|GTaag|

27. September 2006

Albanien /5 (nowhere)

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 23:29
Herr N. war 15 Jahre Autodealer zwischen Albanien, Griechenland, Holland und Berlin. Nun hat er sich an einer Kreuzung im Südwesten Albaniens zwischen Korce und Permet einen Aussichtsturm gebaut: 160.000€ hat der Spaß gekostet, alleine 50.000€ für die Inneneinrichtung. Einen Schacht für die Klimaanlage, später, gibt es auch schon.
„28€ pro qm“, sagte Herr N. und fragte uns, ob wir Studenten seien. Nein, das sind wir nicht. „Aber ich“, sagte er, „im 15. Semester Ökonomie.“ Er lachte. „100€ habe ich Gewinn am Tag.“
Er war stolz. 4 Buslinien gibt es hier, von Korce, aus Griechenland, von Gjirokaste. Das rechne sich. Später werde aufgestockt, für ein Hotel.
Der Aussichtsturm: Man kann zu allen Seiten die Straßen einsehen, man hat alles im Blick. So hat Enver Hoxha damals die Bunker bauen lassen, noch heute sind sie an strategischen Punkten zu finden, an Kreuzungen, an Weggabelungen.
Herr N. servierte einen Espresso, der Tote aufwecken würde. Ich überlegte mir, ob ich hier gerne sein würde, es wäre ja auch eine Möglichkeit, 3 Straßen so im Blick zu haben und am Tagesende die hundert Euro einzusacken. Neinnein. Herr N. kündigte uns den Bus an und sagte dann unten dem Fahrer, wo wir hinwollten. Das interessierte den Fahrer überhaupt nicht, schließlich fuhr er gar nicht so weit, wie an diesem Tag unser Ziel war.

Albanien /4 (Pogradec)

Abgelegt unter: Albanien, unterwegs — gtaag @ 22:07
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Mutter und Tochter.

Bitte spülen

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 01:39
Man muss nur mal öfter in öffentlichen Gebäuden hierzulande etwas länger zubringen müssen, um dann gewissen Dingen ansichtig zu werden, die einem sonst, wenn man seine eigenen freiberüflichen Kreise nicht verlassen würde, nicht zu Gesicht bekommen täte und damit auch nicht den Hauch von Bewusstsein, dass es woanders wirklich eine andere Welt gibt, von der viel zu wenig öffentlich gezeugt wird:
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Landgericht Berlin
Tegeler Weg 17 – 21
10589 Berlin
1. Etage.

23. September 2006

Albanien /3 (Himare)

Abgelegt unter: Albanien, unterwegs — gtaag @ 21:41
Für die 50 Kilometer von Saranda nach Himare braucht man zweieinhalb Stunden, nicht etwa weil der Bus trödeln würde, das Zu- und Aussteigen geht zügig vonstatten, aber die Straße, sie ist schmal und windet sich die kargen Berghänge entlang, immer in Sichtweite das Meer, der Asphalt scheint von Hand aufgebracht,  nicht so plan wie von einer Maschine, und bei jedem entgegenkommenden Fahrzeug kommt man fast zum Halten, so schmal ist es. Das dauert, natürlich, und auch, unterwegs werden Pfirsiche gekauft und Weintrauben und einmal, als eine unterarmdicke Schlange die Straße überquerte, stoppte der Busfahrer und es war eine Aufregung im Bus und 2 Burschen sprangen hinaus und schauten dort, wo die Schlange verschwunden war. Das war schon kurz vor Himare und die Passagiere und der Busfahrer waren die Strecke über eine Gemeinschaft geworden. Überhaupt reden die Albaner sehr viel miteinander und verpassen dadurch schnell auch ihr Aussteigen. Jedenfalls Frauen. Dann wird sich mit dünner Stimme gemeldet, der Fahrer hört es nicht, aber die Busgemeinschaft gibt ihm schon Bescheid und so hält er wieder, ganz normal, ganz selbstverständlich. In Albanien hat man miteinander keine Scheu, so sehr man eigentlich doch auch zurückhaltend ist, aber es ist so, als würden sich alle in irgendeiner Weise kennen, miteinander zur Schule gegangen sein, so tauscht man sich ohne Zurückhaltung aus und hält doch gewisse Dinge unausgesprochen, weil man ja weiß um den anderen, man weiß, wie alles so tickt und wie der Gang der Dinge ist.

In Himare, einem kleinen Fischerdorf, das durch sein Klima und seinen Strand einen gewissen Aufschwung erlebt haben muss, stand am Dorfeingang ein Hochhaus, das ausnahmsweise nicht als Gerippe stehen geblieben war, sondern sich nun Ressort nannte und tatsächlich war auch ein blauer Swimmingpool zu sehen, aber es sah nicht sehr belebt aus und war staubig und traurig. Später dann hielten wir im Ort, der sich dadurch auszeichnete, dass den Strand entlang, dort wo an sich eine Promenade hingehören würde, auf etwa 200 Metern Überdachungen aufgestellt waren, die zu einzelnen Cafés und Restaurants gegenüber der anschließenden breiten Straße zugeordnet waren.
Der Strand einzigartig, das Wasser blau. Der Blick aus einer sich öffnenden Bucht, in der weiten Ferne 2 Inseln, klein und steil ansteigend. Ein milder Wind.
Nach einer langen Fahrt, kaum ausgestiegen zu sein von hilfsbereiten Menschen angesprochen zu werden, ist immer schwierig, man will ja nicht unhöflich sein, man will sie ja auch zu Wort kommen lassen, aber eigentlich will man sich erst einmal sortieren und orientieren, ehe es gleich atemlos weitergehen kann. Zumal ja kein Zimmer vorbestellt ist, vielleicht braucht man ja die Hilfe.
So war es auch in Himare, ein wohlgenährter Typ Anfang 50, es war sofort klar, in diesem Ort konnte er nur einer von diesem Ressort sein oder einem anderen Hotel etwas abseits. Hm, und die Tasche war noch nicht einmal geschultert.
In dem Moment, als er abgewiesen wurde, freundlich und bestimmt, aber nicht wirsch, jedenfalls hofft man doch sehr, dass Freundlichkeit  überwiegt, denn eigentlich ist man doch sehr wirsch und will eigentlich nur noch blaffen, da war auf einmal ein junger Typ zur Stelle, einer mit gelbem T-Shirt und der Aufschrift Ukraine, er sprach englisch, er sagte Bandit, was man ja wusste, das nahm auch nicht sehr für ihn ein, aber er sprach englisch und offensichtlich, er wollte keine Dienste anbringen, er wollte einfach nur behilflich sein und englisch sprechen. Wir setzten uns an den Anfang dieser Zweihundert-Meter-Überdachungsparade, dort saß schon der Vater des jungen Mannes, der mit einem gewissen Stolz dort saß, zurückhaltend und aufmerksam. Der Vater war Bauarbeiter und vor 3 Jahren hier her gekommen und war dann dageblieben, da man im Ort nun wusste, wen man für Maurerarbeiten ansprechen könne. Seine Frau und die beiden anderen Kinder lebten in einem Dorf bei Elbasan, der älteste Sohn war in der Ukraine zum Studium gewesen, aha, daher das T-Shirt,  und nun hier her zu seinem Vater gekommen. Zuerst hat er als Küchenhilfe in einem Hotel gearbeitet, das waren 15 Stunden am Tag für sehr wenig Geld, dann hat er es dort von einem Tag auf den anderen sein gelassen, weil im Internetcafé die Stelle freigeworden war, dort arbeitete er nur 5 Stunden am Tag und bekam 150$ im Monat, etwas mehr als bei der Stelle zuvor, trotzdem zu wenig. Seit vorgestern hat er nun nichts mehr, die Saison ist zu Ende, das Internetcafe geschlossen. Sagte er und saß in seinem knallgelben ukrainischen T-Shirt und trank mit seinem Vater zusammen Bier. Der Vater lächelte. Nichts zu haben scheint nicht so schlimm zu sein, wenn man vorher etwas gehabt hatte.
Wir sprachen über das schlechte Image Albaniens in Europa. Der junge Mann sagte ja. Er habe nach Mazedonien gemusst, um für die Ukraine ein Visum zu kaufen und beim Geldwechseln sei die Frau am Schalter erst freundlich gewesen. Als er seinen albanischen Pass vorzeigte, habe sie sich auf einmal verändert und gesagt, das Geld sei nicht echt. So als können Albaner nur gefälschtes Geld besitzen und erst recht dann, wenn es einen Betrag von einhundert Euro überstiege. Sie ließ sich auch nicht erweichen, das Geld anzunehmen, es hatte erst der Vorgesetzte kommen müssen.
Es blieb bei diesem anekdotischen über Albanien.
Er werde weiter englisch lernen und sein Studium im Ausland wieder aufnehmen. Vielleicht ließe sich ein Stipendium finden. Vielleicht. Auf jeden Fall könne es nicht sein, dass er mit einem albanischen Pass ein Mensch zweiter Klasse sei. Dieser Satz wurde nicht ausgesprochen, aber es war zu spüren, dass genau das das Thema war.

Er hieß Albert und sprach sich im albanischen ganz anders aus. Er fand es witzig, wenn wir seinen Vornamen deutsch aussprachen. Es war gut, eine Weile gesessen zu haben. Wir liefen los, schon vertraut mit diesem Ort. Es fand sich nicht weit entfernt ein Zimmer mit Blick aufs Meer. Als wir auf den Schlüssel warteten, blieb auch Albert sitzen. Nein, er erwartete kein Geld, das war es nicht. Vielleicht erwartete er eine Einladung, vielleicht war es das. Denn so einfach könne so ein Gespräch doch nicht zu Ende sein. Die Einladung wurde nicht ausgesprochen, man würde sich doch sowieso in diesem kleinen Ort über den Weg laufen, dann wäre es keine Verpflichtung, sondern ein schönes Zusammentreffen. Wir verabschiedeten uns, unverbindlich. Er ging, enttäuscht, das bemerkte ich. Als er weglief, sah ich auf einmal einen sehr jungen Menschen, der mehr erwartet hatte. Nein, es ging nicht um Geld, bestimmt nicht.

Wir waren 3 Tage in Himare. Wir sahen ihn nicht wieder.

18. September 2006

Albanien /2 (Saranda)

Abgelegt unter: Albanien, unterwegs — gtaag @ 15:23
[30.8.06] An einen Ort zurückzukehren, mit dem sich sehr viele Erinnerungen verbinden und man sogar sagen kann, dass man damals an diesem Ort an einem Scheideweg gestanden hat, ist eine eigenartige Angelegenheit. Schon deshalb, wenn man sicher annehmen konnte, nie wieder dorthin zurückkehren zu können. Die Verhältnisse 1988 waren zementiert, den Kommunismus in seinen Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, 1988, die Mauer, sie würde weiter stehen bleiben, weil man das sein ganzes Leben lang gesagt bekommen hat und es deshalb zur Wahrheit geworden war und weil Leute, die in irgendeiner Weise in den Westen gegangen waren auch wirklich weg waren, sie waren verloren. Diese Zeit hatte etwas endgültiges, etwas aussichtsloses. Nein, es würde sich niemals etwas ändern, man konnte nur in die innere Emigration gehen oder in irgendeiner Weise versuchen, sich davon zu machen.

Ich war 1988 durch ein Versehen in Albanien gelandet. Inmitten einer Gruppe von kleinen Beamten und Zuträgern und höheren Angestellten des Staatssicherheitsapparates der ddr. Dieses Versehen mich dort wieder zu finden hat sich nie aufklären lassen, ich vermute, dass es mit einem Spezialprogramm der Berliner Charité zusammengehangen hat, seit frühester Kindheit war ich zur Kur gefahren, die positiven oder negativen Auswirkungen des Klimas auf den Zustand der Haut wurden aufgezeichnet, in einem Langzeittest. Nur so kann ich mir den Aufenthalt in Albanien erklären, denn Hautwerte haben nichts mit Gesinnungswerten zu tun.
So schaute ich von Saranda nach Korfu hinüber. Korfu, das liegt nicht weit, aber trotzdem, 10 und mehr Kilometer mochten es schon sein, das ist nicht zu schwimmen, selbst durch ein warmes und ein klares Salzwasser nicht, ohne Training und ohne Vorbereitung schon gar nicht. Die Bunkerketten entlang der albanischen Küste sprachen auch eine eindeutige Sprache, so nah es doch schien und so einfach auch, keinen Schritt weiter war man hier, in Saranda. (Allerdings, schon 1988 wurden die Bunker mehr als Toilette benutzt, ich war in keinem richtig drin, um den Eindruck eines Bunkers auf mich wirken lassen zu können, alle waren vollgeschissen mit dunklen Haufen breiiger Konsistenz und auffällig vielen Körnerresten.)
So war ich in den 5 Wochen in Saranda nur zum guten Schwimmer geworden, denn ich hatte trotzdem jeden Tag trainiert, immer die Küste entlang und nicht zu weit, damit es nicht auffiel. Ich schimme eben gerne, hatte ich gesagt, was gar nicht stimmt. Tatsächlich bin ich nie wieder so viel geschwommen wie vor 18 Jahren, es war so, als hätte ich mein Pensum für die nächsten Jahre mit einem Mal erfüllt.

Nun sehe ich Saranda wieder.
Täglich gibt es mehrere Fährverbindungen von Corfu nach Saranda, die Passkontrolle erfolgt routiniert und es gibt keines Aufhebens wegen des Gepäcks, das interessiert einfach nicht. Ein Schäferhund liegt desinteressiert auf dem Boden. Man hat den Eindruck, dass die Kontrollen eher der Form halber gemacht werden, fast wie ein lästiger aber notwendiger Akt. Sie verlassen die Europäische Gemeinschaft. Hier beginnt richtiges Ausland. Hier ist Albanien.
Es gibt eine Kabine mit einem Grenzbeamten drin, der sich mit den fremden Schriftzeichen abmüht, die er jeden einzelnen auf ein Zettelchen postsozialistischer Art übertragen muss, solche Zettel wie früher das dünne und durchscheinende Durchschlagpapier sozialistischer Staaten. Wie sich später herausstellt, der Zettel ist das Visum, darauf der Vermerk, 10 Euro bezahlt zu haben. So wird man hineingelassen, Albanien, mit so einem kleinen Zettel in der Hand, den man sorgsam verstaut in der Passhülle, wie man sowieso diese Passhülle nur für diese kleinen und unscheinbaren und einem als Schmierpapier anmutende Zettelchen benötigt, die bei der Ausreise wieder eine so große Wichtigkeit bekommen können. Also nicht verlieren, schön verwahren.
Schon von weitem ist Saranda nicht als das zu erkennen, wie ich es in Erinnerung habe, wobei ich gestehen muss, dass ich an Saranda nicht sehr viele Erinnerungen habe, außer die an das Meer, aber an Hochhäuser in dieser Form und so weit ausgebreitet über die Bucht und auch an den Hängen der Berge, daran gibt es keine Erinnerung. Das konnte auch so heftig erst in den letzten Jahren entstanden sein, denn es sind sehr viele Hochhausgerippe zu sehen, 6 bis 8 Plattformen, die im Kern an Stahlträgersäulen sich freischwebend tragen, später erst würden die Außenwände mit den Fenstern gemauert werden und ihnen ein Gesicht geben, wenig uniform, wie es Hochhäuser eigentlich sind, später sah ich sogar in den albanischen Alpen solche Stahlbetongerippe als Gerüst für sehr individuell aussehende Häuser, die von außen sogar eine Verkleidung aus den in der Landschaft vorherrschenden Materialien bekamen.

Die Bunker sind in Saranda verschwunden, da war man gründlich, nicht einen hat man stehen gelassen, das ist Albanien in Saranda, so habe ich es sofort gesehen und nach 18 Jahren. Nun komme ich aus Griechenland und werde mit meinem Pass quasi durchgewunken, nur auf das kleine Zettelchen muss ich aufpassen, das unbedingt.

In Saranda sind 6 Leute durch Hotels reich geworden und so wie im Jahre 1996, als der überwiegende Teil der Albaner durch Pyramidenbankgeschäfte um ihr Erspartes betrogen worden waren und es zu einem regelrechten Exodus Richtung Westeuropa gegeben hat, hat es sich auch schnell herumgesprochen, dass man durch Hotels sein Geld in Saranda machen könne, daher diese vielen Neubaugerippe an den Berghängen. Nein, dazu fehlt es in Albanien an Hinterland und wenn man nur das Wort Albanien in Europa ausspricht, jedenfalls in Deutschland, gibt es eine Assoziationskette: Armenhaus Europas, Mädchenhändler, Blutrache, Straßenraub. Keine guten Voraussetzungen für Tourismus, auch nicht durch eine Imagekampagne mal schnell behebbar. So ist auch einer der 2 erhältlichen Reiseführer grottenschlecht, was die Wegbeschreibungen angeht, wenn er auch sagt, Albaner seien zwar misstrauisch und daher die finsteren Blicke der am Straßenrand oder in den Cafes sitzenden Männer, aber die Albaner seinen eben nur misstrauisch am Anfang, aber eigentlich seien sie gastfreundlich und hilfsbereit und aufgeschlossen. Gerade aber diese Aufgeschlossenheit zeigen sie nicht am Anfang.
Interessant.
So waren wir in Saranda angekommen, die ersten Schritte aus dem Hafengebäude hinaus, und es ging gleich unwirtlich steil bergan, betoniert, so ist das bergige und unwirtliche irgendwie zivilisiert gemacht, eigentlich sympathisch, woanders hätte man etwas egalisiert, vielleicht Terassen geschaffen, hier wird der Berg betoniert und es gibt auch keine richtige Stufen, ja, symphatisch, es ist anders, es ist auf diese bestimmte Art ehrlich, man weiß genau, dass man hier nichts geschenkt bekommt, das ist nichts für Warmduscher oder für Menschen, die sich darüber aufregen können, wenn die Stufen nicht ein einheitliches Maß haben oder sogar stolpern, wenn eine Stufe auf einmal ein anderes Maß hat, als sie es gewohnt sind.
Saranda erwies sich dann auch als die Stadt, von der man nichts zu erwarten hatte sollen, gut, ich habe auch nichts erwartet. Das Hotel „Butrinti“, in dem ich vor 18 Jahren gewohnt hatte und das den provinziellen Charme eines hingeklotzten Baus einer Kleinstadt, die Großstadt spielen will, gehabt haben muss hat weitergeklotzt, es ist erweitert worden zu einem Bau mit glaskuppelüberdachter Einfahrt und stolz zeigte sich ein Emblem „HB“, dahinter 5 Sterne. Ich bin gar nicht hineingegangen, warum auch, Spuren finden, neinnein, es ist nur interessant, wie sich Dinge verändern, wie sich Bauwerke an eine Zeit anpassen, wenn sie nicht untergehen und verfallen oder wenn man nicht altes bewahrt. 5 Sterne. Swimmingpool, Conferenzrooms (Sauna, Massage). Dann weiter die Straße Richtung Butrint, früher lag das Hotel am Rande der Stadt, verlor sich auch schnell das urbane, die wenigen fertigen Häuser duckten sich im Eindruck des Unfertigen, die untere Etage in Bezug genommen, vielleicht noch ein Café daraus gemacht,
Sonnenschirme mit Rothmanns-Signet darauf, Plastikstühle, an einem der sonst leeren Tische immer 3 oder 4 Männer, die zusammensaßen, redeten oder Karten, Brettspiele spielten.
So hat dann auch jede kleine Bucht ihr kleines Restaurant bekommen, sicherlich auch die, von der ich damals meine Trainingsbahnen aus absolviert hatte. Man konnte von Vorsprüngen getrost hineinstpringen, es ging sofort metertief hinunter, beim ersten hineinspringen trug ich noch Schuhe, da das Anlanden etwas schwieriger ist und Seeigel, wer weiß, das ist dann doch nicht so spannend, als Experiment. Beim zweiten Mal ließ ich die Schuhe dann doch weg…
Aber Saranda selber, eine betonierte Stadt, die am Tage bei diesem gleißenden Licht ziemlich leer ist, nur etwas oben, in der zweiten und dritten Straße ist mehr leben, wo an einem Park die Geldwechsler stehen, denen man seine Euros ruhig anvertrauen kann und die einen besseren Kurs als die Banken geben.
Erst nach 20 Uhr erwacht die Stadt. Dann promenieren die alten zu zweit oder dritt die Strandprommenade entlang. Das kleine Karussell, am Tage zu einem Kasten zusammengeklappt, es dreht sich und Kinder sitzen auf den Phantasiegefährten, die Mütter stehen am Rande, da ist die Welt irgendwie in Ordnung, man vergisst die Bausünden der Stadt, trinkt ein Bier oder einen Raki in einem der zahllosen Restaurants in Wassernähe, da geht das Vergessen sowieso schneller und angenehm ist es zudem auch noch. Nebenbei kann man das Freiluftkino besichtigen, das ist auf eine kleine Landzunge gebaut und ausreichend einsehbar. Ein amerikanischer Schinken läuft, eine hochgewachsene und braungebrannte Schönheit in weißem Kleid verführt einen ebenfalls hochgewachsenen und braungebrannten jungen Mann, der in einer Verbrecherwelt ein Boß sein muss, alles ist ziemlich lasziv und kein Mann hier wird jemals so eine Frau besitzen und keine Frau jemals solch einen Mann. Denke ich.

13. September 2006

Albanien /1 (Vlore – Tirana)

Abgelegt unter: Albanien, unterwegs — gtaag @ 23:36
Züge haben in Albanien nicht so eine große Bedeutung, das sieht man schon an den Bahnhöfen, die als solche eigentlich gar nicht zu erkennen sind, der in Vlore jedenfalls, hätte man es nicht in einem Reiseführer geschrieben gestanden, man hätte ihn nicht vermutet, dort, abseits, in einem vorstädtischen Abbruchindustriegebiet, mit staubigen Straßen, Brachen, Müllplätzen, Reparaturgaragen.
Das Bahnhofsgebäude muss seine bessere Zeit in den 50iger Jahren gehabt haben, heute fehlen die Scheiben und die Weitläufigkeit ist staubig und zerbrochen. Im Gegenlicht könnte man meinen, an einem aufgelassenen Ort zu sein. Aber die Schalter sind besetzt und man kann ein Ticket kaufen, 2 Euro die Strecke, 280 Kilometer, für die der Zug 5 Stunden braucht. Zweimal am Tag fährt er, früh um 5 und mittags um 12.

In Albanien kommt man niemals zu knapp zu einer Bus- oder Bahnstation, nur bei Minibussen ist es etwas anderes, da lässt man sich auch gerne am Straßenrand auflesen, ein kleines Zeichen genügt, hat der Bus noch Platz, wird immer angehalten.
Der Zug nach Tirana ist einmal in Osterreich gefahren, Notbremse ist zu lesen und am klappernden Fenster steht: Hier war René. Die Buchstaben sind unbeholfen in die harte Farbe eingeritzt. Und Polsterung gibt es, diesem Landstrich aber hätte eine verschleißfestere Polsterung besser getan.
5 Stunden für 280km. Das ist langweilig und irgendwann klappert es nur noch und die Hitze nimmt zu und da die Landschaft nichts hergibt, man durchquert Flachland, weiß man natürlich, warum auch die Einheimischen den Bus benutzen, das ist zwar teuerer, aber man spart die Hälfte der Zeit und langweilt sich nicht so.

Irgendwann gab es einen lautlosen Startschuss im Waggon, da wurden das Brot und die Wurst ausgepackt und es wurde gegessen. Später gab es Obst, Bananen und Weintrauben.
Ein junger Mann mit offenem Blick, der, ungewöhnlich für die junge Generation in Albanien, kein Englisch sprach, hatte in Vlore ein Schild für das Café seiner Eltern notdürftig in eine Tüte verstaut. So ein ovales Schild, das man leuchten lassen kann. Café Ore. Ein älterer Mann hatte lange in einem Mischmasch aus albanisch, italienisch und englisch über Politik geschimpft und dass Albanien nicht besonders intelligent sei, das hat er auch gesagt. Anlass für sein Schimpfen waren ausgedehnte Müllberge entlang der Zugstrecke noch in der Nähe von Vlore. Später, es war sauberer geworden, warf er den Plastikmüll selber ganz unbeschwert aus dem Fenster.
In Deutschland würden sie dafür Strafe zahlen.
In Italien auch, antwortete er und zuckte mit den Schultern. Die anderen Reisenden warfen genauso unbeschwert ihren Müll hinaus, obwohl der Österreicher dem Albaner durchaus die Abfallbehältnisse unter den Fensterbänken gelassen hat, die auch geleert waren. Aber vielleicht wollte man einfach nur mit seinem eigenen Müll nicht die ganze Zeit zusammensein, auf so einer langen Zugfahrt. Eine andere Erklärung gibt es ja nicht für dieses Verhalten.

Der Bahnhof in Tirana ist eine Plattform mit 2 Gleisen. Die Gleise enden hier.  Es wird dem Reisenden auch nicht leicht gemacht, man muss eine Anhöhe hinauf, die staubig und dreckig und voller Plastikmüll ist. Dann plötzlich ist man oben auf einer ebenen Straße. Wenn man zurückschaut könnte man meinen, dass dort, wo die Gleise sind ein Hafenbecken sein könnte, so sehr fällt das Gelände zu einer anderen Ebene ab. Ich vermute, dass das der künstlichen Anlage der Stadt geschuldet ist. Und da Tirana an dieser Stelle nicht gewachsen ist, fällt diese Künstlichkeit heute immer noch auf.

12. September 2006

Albanien /0

Abgelegt unter: Albanien, unterwegs — gtaag @ 22:17
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