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9. Oktober 2006

Albanien /7 (Ali Pasha Tepelene)

Abgelegt unter: Albanien, unterwegs — gtaag @ 21:24
Die Straße am Meer war während der Zeit Enva Hoxhas gesperrt, da die Bucht (Porto Palermo, albanisch: Gjiri i Palermos), ein Naturhafen, dem Militär reserviert war. Noch heute zwischenankert dort ein Kriegsschiff, wohl aber mehr als Touristenattraktion. Und wirklich war das Schiff, wie es da inmitten der Natur an einem T-Pier lag, sehr unverhofft und ich machte dieses etwas unglückliche Foto. Unglücklich nicht nur deshalb, weil der Bus wackelte, sondern weil ich dachte, das nicht fotografieren zu dürfen. Es gibt diese Impulse, die gar nicht eine Grundlage in der Realität haben müssen, dass man sich eigenartig verhält, so ging es mir bei diesem Kriegsschiff, so etwas fotografiert man nicht, wenn man es fotografiert und man wird dabei erwischt, kann das nur Ärger bedeuten. Ich glaube: lächerlich. Aber Who Cares?, ich bin eben aufgewachsen mit ungenauen Landkarten und dem Wissen, dass man nicht einmal Brücken ungestraft fotografieren darf, wegen strategischer Bedeutung und so, hat sich da was geändert? Ja?

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Etwas weiter in diesem Naturhafen auch eine Einfahrt vom Wasser in einen Berg. Ein Bunker für Schiffe. Hier waren russische Kreuzer stationiert, als Enva Hoxha mit Russland 1961 brach, Chruschtschow hatte in einem Besuch Albaniens mehr über Lorbeer- und Olivenbäume geredet, als über eine erwartete Partnerschaft, Albanien, eine Kolonie für Obstanbau. – Hoxha ließ die sowjetischen Kreuzer kurzerhand versenken.
Das Militär ist vielleicht auch der Grund für die gute Erhaltung der Festung von Ali Pasha Tepelene, einem Bauwerk, das der Westeuropäer eher dem 16. Jahrhundert zuordnen würde. (Auf dem Foto im Hintergrund.) Aber Ali Pasha lebte vor ziemlich genau 200 Jahren und beherrschte von dort die Region.
Das Militär hat die Berghänge rundherum abholzen lassen, was heute wegen der Kargheit der Landschaft gar nicht weiter auffällt. Ansonsten ist die Unversehrtheit der Burg sicherlich der Zeit Enva Hoxhas zu verdanken, irgendetwas muss dem Mann ja auf die Habenseite gestellt werden können.

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Der Bau der Burg hat 16 Jahre gedauert und der französische Architekt wurde danach von Ali Pasha umgebracht. In der leeren Burg gibt es alle Einrichtungen, die man so benötigt: Küche, Aufenthaltsräume, Vergnügungsraum mit Bühne für Darbietungen und ein weitläufiges Verlies, das an einer Stelle sogar ein halbmetergroßes Fenster hat. Eine Stelle im Verlies war an der Außenwand aufgebrochen, erst nach 1991 wurde dort ein Hohlraum entdeckt, der Schatz wurde geraubt. Oder jedenfalls redet man davon, dass es einen Schatz gegeben haben muß.

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Rund um die Festung gibt es Bäume, die einzigartig sein sollen. Von oben sehen sie kugelig aus, fast wie getrimmt. Nah besehen glaubt man Weidenruten vor sich zu sehen, die nur an den Enden kleine und zarte Blätter zeigen.
Die Straße weiter zurück und eine Schotterpiste 300m hinunter gibt es eine Bucht mit eigenem Namen und einem Restaurant. Ein ganz junger Cockerspaniel schnappte nach Fliegen und hatte eine nasse und kalte Schnauze. Von oben gesehen sahen die 3 verbliebenen Bunker aus wie Zelte, sie waren aber nur bunt angemalt. 2 Duschen tröpfelten und ein Pärchen rekelte sich auf der weißen Strandlinie. Wir tranken Raki, es war halb 10 Uhr am Morgen. Pedro (er hatte uns gefahren) sagte, das sei ganz in Ordnung, er habe schon einen Raki und einen Espresso um 8 Uhr gehabt, bevor wir uns getroffen hatten. Ich finde ja Trinken am Morgen bedenklich, vor allem, weil es dem Tag für gewöhnlich so eine bestimmte Richtung gibt.
Der Raki war weich und einem Obstler ähnlich. Für den Tag der folgte kann ich eine bestimmte Richtung nicht bestätigen. Ich habe dann später noch ein paar mehr Rakis versucht, aber so einen weichen wie den am Morgen habe ich nicht wieder gefunden. Die beiden Flaschen, nach Berlin gebracht, sie schmecken fuselig, dort wo wir sie kauften, der Raki war weich, bis ganz zum Schluss, wenn man ihn geschluckt hatte. Gleiches ist mir schon einmal mit Wein aus Georgien passiert. Über die Kilometer hatte er seine Süffigkeit verloren. Eigentlich weiß ich das, aber es wird eben immer wieder passieren, dass ich das, was in der Ferne sich für zuHause so vorstellbar denken lässt, dann dort als untauglich sich erweist.

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