|GTaag|

25. Mai 2006

Schauspieler

Abgelegt unter: usw. — gtaag @ 19:38

“Wenn man in Californien am Strand einen Stein wirft, trifft man gleich ein Dutzend von ihnen”. Das umschreibt wohl am treffendsten die Schauspieler der Vorabendserie, der ich mich nun angeschlossen habe: Schöne, großgewachsene Menschen mit schnellem und optimistischem Lachen, redegewandt, eloquent, gut gelaunt. Warum fällt es mir nur so schwer, mir die Vornamen zu merken. Ist da irgend ein Geheimnis? Sie müßten alle Bob oder John heißen. Warum?

Vor langer Zeit hatte ich mal einen Kollegen, der nannte alle KRAUSE. Der Regisseur war Krause, der Kameramann war Krause, ich war Krause. He, Krause, komm mal her. Krause, mach mir mal die Tür auf. Krause, reich mal das Salz rüber.

Tagein tagaus rannte er in Gesundheitsschlappen herum und hatte die Angewohnheit, den Schnaps aus Wassergläsern zu trinken. Mit Nachnamen hieß er nicht Krause, er hieß Lietschew. Vielleicht deshalb der viele Schnaps. Ich kanns ja nun sagen, er ist gestorben. Vielleicht sollte ich seinen Krause-Trick übernehmen?

Die Mädchenschauspieler sind alle sehr symphatisch. Hier ist man auch nicht so schamig, wenn ein Mikrophon zwischen die Brüste geklebt und der Sender am Oberschenkel befestigt werden muß.

In Pakistan war mal eine junge Schauspielerin, die – nachdem ich ihr so ein Mikro installieren hatte lassen – zur Strafe nur lautlos die Lippen bewegte. Ich dachte tatsächlich, da sei irgend etwas kaputt, aber sie wollte sich bei mir nur rächen, daß ich ihr so nahe gekommen war und überhaupt so nahe war. Sie bekam dann mit der Regisseurin einen fürchterlichen Ärger, nachdem ich das eigentlich hatte anders klären wollen, zum Schluß war es mir selber peinlich, dieses Aufsehen. Denn natürlich, wenn man eine fremde Stimme so nah auf seinen Kopfhörern hat, im Grunde trete ich in einen intimen Kreis. Sie wollte das nicht. Als Schauspieler muß man das natürlich zulassen, auch in Pakistan. In Deutschland ist das kein Thema. Da ist es eher so, daß man vergeblich nach irgendwelchen Barrieren sucht. (Oder es wird gezickt. Aber das ist eine ganz andere Sache.)


14 Responses to “Schauspieler”

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  1. 10
    .markus Says:

    Laura: Ok, dass ist die negative Seite. Würde ich aber eintauschen gegen 8 Stunden Schreibkram und Büro-Routine, wobei wir/ich gerade die Extrembilder gegeneinander stellen… “Medienbranche” heisst ja nicht nur Filmset (oder wo und was arbeitest du?) und kann auch 8-14 Stunden am Tag nur PC-Arbeit bedeuten und eben alles dazwischen…

    Es ist jedoch sehr viel schöner und interessanter (aber nicht weniger anstrengend), 12-16 Stunden am Set zu arbeiten, wie 10-14 Stunden auf der Baustelle (was bei meinem jetzigen “Neben”-Job keine Seltenheit ist)…

  2. 9
    Laura Says:

    Interessanter Link. Ich habe früher auch 5 Tage 8 Stunden lang in der Woche gearbeitet, bis ich in die “Medienwelt” gewechselt bin. Jetzt muss ich nicht selten 15 oder mehr Stunden arbeiten. Komme übrigens grad nach Hause und bin heute morgen um 6 aufgestanden. Hinzu kommt der ständige Wechsel von Tages- und Nachtarbeit bei jedem Wetter, drinnen und draußen. Da möchte man irgendwann weder neue Orte noch neue Menschen kennenlernen, sondern eigentlich nur noch schlafen.

  3. 8
    .markus Says:

    “Genauso ist mir der Run auf die Medienbranche unverständlich.”

    Ich habe mich selber gefragt, welchen Reiz diese Branche ausübt, da ich selber mal vorhatte/vorhabe etwas in diese Richtung beruflich zu machen. Ich denke mal es liegt an der abwechslungsreichen und vielseitigen Arbeit. Man ist unterwegs, lernt viele neue Orte und Menschen kennen… Inwieweit das eine Illusion ist, können andere als ich besser beurteilen ;-)

    Viele Menschen wollen nicht jeden Tag den selben Arbeitsplatz sehen, dort 8 Stunden à 5 Tage arbeiten und das jahrein jahraus. Wäre für mich ein Grund…

    An der Schauspielerei würde mich nur (aber wirklich nur) das Gehalt der Oberen Liga reizen ;-)

  4. 7
    gtaag Says:

    Ich verstehs jetzt auch nicht mehr. Ich glaube ich wollte sagen, daß ich keine Lust habe, mich mit den Schauspielern näher zu befassen. Ich wollte wohl diplomatisch sein. Wie Sie sehen, für Diplomatie braucht es noch etwas Übung.

  5. 6
    Max K. Berg Says:

    Lieber GTaag, Ihre Ausführungen von 1.39 habe ich (fast) nicht verstanden, räume aber gern ein, dass dies allein an meiner (nächtlichen) Auffassungsgabe liegen kann.

  6. 5
    gtaag Says:

    Lieber Herr Berg: Sie wissen doch genauso wie ich, daß gerade die es eben nicht so gut formulieren können, dieses Wissen. Oder dieses Wissen ist eher ein diffus.
    Nebenbei bemerkt, Reflektionsvermögen ist nicht nur bei Schauspielern nicht gerade verbreitet.

  7. 4
    Max K. Berg Says:

    ja, was macht den reiz des schauspielberufes aus? gute frage.

    temporär aus der banalität des alltags in die einer scheinwelt zu entfliehen …
    das zu tun, was auf einer niederen ebene ohnehin die meisten praktizieren und dafür auch noch bezahlt zu werden …
    der wahnvorstellung aufzusitzen dass öffentliche wahrnehmung infolge medialer bekanntheit eine positive lebenserfahrung ist …

    fragen sie sie doch mal, die schönen, großgewachsenen menschen mit schnellem und optimistischem lachen, redegewandt, eloquent, gut gelaunt und ohne vornamen und schamgefühl. die müssten es ja wissen.

  8. 3
    gtaag Says:

    MKB: Das mit “corporate identity” hat meine Freundin auch gleich gesagt. Ja, ich weiß, es ist eine Zumutung. Einmal,demnächst, muß ich noch mal wechseln. Ich möchte ein “fluides Desing”, will heißen bildschirmfüllend. Das ist bei Wordpress nicht so einfach.

    Markus: Ich frage mich auch sehr oft, was so viele Leute am Schauspielerberuf reizt. Im In- wie im Ausland. Genauso ist mir der Run auf die Medienbranche unverständlich.

  9. 2
    Max K. Berg Says:

    mensch gtaag, schon wieder eine neue base, wieder ein neues design – wo bleibt das bewusstsein für die corporate identity. und mitten im kühlen sommer (?) auch noch ein dunkler auftritt – zieht ein bisschen runter und liest sich nicht gut. ist jedenfalls mein subjektiver eindruck.

    ach, und was die suche nach barrieren angeht: die sitzen vermutlich unter der haut – auf dem weiten weg zum herzen ist genügend platz für beton und stacheldraht. daher das optimistische, gewinnende lachen, das sich gern in hysterie entlädt. das ist der schmerz an sich selbst …

  10. 1
    .markus Says:

    Andere Länder, andere Sitten ;-)
    Fragt sich nur, warum so jemand Schauspielerin wird…

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