Kirchenglocken
Am Sonnabend habe ich auf die Kirchenglocken in T. gewartet, erst da wollte ich zur Beerdigung losgehen. Aber die Glocken läuteten nicht und so war es 5 Minuten vor 1, als ich die Kirche betrat. Ganz still war es und die kleine Kirche war bis auf den vorletzten Platz gefüllt, man schwieg und wartete, und so war es wie ein Auftritt, als ich durch die Seitentür hineintrat, ich fand den letzten Platz, zufällig neben den Nachbarn. Ich hatte den Eindruck, dass man erstaunt war, dass ich gekommen war, scheinbar erwartet man von jemandem, der sich eher abseits hält selbst das Absurdeste, auch nicht zu kommen zu einer Beerdigung. Dabei hat das Abseitshalten ja wohl nichts mit so einem Anlass zu tun.
Inge Grams war vor einer Woche gestorben, 75 Jahre alt, ich hatte sie kennen gelernt, weil sie einmal im Jahr zu mir in den Vorgarten kam und Zweige vom Wacholder abschnitt. Da gab es auch keine Frage, als ich der neue Besitzer geworden war, das würde sie weiterhin machen, einmal im Jahr Wachholderzweige schneiden. Ansonsten hatten wir nicht viel miteinander gesprochen, nur gegrüßt hatten wir uns, sie und ihr Mann Gustav waren die Nachbarn von schräg gegenüber und ich wusste, sie konnten mein Haus gut beobachten von ihrem Stubenfenster aus, man fühlt sich ja automatisch sicherer, wenn jemand beobachten kann, was so bei einem selber vorgeht, auch wenn man nicht da ist.
Die Trauerfeier war steif und ohne Aufregung, der Pfarrer mit seinem leichten sächsischen Tremolo in der Stimme schnurrte einen vorgegebenen Ablauf hinunter, so schien es mir. Mitgesungen hat kaum jemand und an Stellen, wo die Gemeinde eigentlich ein Amen hätte sagen müssen, schwieg es. Später, draußen, das Vaterunser sprach auch kaum jemand mit. Ich auch nicht. Ich kann es einfach nicht. Das erste Mal dachte ich, ich sollte es mal lernen. Das Vaterunser ist eine feine Sache.
Später erfuhr ich, das Läuten der Glocken sei gar nicht erlaubt.
Vor einer Woche haben wir es doch gemacht. Ich finde solche Zeichen in einem Dorf sehr wichtig. Sylvester zur Begrüßung des Neuen Jahres oder wenn jemand stirbt. So habe ich das erste Mal in meinem Leben Kirchenglocken geläutet und das auch noch unter Lebensgefahr. Denn wenn die Glocke hinuntergekommen wäre, man befindet sich unweigerlich beim Läuten darunter. Aber auch denke ich, hier in Deutschland, wenn der Strick noch hängt, so schlimm kann es nicht sein. Ein Verbot wird da schneller ausgesprochen.
Nein, der auf dem Video bin nicht ich. Das ist der Nachbar Michael L.
Inge Grams war vor einer Woche gestorben, 75 Jahre alt, ich hatte sie kennen gelernt, weil sie einmal im Jahr zu mir in den Vorgarten kam und Zweige vom Wacholder abschnitt. Da gab es auch keine Frage, als ich der neue Besitzer geworden war, das würde sie weiterhin machen, einmal im Jahr Wachholderzweige schneiden. Ansonsten hatten wir nicht viel miteinander gesprochen, nur gegrüßt hatten wir uns, sie und ihr Mann Gustav waren die Nachbarn von schräg gegenüber und ich wusste, sie konnten mein Haus gut beobachten von ihrem Stubenfenster aus, man fühlt sich ja automatisch sicherer, wenn jemand beobachten kann, was so bei einem selber vorgeht, auch wenn man nicht da ist.
Die Trauerfeier war steif und ohne Aufregung, der Pfarrer mit seinem leichten sächsischen Tremolo in der Stimme schnurrte einen vorgegebenen Ablauf hinunter, so schien es mir. Mitgesungen hat kaum jemand und an Stellen, wo die Gemeinde eigentlich ein Amen hätte sagen müssen, schwieg es. Später, draußen, das Vaterunser sprach auch kaum jemand mit. Ich auch nicht. Ich kann es einfach nicht. Das erste Mal dachte ich, ich sollte es mal lernen. Das Vaterunser ist eine feine Sache.
Später erfuhr ich, das Läuten der Glocken sei gar nicht erlaubt.
Vor einer Woche haben wir es doch gemacht. Ich finde solche Zeichen in einem Dorf sehr wichtig. Sylvester zur Begrüßung des Neuen Jahres oder wenn jemand stirbt. So habe ich das erste Mal in meinem Leben Kirchenglocken geläutet und das auch noch unter Lebensgefahr. Denn wenn die Glocke hinuntergekommen wäre, man befindet sich unweigerlich beim Läuten darunter. Aber auch denke ich, hier in Deutschland, wenn der Strick noch hängt, so schlimm kann es nicht sein. Ein Verbot wird da schneller ausgesprochen.
Nein, der auf dem Video bin nicht ich. Das ist der Nachbar Michael L.



