unter die Gürtellinie, wie man es im RL wohl nie machen würde. Mittendrin dann die beschwichtigenden Stimmen, sehr moralisch, und eigentlich wollen sie nur schlichten, um dann (selbst eitel) trotzdem Partei zu ergreifen und Öl ins Feuer zu gießen. Wenns heftig zugeht, tritt dann einer aus, natürlich mit viel tamtam und viel Vorankündigung.

Viel tamtam hat ja Herr Poodle nicht gemacht, jedenfalls habe ich es nicht mitbekommen. Selbst wenn, das ENDE auf seiner Site muß ja nicht das letzte Wort sein. Das hoffe ich jedenfalls. Und wenn ja bitte ich höflichst per Privatmail um die neue Adresse, unter der er wieder auftritt. Denn das Schreiben werden Sie doch nicht aufgeben, Herr Poodle. Oder wie denn das?

*) Na jetzt, nicht mal 24 Stunden später,  ist er ja wieder da. Es lebe hoch das temporäre Ende!

18. Mai 2006

ABC-Blogger

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 11:16
Seit Jahren lassen Sie keine Gelegenheit aus, sich zu einer Art Speerspitze der Erneuerung aufzuplustern, empören sich über dieses und mäkeln an jenem – stets vom hohen moralischen Ross herab natürlich – nur um wie eine billige Straßennutte sofort die Beine breit zu machen, sobald einer mit ein paar Scheinen wedelt. Soweit der verehrte Poodle.

Wo die Aufregung groß ist, da kann man wohl schon im Vorfeld von einem gelungenen Marketingballon reden: 4 A-Blogger (die mit vielen Lesern und entsprechend flotter Schreibe) bekommen für 4 Wochen einen Opel Astra, nicht nur, daß sie ihn bekommen, sie kriegen sogar den Sprit dazu! Na das mit dem Sprit, das regt mich ja eigentlich nun auch auf, mich armen C-Blogger, mit meinen 10 Hanseln am Tag hier, 4 davon über Google mit zweifelhaften Suchanfragen, 4 mit 0 Sekunden und 2, die lesen, kommen aber nicht wieder. Pha! Fahr ich eben meinen ollen Saab weiter, ist ja auch jetzt Opel, aber meiner ist noch Original!
Aber ist doch Klasse, 4 unhabhängige Geister steigen in einen Opel Astra, würden die doch sonst nie tun. Und haben keine Vorgaben, was sie schreiben sollen?, nehme ich doch mal an, ist doch noch mehr Klasse! Nur die Sache mit dem Sprit. Da würde ich noch mal nachverhandeln. Da habt ihr, Leute, euch echt zu billig nehmen lassen.

Apropos C-Blogger: Manchmal ärgere auch ich mich ein bißchen. Denn meiner nahen Umgebung hab ich, Eitelkeit läßt grüßen, vom eigenen Bloggen erzählt und die halten mich natürlich gleich für einen A-Blogger, mindestens B. Und entblöden sich nicht mal zu verlangen, ihnen die Texte vorzulegen, bevor ich auf den Sendebottom drücke. Wieder Pha. Hab dann was von mangelndem Vertrauen geredet. Und den Sendeknopf gedrückt. (Kann ihnen doch nicht erzählen, daß ich 2 Leser am Tag nur habe, würden die doch berechtigt fragen, warum ich das ganze hier veranstalte. Ja warum veranstalte ich das ganze hier?)

Morgen jedenfalls gehe ich erste einmal zu sixt und hole mir für 2(!) Monate einen Mietwagen ab. Das schont den ollen Saab. Ich muß mich noch entscheiden zwischen VW, Audi und Renault. Da wird wohl die Größe des Kofferraumes auschlaggebend sein. Aber versprochen: Ich schreibe darüber nicht. Es sei denn, der Wagen stinkt. Wird er wohl tun, stinken ja alle, diese Neuwagen. Ungesund. Nein, ich meine, wenn er auch sonst stinkt.

16. Mai 2006

win-win-situation

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 13:48
Er war ihr Tauchlehrer gewesen und dann hatten sie sich ineinander verliebt. Ganz jung waren sie nicht mehr, er Mitte, sie Anfang 50, aber dieses Verlieben war sehr auf einmal gekommen, so wie ganz früher, darüber staunten sie jeden Tag aufs Neue wieder und gaben sich dem hin, diesem Gefühl und jeder dachte für sich: Das es so etwas noch einmal für mich geben würde!
Er war Däne und sie war Deutsche, sie konnte dänisch, sie hatte in Dänemark ein paar Semester studiert, er konnte ein bisschen deutsch. Und so unterhielten sie sich meistens, wenn es ernster wurde, englisch. Das war für beide dann gleiche Voraussetzung.
Ernster war es bald geworden, denn sie hatte Deutschland verlassen und war zu ihm nach Ägypten gekommen. Er hatte in seinem Leben schon 5 Tauchschulen aufgebaut. Die sechste sollte mit ihr zusammen sein. So wie ein Neuanfang, gemeinsam. Am Roten Meer sollte es sein, dort sind die Tauchbedingungen gleich bleibend gut und in Ägypten wird der Tourismus als Haupteinnahmequelle von Staatswegen gefördert. In Dahab wurde ein Objekt gefunden, ein Ressort, vor einem Jahr pleite gegangen, man hatte sich als Vergnügungspark versucht. 2 Türme mit Figuren oben drauf, ein Pirat, der mit einem Einrohr Ausschau hält, ein anderer, der winkt. Eine Diskothek, deren Eingang ein Haifischmaul ist, oval geschwungen und mit ziemlich großen Zähnen. Alles noch ganz gut in Schuss, nur etwas Karies und schrecklich. Gar nicht passend zu ihrem Konzept.
Sie wollten eine Behindertentauchschule eröffnen. So etwas gibt es noch nicht auf der Welt. Sie würden die ersten sein. Sie schauten sich an. Sie hatte eine Zigarettenspitze in der Hand, er hatte eine dunkele Sonnenbrille auf. Sie forderte ihn auf, seine Brille abzusetzen, sie wolle seine Augen sehen, er setzte bereitwillig seine Brille ab, seine Augen waren klein und munter, voller Energie, und so redete er auch, wenn er englisch redete, voller Enthusiasmus, dann war es ein Mann, der überzeugen konnte, so einer, der Visionen verkauft, mit vielen Worten. Der selbst in Anbetracht des noch bevorstehenden Umbaus von einer „win-win-Stituation“ sprach, schwer zu glauben, wenn man sich so umschaute. Man hätte ihm eher Recht gegeben, hätte er vorgehabt, eine Diskothek aufzumachen, aber eine Taucheinrichtung für behindertengerechtes Tauchen? Wobei sein Konzept ganz klar schien und wenn er mit Feuer darüber redete, mochte man ihm glauben, Behinderte, die von einem Steg ins Hausriff hinuntergelassen werden, für so ein Riff fährt man in anderen Teilen auf der Welt kilometerweit von seiner Basis aus, hier ist es vor der Tür, 14 Meter tief und so weit wie das Auge reicht. Und diese glücklichen Gesichter, es ist alles so einfach, auch Behinderte glücklich zu machen. Ja natürlich, die Bungalows müssen erst einmal behindertengerecht umgebaut werden. Und ein Pool werde gebaut. „Am wenigsten müssen wir in den Räumen für die Tauschschule verändern.“ Wenn er deutsch sprach, wirkte er etwas nachdenklicher und etwas realistischer. Die Räume fürs Tauchequipment und die Tauchschule waren praktisch vorhanden, musste nur noch renoviert und bestückt werden. Dort hatte schon einmal eine Tauchschule bestanden.
Bei allem, was vielleicht werden wird: Ein Paar in Zweitem Frühling. Als sie zum Meer hinuntergingen, nahmen sie sich verliebt in den Arm und er sagte mit großer Geste: „Alles unsers.“ Das hatte er dänisch gesagt.
Letztlich Geschäftstüchtigkeit lässt sich ihnen nicht absprechen. Nach den Bombenattentaten Ende April hatten sie erfolgreich neu verhandelt: Die Miete berechnete sich nun nach Umsatz und auch das nur bis zu einer bestimmten Höhe. Nicht, wie vor den Bombenanschlägen, mit einer fixen und hohen Summe jeden Monat. Nun könnten sie beginnen. Schon im Juni werde Eröffnung sein. Natürlich nicht sofort mit Behindertentauchen. Aber man müsse ja schließlich erst einmal klein anfangen. Auch bei einer typischen win-win-situation.

14. Mai 2006

Deutscher Filmpreis 2006

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 01:44
Den Roten Teppich bin ich nicht hinaufgelaufen, nicht weil ich mich hätte davor drücken wollen, aber der freundliche schrankbreite Herr im dunklen Anzug sagte, als wir ihn fragten, wo wir die Karten abholen könnten, da vorne, und so liefen wir außerhalb nach oben, seitlich, was denen oben gar nicht gefiel. Gäste haben eben über den Roten Teppich zu laufen, vorbei an den Schaulustigen und Autogrammjägern, hell beschienen von den blauen Tageslichtlampen, oder waren wir doch keine Gäste, T. und ich?

Doch, wir waren, schließlich habe ich den Originalton des Filmes aufgenommen, der schon am Olymp angeklopft hatte, er war nominiert zum Oscar für den besten ausländischen Film. Nun also Nominierung für den besten Film zum Deutschen Filmpreis, das also auch noch, und so fand sich mein Name auch wirklich auf der Gästeliste, aber T.s Name nicht, wobei man sich gnädig zeigte, sie durfte mit mir hinein.
T. im sommerfrischen Kleid, durch die hohen Schuhe 15 Zentimeter größer als ich. Ich im hellen Sakko und mit Schlips, ja.
T. hatte beim Anziehen gesagt, wir gingen viel zu wenig so weg, in dieser Garderobe. Ich finde das ja nicht, aber als ich sie sah beim Anprobieren dieser außergewöhnlichen Kleider, so schlank und groß und so eine Erscheinung, dass andere Männer sich umdrehen, das weiß ich, da dachte ich das doch, dass wir viel zu wenig so weggingen.

Das Palais am Funkturm ist nichts für kleckernde Veranstaltungen, da muss geklotzt werden. Und so wurde geklotzt. 4 Buffets habe ich gezählt auf den beiden Etagen und bestimmt ein Dutzend Theken für Bier, Wein und Cocktails. Und wer es schnell haben musste, griff fürs Bier in einen der Kühlschränke, wie man sie aus Tankstellen und Supermärkten kennt. Die waren überhall zu finden. Ein Öffner hing auch an einer Strippe, man brauchte sich nicht zu sorgen.
So musste man sich mehr sorgen, verloren zu gehen. Heute habe ich gelesen, es seien 2000 Menschen da gewesen, das sind also 2000. Ich denke es waren locker 1000 mehr. Es war wirklich so, dass man sich sehr gut übersehen konnte, wenn man sich nicht sehen wollte, aber genauso eben auch andersherum: Man fand sich einfach nicht. In diesem Gedrängel und Gewimmel. So hatte ich den Eindruck, dass es hauptsächlich eine Party des suchenden Herumlaufens und des verzweifelten Handybenutzens war. Eigenartig. Denn man war ja hauptsächlich da, um sich zu treffen und sich sehen zu lassen, sich in Erinnerung zu rufen, Kontakte zu pflegen, unverbindlich zu reden, zu zeigen, dass es einem gut geht, dass man im Geschäft ist, dass man lebt, gut aussieht, weiter zur Verfügung steht. Alles so etwas, so etwas Schreckliches. Wie es so ist in einer Freiberuflerbranche.
Und so war es wie immer: Man traf dann doch endlich jemanden, der, im Gespräch. – Im normalen Leben hätte man ihn nie angesprochen, hätte abgewartet, mindestens auf ein Luftholen hätte man gewartet, und sich dann entschuldigt, ob der Unterbrechung, aber hier, oder vergleichbaren Parties, da brauchte man das nicht, ging einfach drauf zu, wurde sofort auch mit der gebührenden Aufmerksamkeit bedacht und musste sich gar nicht kümmern, dass man gerade unterbrochen hat, man wechselte kurze vertraute Worte, schließlich baut man ja auf gemeinsame Arbeit und Erlebnisse, hatte sich lange nicht gesehen und so ging es nicht mal unangenehm und nicht einmal erschöpfend, bis dann, oft im guten Timing ein anderer dazwischentrat, man wurde auch noch vorgestellt manchmal, ich genoss es einigermaßen, als der Tonmeister vorgestellt zu werden, der in Palästina auch ausgehalten hat, als das Filmprojekt eigentlich gerade begann, den Bach hinunterzugehen und die Hälfte des Teams das Handtuch geworfen hatte. Gar nicht mal so schlecht, wenn das so in den Köpfen drin ist, entspricht ja auch der Wahrheit, aber wann wird man denn schon mal fürs Aushalten gelobt, in dem Fall honoriert es sogar die Branche, vor allem wenn dann ein Film dabei herausgekommen ist, der allgemein geadelt wird. Vor allen Dingen deshalb.
Und so konnte man weiterswitschen, mit Alkohol üppig versorgt, so ein Abend. Zwischendurch ging T. auch verloren, ich machte mir erst keine Gedanken, dieses Kleid würde auch im größten Gewimmel auffallen, denn man trug hier allgemein gedeckt, sprich dunkel, aber denkste, ich sah sie nicht, immer wurde ich gefunden. Weil ich mich ja auch dauernd unterhalten musste.
Aber irgendwie. Irgendwie war es schon eigenartig. Wir gingen, uns einig, kurz nach eins. Das war früh. Zwar liefen nicht mehr gar zu viele suchend durch die Gegend, sondern waren im Switschprozess, aber es reichte. Ich mag solche unruhigen Veranstaltungen nicht. Was eine ungelassene Branche. Es war nicht einmal dazu angetan, sich da so richtig zu betrinken und lange auszuhalten, bis es lichter werden würde und sich einzelne harte Kerne gebildet hätten. Nicht einmal das.
Auf dem Weg hinaus begegneten wir diversen Tatortkommissaren und beobachteten eine Frau, die ein Kissen offen und offensichtlich als Souvenir mit hinaustrug, so eine blonde, hochgewachsene mit Hüftschwung. Dieses Kissen, sie trug es so wie es sein musste, ganz selbstverständlich, und, geklaut. Über dieser Beobachtung vergaßen wir ganz den Roten Teppich zu genießen und immer noch unten die Bewunderer und Erhascher und Autogrammjäger. Mit dem Kissen stieg die blonde in ein Taxi. Ich werde mal bei eBay gucken: „Sie bieten auf ein original 2006er Filmpreis-Kissen von Tom Tailor. Darauf gesessen haben die Ärsche von Ulrich Mühe, Sandra Hüller und Florian Henckel von Donnersmarck. Startpreis: 1 Euro.“

11. Mai 2006

Abgelegt unter: Sideblog — gtaag @ 21:57
Wer früh stirbt ist länger tot.

Abgelegt unter: Sideblog — gtaag @ 21:52
Nicht drängeln. Es geht bald weiter.

7. Mai 2006

Blue Hole

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 18:58

Das Blue Hole hat schon viele Taucher zu sich genommen. Ansich geht man dort nicht tauchen, jedenfalls kann man darüber nicht offen reden, bis zum Grund sind es 120 Meter und die erste Möglichkeit, den Krater zu verlassen liegt bei 57 Metern: Schon diese Tiefe ist alleine mit Pressluft zu tauchen verboten, 30 Meter sind erlaubt. Aber man kann es unbeschadet tun. Man braucht beim Auftauchen eben nur mehr Sicherheitsstopps. Und trotzdem fordert das Blue Hole jedes Jahr Tote. Dabei muss man sich zu den 57 Metern einfach nur sinken lassen, man hat nur dunkle Wände neben sich, da keine Strömung und kein Licht dorthin kommen, wächst dort auch nichts. Und so sinkt und sinkt man und vergisst ganz einfach, den Ausgang zu nehmen. Dieses Sinken ist süß und ist so friedlich, man liegt so wundervoll geborgen. Das Blut reichert sich mehr und mehr mit Stickstoff an, der Tiefenrausch setzt ein. Warum diesen Zustand beenden, es gibt keinen Grund dafür.
Und so zieht es die Leute immer wieder hinunter. 3 liegen noch unten. Sie wurden nicht geborgen, wobei 120 Meter ansich keine Tiefe ist. Ihre Verwandten haben es nicht veranlasst. Man lässt sie liegen. Mit Nitrox ist einmal jemand hinuntergetaucht. Er war schweigsam danach.
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