|GTaag|

30. April 2007

Tag Null

Abgelegt unter: Marokko — gtaag @ 09:14
Mit Afrika hat das hier bisher nicht übermäßig zu tun. Vom Flughafen bei Casablanca ging es in die Stadt eine frisch asphaltierte Straße hinein, mit weitestgehend wohl umfriedeten Grundstücken gesäumt, sehr häufig überwuchert mit kletternden Pflanzen, die dicht mit großen roten Blüten besetzt sind. Und die Häuser, recht jung gebaut und frisch gestrichen mit viel Weiß und viel ins Rot gehendem Ocker, Veranden und Helligkeit. Nichts da Dritte Welt, wie sie sich gerade an den Ausfallstraßen sonst gerne zeigt, mit Wellblechquartieren und kleinen Handwerkerbuden, gerne Autoschrauber, nichts da. Selbst weiter in der Stadt, die Hochhäuser gepflegt, auf den ersten Blick und als es ein bisschen krautiger zu werden schien, bogen wir ab, durch ein Diplomatenviertel und Richtung Meer und hielten und fanden uns in einer ganz normalen Filmproduktion, wie sie auch in Deutschland aufgeschlagen sein könnte, gute Räume mit spärlichem Mobiliar, alle irgendwie beschäftigt mit ihren Laptops auf improvisierten Tischen und mit den Pinnwänden, den Bildern der Schauspieler, den Listen der Wochenplanung.
Und dann wird man eben so begrüßt, als neues Gewerk, das dazu gestoßen ist und redet die Sätze, die man auch in Europa reden würde oder in Asien, man redet sie eben nun in Marokko, mit wildfremden Menschen und redet sofort nur Sätze, die eigentlich gar nicht gesagt werden müssen, aber indem man sie sagt signalisiert man, dass man bescheid weiß und es damit unkompliziert ist mit einem und über das Komplizierte und über die Schwierigkeiten, darüber reden wir mal jetzt überhaupt nicht, das kommt alles früh genug.

Ja nun fahrt erst mal in eure Wohnung, im Supermarkt nebenan könnt ihr gleich einkaufen, dort gibt es auch Alkohol und der Bankomat, nicht den ersten nehmen, der ist kaputt, um die Ecke ist noch einer, der zeigt alles auch in englisch.
Willkommen in Marokko. EC-Karte hinein und Geheimzahl eingetippt. Wollen sie eine Quittung, ja, aber die kam dann doch nicht. Dafür das Geld, wie frisch gedruckt.

Unser Appartement liegt wieder etwas zum Flughafen zurück, ein neu gebauter Komplex mit steil abschüssigen Tiefgaragenabfahrten und Bordsteinkanten, so hoch, dass es hier Oberschenkeltraining geben wird. Eine Seitengasse, sehr ruhig dadurch. Der Wachmann hielt uns die Tür auf und redete französisch. Mein Assistent redet diese Sprache. Er sagt, er verstünde nur die Hälfte, da sei ein so starker arabischer Akzent. So kommt es, dass ich, wenn ich aufmerksam bin, ganz gut verfolgen kann.

18. April 2007

Verliebt. Verlobt.

Abgelegt unter: so — gtaag @ 01:40
Na wie machen wir das denn nun mit unseren Nachnamen? Doppelname wäre schön, aber da den nur einer tragen darf, nicht beide, ist das irgendwie komisch, der eine also offiziell, der andere nur so, eigenartig das, im deutschen Recht.
T. soll meinen Namen nehmen oder ich T.s?, auch nicht vorstellbar. Doppelname wäre schon cool, aber wenn eben nur dann einer… Also waren wir zu keinem rechten Ergebnis gekommen und da wir nicht gerade Nachnamen tragen, die irgendwie anrüchig oder Massenware sind, verschoben wir die Entscheidung, wie man gerne Entscheidungen verschiebt, indem man eben einfach darüber nicht mehr redet, aber trotzdem weiß. Denn irgendwann wird es schon den Zeitpunkt geben, sich entscheiden zu müssen und dann entscheidet man sich eben.

Vom Wohngefühl leben wir in Berlin Mitte, mit Blick auf den Rosa-Luxemburg-Platz, aber das zuständige Finanzamt ist das von Friedrichshain – Prenzlauer Berg und aber die Postleitzahl ist Mitte, 10119. Die Post macht es besonders schwer, Pakete müssen in Prenzlauer Berg in den Alleearkaden abgeholt werden, aber Päckchen im Postamt an der Chausseestraße. Da kann man schon mal einige Kilometer radeln, um dann brav in der Schlange stehen zu dürfen, eine zeitlang besonders ärgerlich, wenn man eigentlich zu Hause gewesen war und die Paketausträger einfach zu faul waren, zu klingeln. Es hätte ja dann sein können, dass er ein paar Treppenstufen entgegenlaufen hätte müssen.
Die Bezirkstrennung geht nun bis in den eigenen Haushalt. Bei T. steht im Personalausweis als Meldestelle Berlin-Mitte und bei mir steht Berlin-Pankow. Na da haben wir ja nun alle Bezirke fast, fehlt nur noch Köpenick oder wie wäre es mit Zehlendorf?
Da wir uns als Berlin-Mitter fühlen, gingen wir zuerst einmal zum Standesamt an der alten Stadtmauer, Klosterstraße. Dort war dann so ein Beamter wie der, von dem ich meinem Saab gekauft hatte, ein Beamter, dem es wichtig war, nicht wie ein Beamter auszusehen, indem er einen kleinen Brillanten im Ohr zur Schau trug, so einer. Der klärte uns auf, indem er seinen Computer befragte und die Meldebescheinigungen abrief: Berlin-Pankow. Wir beide. Nicht etwa Prenzlauer Berg oder Friedrichshain, Mitte erst recht nicht, Pankow. Er überließ uns die Meldebescheinigungen, ohne dass wir etwas zu bezahlen hatten, guter Mann, darfst weiter deinen Brillanten im Ohrläppchen tragen, hast uns 30 Euro gespart.

In Pankow in der Breitestraße, das Rathaus mit dem Standesamt, wir fuhren anderntags hin, leider war geschlossen, der Internetauftritt fehlerhaft. 5 oder 6 Zimmer gab es, überall stand Standesamt dran und die Namen der Mitarbeiter, aber niemand war da. Die arbeiten also nur 3 Tage in der Woche. Die armen, bestimmt auch für weniger Geld.

Gestern nun hat es geklappt. Ich bin nun verlobt. 5 Paare waren vor uns und nun bin ich also auch ein Paar. Da es dauerte schauten wir die ausliegenden Broschüren durch und auf einmal wurde es uns bewusst, die Entscheidung über den Nachnamen musste jetzt getroffen werden. Hm. Ach wenn wir doch beide Doppelnamen tragen dürften. Was macht man, wenn man fast emotionsfrei ist, aber eben doch eben nur fast: Man macht TschingTschangTschong. Jedenfalls macht T. das ganz gerne und ich finde es auch an bestimmten Stellen sehr gerecht, Schere schneidet Papier, Stein fällt in Brunnen. Genaues weiß ich allerdings nicht, nur, dass ich im Vorteil war, ich gewinne immer, wenn ich nicht so genau Bescheid weiß: T. würde nun also einen Doppelnamen tragen. TschingTschangTschong.

Das Zimmer der Standesbeamtin lag auf der Schattenseite des Gebäudes und irgendwie war noch die Kühle des Winters im Raum, es nutzte nichts, dass das Fenster geöffnet war, um die ersten 25 Grad des Jahres hineinzulassen.
Die Standesbeamtin las brav alle Papiere vor und beim Namen sagten wir unsere Entscheidung, aber als auf einmal klar war, dass T. alle ihre Papiere umändern müsste, da siegte über alles TschingTschangTschong die augenblickliche Vernunft, nein, das machen wir jetzt mal nicht, jeder wird weiter seinen Namen behalten.
Ist das gut? Ist das schlecht?
Heiraten ist ja sowieso eine Operation am offenen Herzen, das Herz ist betäubt, deshalb merkt es nicht, was rundherum passiert. Dann wird unserer beider Herzen irgendwann aufwachen und so heißen wie zuvor, ein Glück, dann gibt es keinen Schock.

Von der Beamtin in ihrem muchtigen Zimmer bekamen wir eine Plastikkarte und wurden zur Kasse geschickt. Dort gab es zwar noch eine große Glasscheibe und dahinter war eine Beamtin, aber die hatte nichts mehr mit Kassieren zu tun, das tat ein Automat, dem man die Plastikkarte in den einen Schlitz schob und in den anderen die EC-Karte. Schöne neue Welt. 45 Euro. Verlobt!