win-win-situation
Er war ihr Tauchlehrer gewesen und dann hatten sie sich ineinander verliebt. Ganz jung waren sie nicht mehr, er Mitte, sie Anfang 50, aber dieses Verlieben war sehr auf einmal gekommen, so wie ganz früher, darüber staunten sie jeden Tag aufs Neue wieder und gaben sich dem hin, diesem Gefühl und jeder dachte für sich: Das es so etwas noch einmal für mich geben würde!
Er war Däne und sie war Deutsche, sie konnte dänisch, sie hatte in Dänemark ein paar Semester studiert, er konnte ein bisschen deutsch. Und so unterhielten sie sich meistens, wenn es ernster wurde, englisch. Das war für beide dann gleiche Voraussetzung.
Ernster war es bald geworden, denn sie hatte Deutschland verlassen und war zu ihm nach Ägypten gekommen. Er hatte in seinem Leben schon 5 Tauchschulen aufgebaut. Die sechste sollte mit ihr zusammen sein. So wie ein Neuanfang, gemeinsam. Am Roten Meer sollte es sein, dort sind die Tauchbedingungen gleich bleibend gut und in Ägypten wird der Tourismus als Haupteinnahmequelle von Staatswegen gefördert. In Dahab wurde ein Objekt gefunden, ein Ressort, vor einem Jahr pleite gegangen, man hatte sich als Vergnügungspark versucht. 2 Türme mit Figuren oben drauf, ein Pirat, der mit einem Einrohr Ausschau hält, ein anderer, der winkt. Eine Diskothek, deren Eingang ein Haifischmaul ist, oval geschwungen und mit ziemlich großen Zähnen. Alles noch ganz gut in Schuss, nur etwas Karies und schrecklich. Gar nicht passend zu ihrem Konzept.
Sie wollten eine Behindertentauchschule eröffnen. So etwas gibt es noch nicht auf der Welt. Sie würden die ersten sein. Sie schauten sich an. Sie hatte eine Zigarettenspitze in der Hand, er hatte eine dunkele Sonnenbrille auf. Sie forderte ihn auf, seine Brille abzusetzen, sie wolle seine Augen sehen, er setzte bereitwillig seine Brille ab, seine Augen waren klein und munter, voller Energie, und so redete er auch, wenn er englisch redete, voller Enthusiasmus, dann war es ein Mann, der überzeugen konnte, so einer, der Visionen verkauft, mit vielen Worten. Der selbst in Anbetracht des noch bevorstehenden Umbaus von einer „win-win-Stituation“ sprach, schwer zu glauben, wenn man sich so umschaute. Man hätte ihm eher Recht gegeben, hätte er vorgehabt, eine Diskothek aufzumachen, aber eine Taucheinrichtung für behindertengerechtes Tauchen? Wobei sein Konzept ganz klar schien und wenn er mit Feuer darüber redete, mochte man ihm glauben, Behinderte, die von einem Steg ins Hausriff hinuntergelassen werden, für so ein Riff fährt man in anderen Teilen auf der Welt kilometerweit von seiner Basis aus, hier ist es vor der Tür, 14 Meter tief und so weit wie das Auge reicht. Und diese glücklichen Gesichter, es ist alles so einfach, auch Behinderte glücklich zu machen. Ja natürlich, die Bungalows müssen erst einmal behindertengerecht umgebaut werden. Und ein Pool werde gebaut. „Am wenigsten müssen wir in den Räumen für die Tauschschule verändern.“ Wenn er deutsch sprach, wirkte er etwas nachdenklicher und etwas realistischer. Die Räume fürs Tauchequipment und die Tauchschule waren praktisch vorhanden, musste nur noch renoviert und bestückt werden. Dort hatte schon einmal eine Tauchschule bestanden.
Bei allem, was vielleicht werden wird: Ein Paar in Zweitem Frühling. Als sie zum Meer hinuntergingen, nahmen sie sich verliebt in den Arm und er sagte mit großer Geste: „Alles unsers.“ Das hatte er dänisch gesagt.
Letztlich Geschäftstüchtigkeit lässt sich ihnen nicht absprechen. Nach den Bombenattentaten Ende April hatten sie erfolgreich neu verhandelt: Die Miete berechnete sich nun nach Umsatz und auch das nur bis zu einer bestimmten Höhe. Nicht, wie vor den Bombenanschlägen, mit einer fixen und hohen Summe jeden Monat. Nun könnten sie beginnen. Schon im Juni werde Eröffnung sein. Natürlich nicht sofort mit Behindertentauchen. Aber man müsse ja schließlich erst einmal klein anfangen. Auch bei einer typischen win-win-situation.
Er war Däne und sie war Deutsche, sie konnte dänisch, sie hatte in Dänemark ein paar Semester studiert, er konnte ein bisschen deutsch. Und so unterhielten sie sich meistens, wenn es ernster wurde, englisch. Das war für beide dann gleiche Voraussetzung.
Ernster war es bald geworden, denn sie hatte Deutschland verlassen und war zu ihm nach Ägypten gekommen. Er hatte in seinem Leben schon 5 Tauchschulen aufgebaut. Die sechste sollte mit ihr zusammen sein. So wie ein Neuanfang, gemeinsam. Am Roten Meer sollte es sein, dort sind die Tauchbedingungen gleich bleibend gut und in Ägypten wird der Tourismus als Haupteinnahmequelle von Staatswegen gefördert. In Dahab wurde ein Objekt gefunden, ein Ressort, vor einem Jahr pleite gegangen, man hatte sich als Vergnügungspark versucht. 2 Türme mit Figuren oben drauf, ein Pirat, der mit einem Einrohr Ausschau hält, ein anderer, der winkt. Eine Diskothek, deren Eingang ein Haifischmaul ist, oval geschwungen und mit ziemlich großen Zähnen. Alles noch ganz gut in Schuss, nur etwas Karies und schrecklich. Gar nicht passend zu ihrem Konzept.
Sie wollten eine Behindertentauchschule eröffnen. So etwas gibt es noch nicht auf der Welt. Sie würden die ersten sein. Sie schauten sich an. Sie hatte eine Zigarettenspitze in der Hand, er hatte eine dunkele Sonnenbrille auf. Sie forderte ihn auf, seine Brille abzusetzen, sie wolle seine Augen sehen, er setzte bereitwillig seine Brille ab, seine Augen waren klein und munter, voller Energie, und so redete er auch, wenn er englisch redete, voller Enthusiasmus, dann war es ein Mann, der überzeugen konnte, so einer, der Visionen verkauft, mit vielen Worten. Der selbst in Anbetracht des noch bevorstehenden Umbaus von einer „win-win-Stituation“ sprach, schwer zu glauben, wenn man sich so umschaute. Man hätte ihm eher Recht gegeben, hätte er vorgehabt, eine Diskothek aufzumachen, aber eine Taucheinrichtung für behindertengerechtes Tauchen? Wobei sein Konzept ganz klar schien und wenn er mit Feuer darüber redete, mochte man ihm glauben, Behinderte, die von einem Steg ins Hausriff hinuntergelassen werden, für so ein Riff fährt man in anderen Teilen auf der Welt kilometerweit von seiner Basis aus, hier ist es vor der Tür, 14 Meter tief und so weit wie das Auge reicht. Und diese glücklichen Gesichter, es ist alles so einfach, auch Behinderte glücklich zu machen. Ja natürlich, die Bungalows müssen erst einmal behindertengerecht umgebaut werden. Und ein Pool werde gebaut. „Am wenigsten müssen wir in den Räumen für die Tauschschule verändern.“ Wenn er deutsch sprach, wirkte er etwas nachdenklicher und etwas realistischer. Die Räume fürs Tauchequipment und die Tauchschule waren praktisch vorhanden, musste nur noch renoviert und bestückt werden. Dort hatte schon einmal eine Tauchschule bestanden.
Bei allem, was vielleicht werden wird: Ein Paar in Zweitem Frühling. Als sie zum Meer hinuntergingen, nahmen sie sich verliebt in den Arm und er sagte mit großer Geste: „Alles unsers.“ Das hatte er dänisch gesagt.
Letztlich Geschäftstüchtigkeit lässt sich ihnen nicht absprechen. Nach den Bombenattentaten Ende April hatten sie erfolgreich neu verhandelt: Die Miete berechnete sich nun nach Umsatz und auch das nur bis zu einer bestimmten Höhe. Nicht, wie vor den Bombenanschlägen, mit einer fixen und hohen Summe jeden Monat. Nun könnten sie beginnen. Schon im Juni werde Eröffnung sein. Natürlich nicht sofort mit Behindertentauchen. Aber man müsse ja schließlich erst einmal klein anfangen. Auch bei einer typischen win-win-situation.