|GTaag|

9. August 2006

Albanien

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 23:19
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Es gibt ja Gegenstände im Haushalt, die werden nicht ersetzt, obwohl es bessere als sie gibt und die hängen einem an und man ärgert sich jedes Mal, wenn man sie benutzt und erinnert sich, woher man sie hat und dass man sie nun schon so lange schon hat und ärgert sich wieder, weil sie unpraktisch sind und müht sich um sie, putzt und säubert sie, um sich das nächste Mal wieder zu ärgern und sich zum xten Male einen Ersatz vorzunehmen. Denn schließlich, man habe es ja nicht nötig so etwas mitzumachen, so ein Mistteil, auf den Schrott gehöre das und nur dort hin!
So ist das mit dieser Knoblauchpresse, seit 1988 habe ich sie, damals in Albanien gekauft. Seitdem hängt sie mir an. Den Knoblauch presst sie auch ganz gut durch, da kann man nichts sagen, aber hinterher muss man mit einem Messer ran, die Reste herausfummeln und die unregelmäßigen Löcher werden nur richtig und auch alle frei, wenn man mit einem Zahnstocher durchpiekst, jedes einzelne Loch. Was ist das nur für ein Haushaltsgegenstand, so was von nervend. Und während der Reinigung kommt unweigerlich die Erinnerung an Albanien, nicht unbedingt eine konkrete Erinnerung, eher so ein Gefühl um eine vergangene Zeit, die was mit der ddr zu tun hat und mit den Veränderungen und dass man entronnen ist, alles so was. Denn eigentlich, das stimmt, so eine Knoblauchpresse ist heute nicht mehr nötig. Damit müsste ich mich nicht quälen. In Berlin auch, im anderen Haushalt, da gibt es mittlerweile eine, die hat so was wie Noppen, die sich durch die Löcher mit hindurchpressen. Das ist eine fortschrittliche Presse! Die braucht man nur noch ins Wasser tauchen und ein bisschen und ganz leicht mit einem Messer bearbeiten, schon ist sie sauber. Aber woran erinnere ich mich, wenn ich sie benutze? An Albanien auf jeden Fall nicht.
Albanien. Vor 18 Jahren ein abgeschottetes Land mit einer Kette von Bunkern, drei mal drei Meter im Quadrat und eine runden Betonhaube oben drauf. Jeder Bunker war mit einem Graben mit dem anderen verbunden. So sollte der einzige und wahre Sozialismus verteidigt werden können, gegen den Sowjetimperialismus und den Kapitalismus sowieso. Jedenfalls sah das Enver Hoxha so. Der ist nun schon eine Weile tot. 88 standen sich in Tirana noch Lenin und Stalin gegenüber, überlebensgroße Statuen, ich glaube sie haben einander mit hocherhobenem Arm gegrüßt. Ob die noch immer dort so stehen?
Die Flüge sind gebucht, es wird Zeit, dort wieder einmal vorbeizuschauen.

Heute habe ich wieder diese Knoblauchpresse in den Händen gehabt. So ein Mistding. Nein, keine Angst, ich werde das Ding nicht mitnehmen und in Saranda im Ionischen Meer versenken. Es gibt sehr wenige Gegenstände, die bleiben. Dazu gehört diese Knoblauchpresse. Wenn sie dann doch eines Tages einen Ersatz finden sollte verdient ihr ein Platz in einer Vitrine. Danke Enver, Danke Erich. Danke Michail, Helmut.

Nachtrag 24.8.06:
Meinen Eltern habe ich damals auch so eine Knoblauchpresse mitgebracht. Irgendetwas muss man ja mitbringen, aus fernem Ausland. Unlängst zu Besuch hielt meine Mutter das Teil hoch und sagte: Das Mistding. Aber sie bekomme es ganz gut sauber mit einer Abwaschbürste. Nicht so mit Zahnstochern. Trotzdem Mistding. Nur einmal habe es kurzzeitig Ersatz gegeben. Das habe aber nicht durchgehalten.

One Response to “Albanien”

  1. 1
    Lapidarium42 » Blog Archiv » 13. August Says:

    […] Albanien « |GTaag|: Danke Enver, Danke Erich. Danke Michail, Helmut. […]

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