Lebenszeit
Es ist eine beliebte Übung, bei Spielfilmproduktionen die Arbeitstage vor den freien Tagen lang werden zu lassen. Und nicht nur lang, das ist nicht alles, bis hinein in die Nacht, versetzt, oder gleich ganz die Nacht hindurch. Das hat den Vorteil, nicht auf irgendwelche vorgeschriebenen Ruhezeiten achten zu müssen, übrigens das einzige, worauf noch einigermaßen geachtet wird, auf 11 Stunden Ruhezeit. Ansonsten, über die 2 Tage frei, die dann nominell eigentlich nur eineinhalb Tage frei sind, kann dann die neue Woche wieder ganz früh begonnen werden. Sehr praktisch.
Ich nenne das „Klauen von Lebenszeit“: Ich denke, eine unfreiwillig durchgemachte Nacht kostet 4 Tage Leben, oder 3, jedenfalls verkürzt sich die Lebenszeit um ein bestimmtes Maß. Zwar kann das nicht bewiesen werden, da das Maß X für Lebenszeit unbekannt ist, aber der Überzeugung für meine Theorie bin ich trotzdem. Weil ich mich so fühle, als hätte man mir 3 Tage gestohlen. Ehe ich wieder in einen bestimmten Tritt komme, ohne meinem Körper hinterherzulaufen. (Genauso schlimm, wenn nicht schlimmer, ist das Überwinden von Zeitzonen mit dem Flugzeug, da sind dann komplett 4 Tage Lebenszeit futsch, in jede Richtung, also doppelt, 8. Aber das wird aufgewogen durch einen anderen Erlebnishorizont, nicht gleichzusetzen mit einer unfreiwillig durchgemachten Nacht.)
So wollte ich es heute einmal überwinden, nachdem ich 7 Uhr in der Frühe nach Hause gekommen war. Ich wollte so tun, als sei nichts gewesen. Als wäre ich freiwillig schlaflos gewesen und hätte ich freiwillig das Morgenrot über der Stadt beobachtet und genossen. Ich war drauf und dran, auf die Autobahn zu gehen, den Tempomaten auf 122 einzustellen und in die Uckermark zu fahren. Aber dann habe ich doch geschwächelt. Lebenszeit, nein, ein Verlust daran lässt sich nicht wieder einholen. Ich habe mich ins Bett gelegt und bin dreieinhalb Stunden später aufgestanden. Mit einem Brennen in den Augen und einem wachen Verstand, aber Beinen, die sich mehr in der Konsistenz von Weichgummi anfühlten.
Auf der Autobahn, bei 122, hatte ich dann genug Zeit über den Sinn und Unsinn meines Lebens nachzudenken. Das Ergebnis? Ich habe Rasen gemäht, die Weihnachtsbaumtanne gegossen, sie hat Maitrieb, 5 Tomatenpflanzen gesetzt und Unkraut beseitigt. Und nach einem Glas Rosé, gegen 8 Uhr, gab es den berühmten blicklosen Blick einer Kuh mit Gras zwischen den Zähnen. Wen mache ich verantwortlich, wenn ich jetzt nur 75 statt 82 Jahre alt werde?
Ich nenne das „Klauen von Lebenszeit“: Ich denke, eine unfreiwillig durchgemachte Nacht kostet 4 Tage Leben, oder 3, jedenfalls verkürzt sich die Lebenszeit um ein bestimmtes Maß. Zwar kann das nicht bewiesen werden, da das Maß X für Lebenszeit unbekannt ist, aber der Überzeugung für meine Theorie bin ich trotzdem. Weil ich mich so fühle, als hätte man mir 3 Tage gestohlen. Ehe ich wieder in einen bestimmten Tritt komme, ohne meinem Körper hinterherzulaufen. (Genauso schlimm, wenn nicht schlimmer, ist das Überwinden von Zeitzonen mit dem Flugzeug, da sind dann komplett 4 Tage Lebenszeit futsch, in jede Richtung, also doppelt, 8. Aber das wird aufgewogen durch einen anderen Erlebnishorizont, nicht gleichzusetzen mit einer unfreiwillig durchgemachten Nacht.)
So wollte ich es heute einmal überwinden, nachdem ich 7 Uhr in der Frühe nach Hause gekommen war. Ich wollte so tun, als sei nichts gewesen. Als wäre ich freiwillig schlaflos gewesen und hätte ich freiwillig das Morgenrot über der Stadt beobachtet und genossen. Ich war drauf und dran, auf die Autobahn zu gehen, den Tempomaten auf 122 einzustellen und in die Uckermark zu fahren. Aber dann habe ich doch geschwächelt. Lebenszeit, nein, ein Verlust daran lässt sich nicht wieder einholen. Ich habe mich ins Bett gelegt und bin dreieinhalb Stunden später aufgestanden. Mit einem Brennen in den Augen und einem wachen Verstand, aber Beinen, die sich mehr in der Konsistenz von Weichgummi anfühlten.
Auf der Autobahn, bei 122, hatte ich dann genug Zeit über den Sinn und Unsinn meines Lebens nachzudenken. Das Ergebnis? Ich habe Rasen gemäht, die Weihnachtsbaumtanne gegossen, sie hat Maitrieb, 5 Tomatenpflanzen gesetzt und Unkraut beseitigt. Und nach einem Glas Rosé, gegen 8 Uhr, gab es den berühmten blicklosen Blick einer Kuh mit Gras zwischen den Zähnen. Wen mache ich verantwortlich, wenn ich jetzt nur 75 statt 82 Jahre alt werde?