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24. Juni 2007

Tag 60 – Der Strandläufer zu Casablanca

Abgelegt unter: Marokko — gtaag @ 00:14
Wenn vor einem Jahr nicht schon „LEBENSZEIT“ geschrieben worden wäre, ich hätte es haarklein bis aufs selbe Wort noch einmal schreiben können, so sehr ähneln sich Filmproduktionen, egal ob sie nun in Deutschland stattfinden oder ob es im Ausland ist. Wobei, so ganz stimmt das nicht, im Ausland ist es um Strecken angenehmer, nachts zu arbeiten und sich damit zwar auch Lebenszeit stehlen zu lassen, aber das nicht so sehr zu empfinden, als Verlust.
Tatsächlich habe ich hier 5 Tage nur 3 bis 4 Stunden, nachdem es um 7 oder 8 nach einem Morgenbier ins Bett gegangen war, geschlafen, was ausreichend ist. Dann ging es mit dem Taxi zum Strand, Petit Taxi, alle rot, alle mit einem Dachgepäckträgeraufbau und einer Nummer darauf, alles Kleinwagen der Marken Fiat Punto und Peugeot 3er, alle klapprig und stark gebraucht, alle Taxameter differierend, da schaut man schon, wenn man umgerechnet 20ct mehr zahlen muss, beim Durchschnitt dieser Strecke für 1,30€. (Wenn es eine schnelle Anpassung gibt in solchen Ländern, dann ist es das Empfinden für geringe Preise.) Also im Durchschnitt 13 Dhirams gezahlt, man lernt auch sehr schnell, möglichst immer Kleingeld in den Taschen zu haben, in solchen Taxis kann ein Hunderter schon eine Unmöglichkeit bedeuten, die Zweihunderterscheine, die aus dem Automaten kommen, die sind im normalen Leben ziemlich untauglich, angewendet zu werden.

Der Strand von Casablanca ist ein sehr schmaler, wenn Flut ist. Zum Glück ist den größten Teil des Tages Ebbe, dann hat es diesen 3 Kilometer langen Fußballplatz und ist eine Flaniermeile und Kinder machen ihre erste Bekanntschaft mit dem Salzwasser.
Vor 14 Tagen ist das Wasser dreckiger geworden, das stört aber nicht weiter. Einher ging es mit einer starken Erwärmung, jedenfalls ist der Zusammenhang offensichtlich. Wo die Wellen auslaufen ist der Schaum nicht mehr weiß, sondern schwefelgelb und wenn der Schaum zusammengefallen ist, hinterläßt er einen schmutzigen Rand. Verwundern tut das nicht, Casablanca hat den größten Hafen Nordafrikas, die Hafenbecken liegen 4 Kilometer entfernt, hinter der größeren Landzunge. Aber nur der zarte Mitteleuropäer versagt sich der Brandung, nur noch mit den Beinen geht er hinein, aber auch das hat ihm nicht geschadet, kein Ausschlag, keine Infektionen, aber er geht eben nicht mehr hinein, wenn sich dreckige Schaumkämme gebildet haben, so ist er eben.
Seit 14 Tagen auch sind in 50 Meter Abständen hochhackige Gestelle aufgebaut, Hochsitze. Daran baumelt ein Rettungsring und die Rettungsschwimmer haben gelbe T-Shirts an und rote Boxershorts. Die Mentalität hält sie aber nur selten auf diesen Hochsitzen, eher sieht man sie wild gestikulierend und hört sie ausdauernd mit der Trillerpfeife pfeifen. So schaffen sie es tatsächlich, die Badenden in Schach zu halten und in durchschnittlich bauchnabeltiefem Wasser, höchstens, denn dann ist ja noch die Brandung.
Ich fand das albern, so nah, ist das nicht wieder eine der typischen Bevormundungen, die man immer antrifft, wenn Menschen etwas kanalisieren und wenn sie Verantwortung auferlegt bekommen haben.
Die Ebbe scheint aber ihre Tücken zu haben, ich wurde Zeuge einer Rettungsaktion. Eigentlich sahen die 3 dunkelen Köpfe da im Gegenlicht ganz friedlich aus, aber die Aufmerksamkeit des Strandes war ganz ihrer und das musste auch erst begonnen haben, denn 2 kamen mit Rettungsringen gerannt, die sie ins Wasser warfen und sich hinterher. Mit den Rettungsringen kamen sie nicht weit voran, das war ein Trauerspiel, solche Dinger wirft man auch eher von einer Brücke oder von einem Dampfer hinunter. Die 3 Köpfe blieben die ganze Zeit über Wasser, wirklich nichts schlimmes, aber niemand spielte mehr Ball und ich ging weiter, ohne das Ende abzuwarten. Schlechte Schwimmer, diese Nordafrikaner, und 100 Meter weiter waren wieder die wild pfeifenden Rettungsschwimmer.

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