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6. Mai 2006

Dahab, Fotos

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 18:13

5. Mai 2006

Dahab 3

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 19:28
Als der Irak Giftgas auf Israel einsetzten wollte, so hatte es jedenfalls die Propaganda behauptet, hatte sie überlegt, in die Berge zu gehen. Mit ihren 6 Hunden. Giftgas geht immer nach unten, die Küste wäre gerade da der falscheste Aufenthaltsort gewesen. Sie hatte schon Reis und Wasser und Trockenmilch bevorratet, einige Kisten gepackt. Ganz aufgeben hatte sie die Region nicht gewollt, zu viel steckte dort in der Tauchbasis, in diesem Geschäft. Und vielleicht war es auch schon eine Heimat geworden.
In Deutschland war sie einmal PR-Managerin in einem japanischen Konzern gewesen, mit Kostüm und Laptop, das hatte sie aufgegeben. Aufgeben ist nicht das richtige Wort, sie hat es sein lassen. Sie hatte in verlängerten Ferien tauchen gelernt und war immer wieder gekommen und war Tauchlehrerin geworden, so fängt es an, bei den meisten Europäern, die in südlichen Ländern Fuß fassen. Oder versuchen, Fuß zu fassen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen war sie wieder nach Deutschland gegangen, hatte auf dem Absprung gearbeitet, ohne Arbeit war sie nie gewesen, aber es war nur ein Übergang, das hatte sie gewusst. Dann kam an einem Sonntag früh um 7 der Anruf eines befreundeten Ägypters, sie solle sofort nach Scharm el Sheik kommen, in Dahab sei ein Tauchcenter zu führen. Sofort. Sie erbat sich 3 Wochen Zeit aus, schließlich war so schnell ein Job auch nicht zu kündigen, auch keine Wohnung aufzulösen und auch kein Auto zu verkaufen. In Scharm traf sie dann den Bekannten, der gab ihr 10000 Pfund (5000 Mark) und kam nicht einmal mit, nach Dahab. Es hieß ja, alles sei fertig, sie brauche nur loszulegen. Natürlich, alles war fertig, sie fand ein fertiges Haus neben einem Hotelkomplex vor, aber nichts mit einfach loslegen, da waren nur die nackten Wände. Dafür also die 10000 Pfund. Ein Schreiner musste erst einmal bauen, da nur auf Maß angefertigt werden konnte, die Wände waren individuell schief und an manchen Stellen rund. Parallel mussten Preise erkundet werden und auch Tauchplätze, schließlich muss man ja auch wissen, wie man seine Tauchgänge plant, da hilft kein ungefähres Wissen. Kunden haben für Kompetenz ein sicheres Gespür. Und zufriedene Kunden sind die beste Werbung. Wenn man länger an einem Ort bleiben möchte. Das hatte sie vor.
Sie war zusammen mit ihrem Freund hinunter gekommen und sie bezogen sogar ein Gehalt, später konnte sie das Tauchgeschäft auskaufen. Ihrem Freund gab sie irgendwann den Laufpaß, er hatte sich, als sie ein paar Tage nicht da war, vor den Mädchen als Eigentümer aufgespielt. Wer weiß, was da noch mehr war.
Weit vorher war sie auch einmal mit einem Ägypter zusammen gewesen. Da gab es so wie eine Vorstufe zur Heirat, bevor die Papiere nach Kairo gegangen wären. Da verlangte der Mann, den sie liebte, dass sie nicht mehr mit anderen Männern zusammen sein solle. Das ging natürlich nicht, sie arbeitete als Tauchlehrerin. Nun gut, dann solle sie vor allen Dingen nicht mit ihnen lachen. Das musste durchgesetzt werden, denn die Nachbarschaft achtete schon darauf, wie gut er seine zukünftige Frau im Griff haben würde. Sie kennt keine europäische Frau, die mit einem Araber glücklich geworden wäre. Oder die Frau sei schon so veranlagt, das soll es geben. Sie hat davon aber noch nichts gehört.
Normaler Weise trägt sie die Haare straff zurück zu einem Pferdeschwanz gebunden. Wenn sie ihre lilane Sonnenbrille aufsetzt, man sieht ihr Gesicht dann nicht mehr. Nun ist sie seit 2 Jahren in einer Bungalowanlage etwas außerhalb Dahabs. Schon bald wird der Kilometer zwischen Ressort und Stadt mit anderen Hotels geschlossen sein. Vielleicht. Bauen geht sehr schnell in Ägypten. Das Land hat ja auch nichts anderes als Tourismus. Dass jeder in Europa zur Zeit an Bomben denkt, wenn ihm Ägypten gesagt wird, ist das wirklich die Wahrheit?

4. Mai 2006

Dahab 2

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 18:05



Der Mann links im Bild ist 41 Jahre alt und hat in seinem Leben einige berufliche Neuanfänge gehabt. Der letzte war durch Venezuela. Da kam der Bürgerkrieg und er musste zwangsverkaufen. Hier in Dahab hat er auch schon einige tausend Euro in den Sand gesetzt, bzw. ein Rechtsanwalt  müht sich nun um Schadensbegrenzung: In bester Lage Dahabs hat er ein Grundstück gekauft, es stellte sich aber heraus, dass er nicht bauen kann, warum auch immer, das hat etwas mit europäischen und ägyptischen (bzw. beduinischen) Verständnis zu tun. Es gibt da verschiedene Maßstäbe.

Die Haushälfte links wurde schwarz gebaut. Das heißt: Nur nachts. Dazu wurde vorher eine Mauer hochgezogen, die Einsicht verhinderte. Denn eine Baugenehmigung hätte er niemals bekommen. Nun war dann der Anbau für die Befüllstation für Taucherflaschen fertig, die Mauer konnte abgerissen werden, da wurde es offiziell. Irgendwie klappte es auch mit dem Wasser und dem Strom.
Nun, seit einem Monat oder seit zweien,  das Geschäft lief richtig an. Auch für das technische Tauchen, vergleichbar teuer, gibt es einen Markt. Nach den Bombenanschlägen muss er einen neuen Helfer anlernen, der die Befüllstation betreibt: Die ägyptische Polizei hat alle hier im Ort ansässigen Beduinen verhaftet, die aus derselben Region wie einer der Selbstmordattentäter   kamen. Sie wurden in Gefängnisse in den Norden geschafft und man glaubt allgemein nicht, dass sie wiederkommen werden.

2. Mai 2006

Dahab

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 17:52
In solche Länder komme ich immer in der Nacht an. Dann ist es heißer als in Deutschland, meistens weht ein starker und milder Wind, dann finden irgendwelche Prozeduren bei der Einreise statt, die dann einfach stattfinden müssen, hier in Scharm el Sheik musste man 2 Briefmarken kaufen, eine 5er, die andere eine 10er , die klebte man sich in den Paß, Stempel drauf und fertig war das Visum. Willkommen!
Und immer führt dann irgendeine lang gestreckte Piste in die Stadt. Hier sind teilweise Sandverwehungen darauf und wir fuhren, aber an Scharm vorbei, etwa 100 Kilometer und die Fahrt war dunkel wie durch einen Tunnel, es ist eben Wüste. In den Wüstenstädten sind die Straßen zweibändig mit Straßenlaternen beleuchtet, das ist sehr hell mit gelbem, warmem Licht. Und in der Wüste ist nichts, kein Licht, nirgends, nichts.

Dahab. An der Reception war der Bombenanschlag sogleich das Thema, die Täter seien bereits gefasst worden und sie hätten nichts gegen die Touristen gehabt. Sie hätten etwas gegen die Polizei gehabt und wollten so Rache nehmen. Aha. Innerhalb der vergangen Woche seien 80% der Gäste abgereist. Und man sei zu 100% ausgebucht gewesen.
Wir bezogen unsere Zimmer und gingen noch einmal los. Dahab war noch vor 10 Jahren eine Ort mit 4 Baracken und einem Kiosk und einer Tauchstation gewesen. Jetzt hat die lang gezogene Bucht eine Promenade mit Restaurant an Restaurant, in der zweiten Reihe offene Läden mit T-Shirts und Tünneff und Pharmacie, in der dritten Reihe Hotels. Alleine in diesem kleinen Ort gibt es 60 Tauchbasen.



Das Selbstmordattentat hat in einer engen Straße stattgefunden, selbst der Beton ist zerstört, solch eine Wucht. Am Platz nebenan fand gerade eine Fernsehdiskussion statt, sehr aufwändig, 6 Kameras habe ich gezählt, eine sogar auf einem Jibarm. Eine Aufzeichnung, nehme ich an. Der Vorsitzende des nationalen Handballverbandes sprach darüber, dass die jungen Leute doch lieber Handball spielen sollten, statt mit Bomben sich in die Luft zu sprengen. Er war einer unter vielen, die zu Wort kamen. Das war gerade das, was er gesagt hatte, als wir vorbei kamen.
Wir setzten uns in ein Restaurant, es war wirklich nichts los, keine Touristen. Selbst die Tische direkt am Wasser waren frei. Zu S. auf die Bank legte sich eine stille schwarze Katze. Dann gesellten sich noch 2 Hunde an den Tisch. Sie hatten keine hungrigen Blicke und bekamen trotzdem nichts von meinem Barbequchicken. Ich neige doch manchmal zu Hartleibigkeit.
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