|GTaag|

31. Juli 2007

Diese Verletzlichkeit

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 20:02
Die Problematik wurde schon in einem weichgespülten Eurovisionskrimi verwurstet: Wenn man ein Gerät an der Hand hat, das die Elektronik von Fahrzeugen lahm legt, ist man in der heutigen Zeit vor Verfolgern sicher. Die können einfach nicht losfahren, während man selber im ollen VW-Bus von 1988 davon düst und allen eine Nase dreht.
Im Krimi gab es dann noch Szenen, in dem die besonders schöne Kriminelle nach jedem Gespräch das besonders neue Handy im Hafenbecken versenkte. Ich muss schon sagen, gutes Drehbuch, obercool.

Als ich in T. meinen Autoschlüssel mit in die Wäsche gab und bei 60Grad ordentlich reinigen ließ, machte ich mir keine Gedanken darüber, als dann die Fernbedienung nicht mehr ging, nun ja, da hat es also die Elektronik entschärft, vielleicht ein bisschen in die Sonne legen, ein  bisschen trocknen, wird schon wieder gehen. Und als wir dann eingeladen hatten und losfahren wollten – das ging, weil ich den Wagen hier nie abschließe – sagte das Saabinformationsdisplay, in Fachkreisen liebevoll SID genannt: Schlüssel nicht erkannt. Und nichts rührte sich. Es rührte sich wirklich nichts.

Ich muss gestehen für den Bruchteil einer Sekunde außer mir gewesen zu sein. Auf mich stürmte alles das ein, von dem ich aus überlebenstechnischen Gründen sonst keine Notiz nehme: Von dieser Verletzlichkeit der Welt, der Dinge, mit der man sich umgibt, der Fragilität dieser Selbstverständlichkeiten. Und ich dachte sogar, in einem Parallelgedanken, was wäre, wenn es keinen Computer mehr gäbe und keinen Strom und kein Internet. Keine Digitalfotografie.
Dann gewann sehr schnell Pragmatismus die Oberhand. Hier ist nichts mehr zu löten. Hier kann nichts überlistet werden.
Mit dem Auto vom Nachbarn fuhren wir nach Berlin. Der Wagen war geräumig und glitt so mit seiner Automatik dahin, hm, ja der Nachbar, der kann leben. Aber der ist genauso anfällig wie ich. Wenn ihm zwar auch seine Fernbedienung von der Werkstatt lahmgelegt worden war, an dieser Stelle ist er also auf der sicheren Seite, aber eben nur auf dieser.

16. Juli 2007

No Title

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 21:02
Die Standesbeamtin war so eine Frau Anfang 50 mit grobem Gesicht und vom Friseur gelegten langen blonden Haaren, eine Frau, die man sofort wieder vergisst. Ihre Stimme war von einem Tremolo getragen und nicht besonders laut, ihre Pausen waren wie auswendig gelernt. Als sie sagte, dass von nun an alles anders werde, von diesem Zeitpunkt an, dem Beginn ihrer Rede, hörte ich nicht mehr hin.

Vorher waren Formulare zu unterschreiben gewesen und die Ringe mussten abgegeben werden, die Trauzeugen auf Anwesenheit kontrolliert. Ein Verwaltungsakt. Vor allen das mit den Namen und die ausführliche Betonung darüber, das war sehr wichtig. Sie heißen also beide weiter so wie sie immer schon geheißen haben. Klang da ein gewisser Zweifel über die Ernsthaftigkeit des Unternehmens in der Stimme?

Dreimal in der ganzen Veranstaltung wurden wir korrigiert, weil der Mann, der muss links sein und die Frau, die muss rechts sein. Ich war dann ganz durcheinander, ist doch egal, warum darf ich nicht rechts sein, so wie es scheinbar und unbewusst bei T. und mir der Fall zu sein scheint, ich laufe rechts, sie links, dann ist also die Ehe nicht rechtsgültig, so wird es wohl sein. Rechtsgültig.

Plötzlich war die Rede zu Ende und wir mussten uns erheben und wir mussten ja sagen. Wir sagten ja. Dann gab es wieder etwas zu schreiben und T. dachte, das sei es nun gewesen und so küssten wir uns dann plötzlich und ohne Aufforderung, mein Gott, die Ringe mussten doch noch angezogen werden. Was alles gemacht werden muss, um endlich verheiratet zu sein. Danach gab es noch einen langen Kuss und wieder ohne Aufforderung.

Verheiratet. Mit 34 (T.) und 44 (GTaag). Das erste Mal. Am 13.7.07. Freitag halb 10.

5. Juli 2007

Tag 64

Abgelegt unter: Marokko — gtaag @ 00:25
Sie wollen wissen was am Tag 64 in Casablanca los gewesen war? Das kann ich Ihnen sagen:
Den Koffer gepackt. So dass er kein Übergepäck ergeben würde. Die Kisten mit der Technik gepackt, so dass auch ein unqualifizierter Zoll darin kramen könne und hinterher die Deckel wieder zubekäme. Bis in die Nacht gearbeitet und dann mit dem Taxi in Strandnähe in so eine Edeldisko gefahren, wo die Musik zu laut gewesen und die Luft zu schlecht, das Essen zu knapp, aber der Alkohol sehr reichlich. Den morokkinischen Teil des Teams gesehen, wie sie so unglaublich abhängig voneinander sind, was die nächsten Jobs anbetrifft, so gluckt man dann aufeinander und ist vertraut und hält trotzdem – rührend mit anzuschauen – einen gewissen Abstand zueinander. Etwas sentimental geworden, ein paar Foto-Cds verschenkt, der Produzentin gesagt, dass durchaus Interesse bestünde, im nächsten Jahr 130 Tage in Russland zuzubringen. Noch einmal in die Runde geschaut, die Treppe hinunter, über die 3-Spur-Straße, einen Weg in die Klippen und der Atlantik mit weißen Schaumkronen unter zunehmenden Mond. Eine Weile gesessen.
Ja, ich liebe das Meer.
Das war der 64. Tag.

Am Tag 4 in Berlin habe ich endlich die verbleibenden Rechnungen geschrieben. Es war ganz lukrativ, unter österreichischer Dominanz unterwegs gewesen zu sein. Als Belohnung ist eine Canon-Vollformat-SLR bestellt mit durchgängig zwei-achter Transfokator.

Sie wollen dann noch mehr wissen über Tag 1 und 2 und 3 in Berlin?