|GTaag|

28. Juli 2006

Usedom

Abgelegt unter: unterwegs — gtaag @ 22:55
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Am Strand von Usedom braucht man nicht darben. Dieses kleine Gefährt beherbergt in seinem Anhänger Eis am Stiehl der wässrigen Sorte, das gerade bei dieser Hitze reißenden Absatz findet, ferner kann man kaufen Kaffee, Bier, Sekt, Bockwurst in einer Schrippe mit Senf oder Ketchup, Plastikschalen voller Kartoffelsalat, Zigaretten und wer will, Wasser auch. Erstaunlich, man sieht dem Wagen seine Kapazität nicht an, der Mann, der ihn betreibt fährt von 50 Meter zu 50 Metern, das ist so die Spanne, in der sich die Leute hinbewegen, keiner musste mit seinen Wünschen abschlägig beschieden werden, jedenfalls so weit ich beobachten konnte, ich selbst aß in den Tagen täglich meine Bockwurst und einmal trank ich auch ein Bier.
Zweimal täglich fährt das Elektromobil seine Strecke, kam also viermal bei mir vorbei. Ich weiß nicht, lag es an der Ereignisarmut eines langen Strandtages oder an meiner Faszination für lautlose Fortbewegungsmittel, ich musste immer das Treiben um diesen Wagen beobachten. Wie es so vieles früher nicht gab, das gab es früher nicht. ddr, wie haste dir verändert. Auch gab es früher so viele rasierte Frauen und Kerle nicht und wer keine Tätowierung hat, der ist eine Ausnahme, jedenfalls wenn er unter 40 ist.

23. Juli 2006

Liebling Marder

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 20:35
Nach Monaten schwerer Gedanken, die wie eine Tunnelfahrt waren, ich finde Geld beschaffen zunehmend anstrengend, aber was Wunder, in 2 Monaten ein Halbjahreseinkommen einzufahren, das kann eigentlich nicht spurlos vorbeigehen, hellt es sich jetzt langsam wieder auf und ich kann mich den besseren Dingen des Lebens widmen, den beiden T.s natürlich, der Freundin und dem Ort.
Im Ort T. gibt es einen Hausmarder, der findet das neue Auto genauso schick wie ich und klettert jede Nacht über die Motorhaube und Windschutzscheibe aufs Dach und rutscht dann hinten wieder hinunter. Ich habe ihm extra einen Coupé gekauft, damit er hinten einen guten Abgang hat, nicht zu steil, nicht zu heftig. Ich würde den Marder (er heißt Johannes)  auch gerne weiter sich tummeln lassen, aber er ist ein Dreckspatz, jeden Tag diese Tapsen neu auf der Edelkarosse und irgendwie scheint er auch seine Finger- und Fußnägel nicht zu schneiden.
Irgend ein Internetforum hat Wunderbaum empfohlen, Quatsch, ich bin
geruchsempfindlich, ferner könnte ich eine hochfrequente Piepanlage installieren, ebenso Unfug, ich bin Tonmeister, ich höre auch das, selbst wenn ich mir nur einbilde, es zu hören, das kommt nicht in Frage.
Nun ist mir ein ganz profanes Mittel geblieben, das probiere ich heute das erste Mal aus: Vorne habe ich Maschendraht hingelegt, das sollen Marder als Laufuntergrund angeblich nicht mögen. Ich bin gespannt. Vielleicht beißt Johannes mir als Ersatz für Tapsenabdrücke mal die Bremsleitungen durch. Dann bekommt er alle Marderrechte aberkannt in der Dorfstraße 15 in T, dann heißt er auch nicht mehr Johannes sondern Marder, das Drecksschwein. Also mach nichts falsch, Junge. Turne wieder übers Hausdach und heb von mir aus auch die Ziegel an. Aber laß mein Auto in Ruhe.

16. Juli 2006

Usw.

Abgelegt unter: usw. — gtaag @ 17:32
Dann haben sich alle umarmt. Auch der Regisseur kam zu mir und umarmte mich. Mir ist diese Geste eines Regisseurs am Ende des letzten Drehtages, am Ende eines/seines Filmes, nicht fremd. Das passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass die körperliche Nähe jemals angenehm gewesen wäre, im Grunde ist mein Empfinden, warum jetzt, warum umarmst du mich jetzt, jetzt ist alles vorbei, du hättest früher um mich werben sollen. Um meine Leistung zu kitzeln. So fällt die Umarmung bei mir meistens nicht herzlich, sondern als Beobachtung aus. Aha. So auch diesmal, aha. Sagt er: Dank auch dafür, dass du die vielen Stunden mitgemacht hast. Aha. Blieb mir was anderes übrig, hätte ich weglaufen sollen?
Draußen dann, ich hatte die Kisten gerade im Wagen verstaut, der neue Saab ist nicht sonderlich praktisch für mich, aber immerhin noch so, dass alles ohne Leiden seinen Platz findet, ich vermiete ihn statt sixt-VW nun an die Produktion, das ist nicht sonderlich lukrativ, vor allem nicht, wenn Schäden auftreten, aber von Schäden gehe ich erst einmal nicht aus, als optimistischer Mensch. Außerdem ist man nach einem Schaden umso wachsamer. Eine Schramme habe ich schon, morgens, in der Garage geholt, es ist eng da und ich war unausgeschlafen. Immer wenn ich jetzt dort zurücksetze, denke ich an die Schramme.
Nach der Dankesumarmung des Regisseur abseits vom Licht, da ich im Licht nichts zu suchen habe, zum Hören braucht man kein Licht und deshalb sitze ich immer abseits, hatte ich schnell im Auto meine Kisten verstaut, man trank Sekt und Bier, man umarmte sich weiter, ich sah das im Augenwinkel, nein ich bin wirklich kein Freund dieser Umarmungen am Ende, da kam auf einmal der Produktionsleiter zu mir und: umarmte mich.
Mit dem Produktionsleiter auf Augenhöhe habe ich nur einmal gesessen, das war vor einem viertel Jahr, bei den Verhandlungen. Seitdem ist er mir aus dem Wege gegangen, betont sogar, ich weiß nicht, was der Mann hatte, in der ersten Zeit hat er mich nicht einmal gegrüßt, während er sich mit anderen, vor allen den Frauen, immer gerne umarmt hatte, zur Begrüßung oder gerne auf die Schulter gehauen hatte, den ausgewählten Männern, mir wurde diese Begünstigung niemals zuteil. Das ist natürlich auch eine Art, sich die Leute  vom Halse zu halten, ich glaube allerdings, die Art eines kleinen Lichts, denn eigentlich macht man so etwas intelligenter, finde ich. Nun wurde ich auf einmal der Gunst einer Umarmung dieses kleinen Mannes zuteil, er roch ungewaschen, nach erkaltetem Schweiß, er war auch körperlich klein, das wurde mir bei der plötzlichen Umarmung gewahr, und er sagte: Nicht dass ich meine Versprechen nicht gehalten habe, ich habe dir viele Überstunden versprochen. — Ich antwortete etwas dieser Bemerkung angemessen, was soll man eigentlich zu solchen Leuten sagen, die in der Großstadt einen koreanischen Geländewagen fahren und am liebsten mit Jogginghosen auftreten und T-Shirt über gespanntem Bizeps, hm. Ich schaue auch Leuten gerne in die Augen, mindestens ins Gesicht. Nicht nur gerne, ich mache es automatisch. Dieser Produktionsleiter, der kann das nicht.
Aus irgendwelchen Gründen erwiderte ich die Umarmung, bevor er seinen Satz sagte, er strebte weg, das war deutlich zu spüren, komischer Mensch. Dann sagte er seinen Satz, den mit dem Versprechen. Und ich sagte /dumm/ hinterher, dass wir ja das nächste Mal wieder testen können, ob er seine Versprechen halte. Das nächste Mal, pha.
So bin ich in dieser fortgeschrittenen Nacht 2 Umarmungen zweier Männer zuteil geworden. Ich trank noch einen Prosecco und verteilte Cds mit Fotos, und war sehr schnell verschwunden. Nicht umsonst ist dieser Beitrag hier unter der Rubrik usw. abgelegt. Usw.

9. Juli 2006

Fabrikarbeit

Abgelegt unter: usw. — gtaag @ 20:35
Dieser gewisse Tunnelblick hat sich eingestellt. Zum Feierabend läuft das Mädchen mit der glatten Gesichtshaut und den ausladenden Hüften, um die sie einen Gürtel mit allerhand Gerätschaften, WalkyTalky, Taschenmesser, MacLite, Täschlein für Zigaretten, Feuerzeug, Tampons, Haustürschlüssel, geschnallt hat, ja, es fehlen eigentlich nur die Patronenhülsen, läuft sie von Mitarbeiter zu Mitarbeiter und verteilt die Callsheets für den nächsten Tag. Darauf stehen die Bilder, die abzuarbeiten sind und die Anfangszeiten und allerhand andere Informationen, die man für gewöhnlich nicht liest, ich lese sie jedenfalls nicht. Wichtig ist einzig und alleine, wo es am nächsten Tag hingeht und wann angefangen wird. Wenn der Drehort gewechselt wird gibt es auch einen Stadtplan und eine empfohlene Route mit Marker gekennzeichnet und auch noch einmal in einem Kästchen der Fahrtweg mit Worten beschrieben, nein, es kann eigentlich nichts schief gehen für jedes einzelne Gewerk, jeden einzelnen Mitarbeiter. Und tatsächlich habe ich noch niemals erlebt, dass irgend jemand irgendwann irgendwo wirklich nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zur Stelle war, das passiert einfach nicht, das ist Logistik und das ist ausgeklügelt und es gibt in dieser Hinsicht sowieso keine Schlamperei, da alle Mitarbeiter sowieso Freiberufler sind und sich ein neuerliches Engagement durch Patzer wie Drehort nicht finden oder zu spät kommen nicht verscherzen werden, deshalb jedenfalls nicht.
Nach 35 Tagen oder 7 Wochen Zusammenarbeit weiß man natürlich auch, was man voneinander zu halten hat. Da die Jobs unterm Strich gut bezahlt werden – es lohnt sich für jeden, hier zu tun, sie fahren auch alle Autos in besserem Segment und das Spielzeug, mit dem sich umgeben wird, Handys, Laptops, iPods, Digitalkameras, das ist alles jüngste Auflage – da sind die Stellen auch nicht gerade mit Berufsanfängern besetzt. Alles zwar Leute um die 30, ich bin mit 43 eine Ausnahme, aber jeder mit etlichen Fernsehproduktionen auf dem Buckel, fürs Fernsehen zu arbeiten bedeutet den Anspruch auch unter Zeitdruck zu wahren. Das ist allerhand. So kenne ich nach 7 Wochen jeden mit seiner Macke und seiner Stärke, einen Assistenten habe ich, den ich sicherlich am letzten Drehtag auch das letzte Mal sehen werde, so einen lahmen Mitarbeiter hatte ich noch nie, nach einer Woche hätte ich ihn eigentlich feuern müssen, aber da er durch mich und nicht durch die Produktion zu mir gekommen ist, ging das nicht so einfach, da war nur eines dieser Gespräche nötig, die ich so sehr liebe, ich sagte ihm, dass er eine taube Nuss sei, danach ging es etwas besser, aber taube Nuss bleibt taube Nuss. Jedenfalls wenn die Nuss schon über 30 Jahre alt ist.
Nun, noch eine Woche. Was mache ich dann. Am besten ans Meer fahren. Ja ans Meer. Und mal wieder schreiben.