|GTaag|

5. Mai 2006

Dahab 3

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 19:28
Als der Irak Giftgas auf Israel einsetzten wollte, so hatte es jedenfalls die Propaganda behauptet, hatte sie überlegt, in die Berge zu gehen. Mit ihren 6 Hunden. Giftgas geht immer nach unten, die Küste wäre gerade da der falscheste Aufenthaltsort gewesen. Sie hatte schon Reis und Wasser und Trockenmilch bevorratet, einige Kisten gepackt. Ganz aufgeben hatte sie die Region nicht gewollt, zu viel steckte dort in der Tauchbasis, in diesem Geschäft. Und vielleicht war es auch schon eine Heimat geworden.
In Deutschland war sie einmal PR-Managerin in einem japanischen Konzern gewesen, mit Kostüm und Laptop, das hatte sie aufgegeben. Aufgeben ist nicht das richtige Wort, sie hat es sein lassen. Sie hatte in verlängerten Ferien tauchen gelernt und war immer wieder gekommen und war Tauchlehrerin geworden, so fängt es an, bei den meisten Europäern, die in südlichen Ländern Fuß fassen. Oder versuchen, Fuß zu fassen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen war sie wieder nach Deutschland gegangen, hatte auf dem Absprung gearbeitet, ohne Arbeit war sie nie gewesen, aber es war nur ein Übergang, das hatte sie gewusst. Dann kam an einem Sonntag früh um 7 der Anruf eines befreundeten Ägypters, sie solle sofort nach Scharm el Sheik kommen, in Dahab sei ein Tauchcenter zu führen. Sofort. Sie erbat sich 3 Wochen Zeit aus, schließlich war so schnell ein Job auch nicht zu kündigen, auch keine Wohnung aufzulösen und auch kein Auto zu verkaufen. In Scharm traf sie dann den Bekannten, der gab ihr 10000 Pfund (5000 Mark) und kam nicht einmal mit, nach Dahab. Es hieß ja, alles sei fertig, sie brauche nur loszulegen. Natürlich, alles war fertig, sie fand ein fertiges Haus neben einem Hotelkomplex vor, aber nichts mit einfach loslegen, da waren nur die nackten Wände. Dafür also die 10000 Pfund. Ein Schreiner musste erst einmal bauen, da nur auf Maß angefertigt werden konnte, die Wände waren individuell schief und an manchen Stellen rund. Parallel mussten Preise erkundet werden und auch Tauchplätze, schließlich muss man ja auch wissen, wie man seine Tauchgänge plant, da hilft kein ungefähres Wissen. Kunden haben für Kompetenz ein sicheres Gespür. Und zufriedene Kunden sind die beste Werbung. Wenn man länger an einem Ort bleiben möchte. Das hatte sie vor.
Sie war zusammen mit ihrem Freund hinunter gekommen und sie bezogen sogar ein Gehalt, später konnte sie das Tauchgeschäft auskaufen. Ihrem Freund gab sie irgendwann den Laufpaß, er hatte sich, als sie ein paar Tage nicht da war, vor den Mädchen als Eigentümer aufgespielt. Wer weiß, was da noch mehr war.
Weit vorher war sie auch einmal mit einem Ägypter zusammen gewesen. Da gab es so wie eine Vorstufe zur Heirat, bevor die Papiere nach Kairo gegangen wären. Da verlangte der Mann, den sie liebte, dass sie nicht mehr mit anderen Männern zusammen sein solle. Das ging natürlich nicht, sie arbeitete als Tauchlehrerin. Nun gut, dann solle sie vor allen Dingen nicht mit ihnen lachen. Das musste durchgesetzt werden, denn die Nachbarschaft achtete schon darauf, wie gut er seine zukünftige Frau im Griff haben würde. Sie kennt keine europäische Frau, die mit einem Araber glücklich geworden wäre. Oder die Frau sei schon so veranlagt, das soll es geben. Sie hat davon aber noch nichts gehört.
Normaler Weise trägt sie die Haare straff zurück zu einem Pferdeschwanz gebunden. Wenn sie ihre lilane Sonnenbrille aufsetzt, man sieht ihr Gesicht dann nicht mehr. Nun ist sie seit 2 Jahren in einer Bungalowanlage etwas außerhalb Dahabs. Schon bald wird der Kilometer zwischen Ressort und Stadt mit anderen Hotels geschlossen sein. Vielleicht. Bauen geht sehr schnell in Ägypten. Das Land hat ja auch nichts anderes als Tourismus. Dass jeder in Europa zur Zeit an Bomben denkt, wenn ihm Ägypten gesagt wird, ist das wirklich die Wahrheit?

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