Rosa-Luxemburg-Platz
Am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin Mitte ist es nicht ungewöhnlich, wenn man Menschen verschiedenen Alters versonnen vor sich hinschauend dastehen sieht.
Vom Standpunkt des wissenschaftlichen Sozialismus äußert sich die historische Notwendigkeit der sozialistischen Umwälzung vor allem in der wachsenden Anarchie des kapitalistischen Systems, die ihn auch in eine auswegslose Sackgasse drängt.
Rosa Luxemburg 1899.
Dieses scheinbar versonne vor sich Hinschauen gehört mittlerweile zum Bild dieses Platzes, der nach seiner Umgestaltung im letzten Jahr weitläufiger und auch kälter geworden ist.
Die ganze Weltanschauung Marxens ist sein Hauptwerk keine Bibel mit fertigen, ein für allemal gültigen Wahrheiten letzter Instanz, sondern ein unerschöpflicher Born der Anregung zu weiteren geistigen Arbeiten zum Forschen und Kämpfen um die Wahrheit.
Rosa Luxemburg 1915.
Der Platz vor und neben der Volksbühne hat eine gespannte und sehr gerade Einfassung aus blankem Metall bekommen und der Rasen dort ist von einem Grün und einem dichten Wuchs und dazu auch noch kurz gehalten, dass man an etwas künstliches denken muss. Seit wann werden denn in Berlin die Rasenflächen so gepflegt, da stimmt doch irgendetwas nicht.
Am 9. November haben Arbeiter und Soldaten das alte Regime in Deutschland zertrümmert. Auf den Schlachtfeldern Frankreichs war der blutige Wahn von der Weltherrschaft des preußischen Staates zerronnen.
Rosa Luxemburg 1918.
Obacht!, Leute, passt doch auf, so geht das doch nicht, mitten auf der Straße versonnen stehen! Die Rosa-Luxemburg-Straße, sehr befahren, Richtung Schönhauser Allee, dort wo die Magistrale Richtung Norden beginnt und Richtung Fernsehturm, südlich, den man verzweifelt bemüht, zu beleben, mit Straßenbahnschienen rundherum und neuen Einkaufszentren.
Es war seit jeher den Epigonen vorbehalten, befruchtende Hypothesen des Meisters in starres Dogma zu verwandeln und satte Beruhigung zu finden, wo ein bahnbrechender Geist schöpferisch Zweifel empfand.
Rosa Luxemburg 1916.
Und nun merkt man es endlich, als beunruhigter Besucher, rund um den Rosa-Luxemburg-Platz sind diese Zitate als zweizeilige Spruchbänder in die Bürgersteige gelassen, auch in die Straße, manchmal vorher beginnend, manchmal direkt auf ihr. Was dann gefährlich sein kann. Zwar ist die Schrift auf der Straße durch die Autos besser lesbar als die auf dem Fußweg, so blank gerieben durch die Fahrzeugreifen, aber ehe man solche Sprüche entziffert hat und den Sinn verstanden hat, das mit Unterbrechungen und nicht mit der vollen Aufmerksamkeit, ich muss schon sagen:
Eine Welt muss umgestürzt werden, um jede Träne, die geflossen ist, obwohl sie abgewischt werden konnte, mit einer Anklage und einem zu wichtigem Tun eilender Mensch, der aus hoher Unachtsamkeit einen Wurm zertritt, begeht ein Verbrechen.
Rosa Luxemburg 1908.
Oder habe ich da nicht mal in Ruhe ablesen können in mein Diktiergerät? Habe ich mich geniert, dort hineinzulesen oder war es der Autoverkehr, der zu sehr ablenkte?
Und wenn mir nächstens einfällt, ein paar Sterne herunterzuholen, um sie jemanden als Manschettenknöpfe zu verschenken, ….
Schade, da parkte dann ein Auto, es parkte nicht einmal im Halteverbot, alles erlaubt.
Rosa Luxemburg, Sie haben auch 1899 gesagt: „Ach Dziodzi, werde ich niemals ein Kind haben.“ Richtig erschrocken ist man als Lesender über dieses weiche Zitat. Revolutionäre und Kinder.
Auch über ein Spruchband rechts von der Volksbühne, in dem Rosa Luxemburg in Sanftmut und in Freundlichkeit sich sieht: selbst einer Wespe würde sie nichts zuleide tun, sie mit Grüßen in die Freiheit befördern.
Da hat sie schon eine Weile im Gefängnis gesessen. Da kommt man auf diese Formulierungen.
So ist der Rosa-Luxemburg-Platz umgestaltet. Etwas gefährlich, durch die teilweise auf die Fahrbahn hinausragende Zitate. Aber seit wann war denn Revolution jemals ungefährlich. Höchstens wenn man morgens dann schlafen geht?
Im Krieg gingen die Söhne des Volkes zu tausenden zu Grunde, opfern ihr Leben oder bleiben ihr Leben lang Krüppel um ihre schlimmsten Feinde, die Kapitalisten, zu bereichern.
Rosa Luxemburg, 1904.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Deutschland, Italien und die Balkanstaaten, Russland und Polen, sie alle verdanken die Bedingungen oder den Anschluß zur kapitalistischen Entwicklung den Kriegen gleichviel auf dem Weg oder der Niederlage.
Rosa Luxemburg 1899.
Kein Paar der Welt hat so wie wir alle Voraussetzungen glücklich zu sein.
Rosa Luxemburg 1899.
Vorsicht, Auto!
Upd.: Sie sind lesend hierher gelangt? Donnerwetter.
Sie sind hierher gescrollt? Ich kann es nicht verdenken.
Vom Standpunkt des wissenschaftlichen Sozialismus äußert sich die historische Notwendigkeit der sozialistischen Umwälzung vor allem in der wachsenden Anarchie des kapitalistischen Systems, die ihn auch in eine auswegslose Sackgasse drängt.
Rosa Luxemburg 1899.
Dieses scheinbar versonne vor sich Hinschauen gehört mittlerweile zum Bild dieses Platzes, der nach seiner Umgestaltung im letzten Jahr weitläufiger und auch kälter geworden ist.
Die ganze Weltanschauung Marxens ist sein Hauptwerk keine Bibel mit fertigen, ein für allemal gültigen Wahrheiten letzter Instanz, sondern ein unerschöpflicher Born der Anregung zu weiteren geistigen Arbeiten zum Forschen und Kämpfen um die Wahrheit.
Rosa Luxemburg 1915.
Der Platz vor und neben der Volksbühne hat eine gespannte und sehr gerade Einfassung aus blankem Metall bekommen und der Rasen dort ist von einem Grün und einem dichten Wuchs und dazu auch noch kurz gehalten, dass man an etwas künstliches denken muss. Seit wann werden denn in Berlin die Rasenflächen so gepflegt, da stimmt doch irgendetwas nicht.
Am 9. November haben Arbeiter und Soldaten das alte Regime in Deutschland zertrümmert. Auf den Schlachtfeldern Frankreichs war der blutige Wahn von der Weltherrschaft des preußischen Staates zerronnen.
Rosa Luxemburg 1918.
Obacht!, Leute, passt doch auf, so geht das doch nicht, mitten auf der Straße versonnen stehen! Die Rosa-Luxemburg-Straße, sehr befahren, Richtung Schönhauser Allee, dort wo die Magistrale Richtung Norden beginnt und Richtung Fernsehturm, südlich, den man verzweifelt bemüht, zu beleben, mit Straßenbahnschienen rundherum und neuen Einkaufszentren.
Es war seit jeher den Epigonen vorbehalten, befruchtende Hypothesen des Meisters in starres Dogma zu verwandeln und satte Beruhigung zu finden, wo ein bahnbrechender Geist schöpferisch Zweifel empfand.
Rosa Luxemburg 1916.
Und nun merkt man es endlich, als beunruhigter Besucher, rund um den Rosa-Luxemburg-Platz sind diese Zitate als zweizeilige Spruchbänder in die Bürgersteige gelassen, auch in die Straße, manchmal vorher beginnend, manchmal direkt auf ihr. Was dann gefährlich sein kann. Zwar ist die Schrift auf der Straße durch die Autos besser lesbar als die auf dem Fußweg, so blank gerieben durch die Fahrzeugreifen, aber ehe man solche Sprüche entziffert hat und den Sinn verstanden hat, das mit Unterbrechungen und nicht mit der vollen Aufmerksamkeit, ich muss schon sagen:
Eine Welt muss umgestürzt werden, um jede Träne, die geflossen ist, obwohl sie abgewischt werden konnte, mit einer Anklage und einem zu wichtigem Tun eilender Mensch, der aus hoher Unachtsamkeit einen Wurm zertritt, begeht ein Verbrechen.
Rosa Luxemburg 1908.
Oder habe ich da nicht mal in Ruhe ablesen können in mein Diktiergerät? Habe ich mich geniert, dort hineinzulesen oder war es der Autoverkehr, der zu sehr ablenkte?
Und wenn mir nächstens einfällt, ein paar Sterne herunterzuholen, um sie jemanden als Manschettenknöpfe zu verschenken, ….
Schade, da parkte dann ein Auto, es parkte nicht einmal im Halteverbot, alles erlaubt.
Rosa Luxemburg, Sie haben auch 1899 gesagt: „Ach Dziodzi, werde ich niemals ein Kind haben.“ Richtig erschrocken ist man als Lesender über dieses weiche Zitat. Revolutionäre und Kinder.
Auch über ein Spruchband rechts von der Volksbühne, in dem Rosa Luxemburg in Sanftmut und in Freundlichkeit sich sieht: selbst einer Wespe würde sie nichts zuleide tun, sie mit Grüßen in die Freiheit befördern.
Da hat sie schon eine Weile im Gefängnis gesessen. Da kommt man auf diese Formulierungen.
So ist der Rosa-Luxemburg-Platz umgestaltet. Etwas gefährlich, durch die teilweise auf die Fahrbahn hinausragende Zitate. Aber seit wann war denn Revolution jemals ungefährlich. Höchstens wenn man morgens dann schlafen geht?
Im Krieg gingen die Söhne des Volkes zu tausenden zu Grunde, opfern ihr Leben oder bleiben ihr Leben lang Krüppel um ihre schlimmsten Feinde, die Kapitalisten, zu bereichern.
Rosa Luxemburg, 1904.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Deutschland, Italien und die Balkanstaaten, Russland und Polen, sie alle verdanken die Bedingungen oder den Anschluß zur kapitalistischen Entwicklung den Kriegen gleichviel auf dem Weg oder der Niederlage.
Rosa Luxemburg 1899.
Kein Paar der Welt hat so wie wir alle Voraussetzungen glücklich zu sein.
Rosa Luxemburg 1899.
Vorsicht, Auto!
Upd.: Sie sind lesend hierher gelangt? Donnerwetter.
Sie sind hierher gescrollt? Ich kann es nicht verdenken.