|GTaag|

30. Dezember 2007

Buenos Aires

Abgelegt unter: Argentinien — gtaag @ 10:13
Wenn man eine Großstadt schnell kennen lernen möchte, sollte man vom Flughafen einen normalen Linienbus in die Stadt nehmen.
In Buenos Aires war das ein echter Lumpensammler, er brauchte 2 Stunden bis ins Zentrum. Zuerst ging es durch endlose Vorstadtkolonien mit niedrigen Häusern und Straßenecken in denen statt Kneipen Kioske mit schäbigen Coca Cola Schildern waren, dann kamen Straßenzüge, in denen man getrennt Textilien, Turnschuhe, Haushaltswaren, Elektrogeräte, Autoreifen oder Gartenartikel kaufen konnte. Autos auch. Dann wieder endlose Straßenzüge mit Wohnhäusern und Hausnummern in den Tausendern. Irgendwann dann das Zentrum mit der breitesten Straße der Welt „9 de Julio“ – das sind genau genommen 4 Straßen nebeneinander – von denen unendlich und endlos die gleichen Straßenquadrate abgehen.
Wo wir auch ein kleines Hotel fanden und sich die Receptionistin, eine alte spanische Dame verhalten aber deutlich aufregte, als wir das vierte Mal sie um Besichtigung baten und wieder im ersten Zimmer ankamen, das wir dann nahmen.
In heißen Ländern gibt es erst ab einer höheren Kategorie Zimmer mit Fenster, wenn man nicht bereit ist, mehr als 120 Pesos pro Nacht (30 Euro) auszugeben, braucht man auch nicht so viele Zimmer besichtigen, da hatte die alte Dame durchaus Recht.

Buenos Aires ähnelt mit seinen Straßenzügen wie ein Korb voller Eier, mit dem Unterschied, dass die Eier gerade ausgerichtet sind. Manchmal gibt es braune Eier, manchmal helle Eier, das ist es dann aber auch schon. Kleine Läden, viele Supermercardos, ab und zu ein grüner Eingang, dort auch ein großes E für ESTACIONE, Lücken in den Häuserzeilen, die Parkplätze sind. Bewacht. Für Geld. 3 Pesos die Stunde. Es gibt keine vollen Parkplätze. An den Straßenrändern stehen die Autos und sonst scheinen sie nur zu fahren, jedenfalls sind die unzähligen „E“s ständig leer. Aber Dank dieser „E“s ist die Stadt einfach ein bisschen grüner, ihre Eingänge sind mit Gummiböumen und Ficus Benjamins großer Ausführung bewachsen. Ansonsten kann man die Stadtviertel kaum unterscheiden, nur in dem reicheren, in Palermo, bemerkt man es an der Hundescheisse, aber an Berlin kommt das nicht heran.

Die U-Bahnen sind nicht besonders tief unter der Erde und das Ticket steckt man wie in Frankreich in einen Schlitz und damit wird ein Drehkreuz freigegeben. Das scheint der einzige Sinn des Tickets zu sein, sie liegen nach den Sperren zu Hauf wie zu große Konfettis auf dem Boden. Kontrollen braucht man wohl nicht zu fürchten. (Update: Doch, beim Hinausgehen schiebt man das Ticket genauso durch einen Schlitz, der ein Drehkreuz freigibt. Dann werden sie ungültig und das wars dann.)
Die U-Bahn fährt im Linksverkehr, das macht es schwierig, in so einer fremden Stadt, die Richtung zu halten.

Ansonsten gibt es über Buenos Aires nichts weiter zu sagen. Die wenigen Parks laden nicht zum Sitzen ein, es ist heiß und staubig, die Nähe zum Meer ist nicht zu spüren. Die Müllbeseitigung ist oberflächlich und intakt, der Kaffee hervorragend und es gibt noch viele gestandene Kellner, denen die Handgriffe sitzen und die den Gast nicht als Last sondern als Aufgabe verstehen. Natürlich mit einer gewissen arroganten Haltung, die Volkssport ist.
Tango, natürlich. Aber wenn man kein Tangotänzer ist?

29. Dezember 2007

Großraumflugzeuge

Abgelegt unter: Allgemein, Argentinien — gtaag @ 18:01
Es wird Zeit, dass man in diese großen Vögel auch größere Fenster einbaut. Von außen mutet die lange Reihe Fensterchen an wie eine Schnur mit aufgereihten Perlen und unproportioniert, lächerlich, vor allem wenn man schon eine halbe Stunde gewartet hat, überhaupt in den Bauch hineinzugelangen, davon eine Zeit vor der Bordkartenkontrolle und noch eine Zeit im Rüsselgang zum Flugzeug hin und eine dritte Zeit, ehe jeder Einzelne so seinen Sitzplatz gefunden hat und das Handgepäck verstaut ist. Letzteres dauert besonders lange, weil es nur ein oben drüber im Gepäckfach gibt, aber der eigene einem doch wohl zustehende Platz immer schon von einem anderen belegt ist.

Ich sitze dann an einem Bullauge und es ist gerade so ausreichend, hinauszuschauen. Wenn man nah genug herangeht, öffnet sich der Winkel, aber nur dann, sonst ist es nur eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit zum Schauen, die man wahrnehmen kann, nicht muss, die einem nicht aufgezwungen wird. Nein, von innen möchte man keine größeren Fenster haben, vielleicht würde man den Halt verlieren und hinausfallen. So etwas.

Mein Fenster gibt beim Flug ein Geräusch von sich, es vibriert und es ist so, als kämen 2 Platten sehr fein und dicht aneinander zum Klirren, ja es klirrt, aber es ist nicht Glas, es ist Plastik, so ist es eher ein gleich bleibendes hohes Knarren.
Wenn ich Gegendrücke ist die erste Schicht Fenster tatsächlich nicht Glas, sondern Plastik und das Geräusch lässt sich beeinflussen. Ich setze die gelieferten Kopfhörer auf, sie klirren auch, nein, es ist keine Täuschung, sie klirren, auf einem Kanal werden Arien geboten und die rein gehaltenen Töne klirren. Warum hat der Sänger sich so angestrengt, es klirrt!

Ich trinke sehr viel Bier und denke darüber nach, dass fliegen über so weite Strecken sehr unmenschlich ist, dass ich die Nähe so vieler Menschen nicht mag. Sie wanken zerknittert zur Toilette. Ich beobachte vor allem die Frauen, irgendwie kommt es mir bekannt vor, nach gewissen Nächten, wo die Partnerin sich nicht vor dem Morgengrauen still verabschiedet hat, man plötzlich einem fremden Menschen nahe ist. Ja stimmt, man ist sich schon einmal begegnet, aber gibt es  einen Grund, warum der andere sich auf einmal fahl und ungekämmt und mit Gähnen und mit Kratzen unter den Achselhöhlen zeigt? Wer dieses Erlebnis noch nicht hatte, der buche einen Transatlantikflug. Es wird ihm dann dutzendfach geboten.

Irgendwann ist dann Argentinien. Guten Tag.

28. Dezember 2007

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 02:54
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Für alle Leser die besten Wünsche für 2008. Und: Keep It Simple!

Hier ist eine Pause bis Anfang Februar.
GTaag.

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19. Dezember 2007

BND/3

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 00:56
Die Stadtelster hat es dann doch vorgezogen, ihren Baum und die Dachrinne zu verlassen. Nach einigem erfolglosen Bemühen, die Stimmen der Bagger und Bohrmaschinen nachzuahmen, hatte sie auf einer der Kameras sich gesetzt und mit dem Kopf vornüber ins Objektiv geschaut. Mit dem Schnabel hatte sie gegengepickt, es blinkerte so, das Glas, aber nichts rührte sich. Nur so ein beleibter Wachmann war wie aus dem Nichts auf einmal aufgetaucht und hatte wild mit den Armen gestikuliert. Das sah irgendwie gefährlich aus. Seit wann haben Menschen jetzt so viele Arme, Mutanten in der Stadt?
Ohne sich zu verabschieden flog die Stadtelster Richtung Friedrichsstraße. Vielleicht kommt sie später noch einmal vorbei. Vielleicht ist es  Es ist eine sentimentale Stadtelster.

14. Dezember 2007

Großstadt

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 23:31
Es werden wieder am Alexanderplatz dicke Strahlen Richtung Universum geschickt. Meistens 1 Strahl, manchmal 2 Strahlen. Weiß und scharf sehen die Strahlen aus und mächtig auch.

Das gehört zu einer Großstadt wie Stopp und Goe der Autos und die Gasheizer vor den Kneipen, auf dem Bürgersteig.

Neinnein, ich will das nicht weghaben. Dafür schalte ich ja auch immer mal das Licht 5 Minuten länger aus. Eine Großstadt ist schon — eigendynamisch.

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13. Dezember 2007

Kein Schweiß auf Holz

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 22:35
Die Sauna war heiß und trocken. „Kein Schweiß auf Holz“ stand auf einem Schild, diese Schilder sind Pflichtprogramm in jeder deutschen Sauna. Ich machte einen Aufguß und konnte mich darum nicht an dieses Schild halten, weshalb ich ein schlechtes Gewissen hatte, wirklich.
Die Sauna ist in einem Ramadahotel in der Chausseestraße, an der Reception zahlt man 10 Euro und bekommt dann eine Magnetkarte für die Eingangstür. Die Sauna ist klein und fein, wenn man alleine ist. Schon mit nur 2 anderen Gästen ist sie zu klein, es fehlt dieser gewisse Auslauf, der dann auch Enge ertragen läßt.
Im einzigen großen Raum mit den Ruheliegen stehen auch 3 Fitnessfahrräder. Heute waren da 2 Herren, die strampelten 30 Minuten und beide lasen dabei, der eine hatte einen Aktendeckel in der Hand, der andere einen Spiegel. Sie strampelten ziemlich verdrossen und der eine begann nach 10 Minuten so sehr zu schnaufen, ein Schnaufen, das man eigentlich nicht hören will. Ich schaute die beiden immer mal an und lächelte hinüber, schließlich waren die Räder nicht besonders leise und hätten jedes auch ein paar Tropfen Öl nötig gehabt und dann gab es auch von allerhand elektronischen Gerätschaften ein regelmäßiges Piepen. Das müsse ihnen nicht peinlich sein, sie können ja nichts dafür und das wollte ich ihnen zeigen. Aber die beiden strampelten da so vor sich hin, der eine keuchend, der andere ganz cool, und ihr Lesen dabei wirkte so sehr künstlich, dass ich immer mehr in Empörung geriet, was das hier in der Sauna für eine Sauerei ist, solchen Fitnessmüll aufzubauen. Und was es nur für Idioten auf der Welt gibt, die sich in einem Saunaruheraum auch nicht entblöden, die Dinger zu benutzen.
Nach dem zweiten Saunagang war ich endlich soweit, die beiden anzusprechen um ihnen zu sagen, wie sehr sie mir auf die Nerven gingen, aber dass sie natürlich nichts dafür könnten, aber so sehr gingen sie mir auf die Nerven.
Als hätten sie es geahnt, gerade als ich aus der Saunatür kam, verließ der eine schnellen Schrittes den Raum. Er war fertig. Und der andere, der Keucher, der mit dem Aktendeckel, kurze Zeit später auch. Er stand noch eine Weile an seinem Gefährt und sah ziemlich mitgenommen aus. Endlich beruhigte sich sein Atem wieder. Und auch er ging, mich keines Blickes zu würdigen, stracks an mir vorbei zum Ausgang. Ist es so schlimm, nur so auf einer Liege zu liegen? Machs doch auch, mein Alter, vielleicht ist es sogar besser, für die Gesundheit.
Endlich Ruhe. Kein Schweiß auf Holz. Natürlich nicht.

11. Dezember 2007

Zeit für einen Vodka

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 02:34
T. war den ganzen Tag in tiefen Wolken: Ein Nebel mit einem leichten Wind aus Südosten, Sichtweite 50 Meter. Es tropfte von den Bäumen und die Pferde auf der Koppel sahen aus wie Wesen in einer schwebenden Welt zwischen hier und irgendwo auf dem Weg den man beschreitet, wenn man das Hier verlässt. Ich war bereit, schon mittags einen tiefgefrorenen Vodka zu trinken, vergaß es aber und lief über die Felder, wobei mir die Furchen die Richtung gaben, so wenig war Sicht durch den Nebel.
Am See hat man Weiden gefällt, nicht etwa nur gestutzt und kupiert, richtig weggesäbelt. So hat sich das Bild verändert, dort wo der Pfad zum Steg hinunterführt sind die beiden Weiden verschwunden. Ich fühlte mich betrogen und enttäuscht, die beiden Weiden waren immer gute Orientierung, ich dachte, nun werde ich hier nicht mehr hergehen, weil man mir die Weiden gestohlen hat, die Weiden waren ein wichtiges Bild.

Der See liegt wie eine Stahlplatte.

In T. hat ein Haus seinen Besitzer gewechselt und nun sind neue Fenster drin und das Dach ist auch neu gedeckt. Für den Dachboden haben die neuen Besitzer alte Dielen gekauft, was natürlich edel und teuer gewesen ist. Verlegt haben Polen. Nicht besonders fachmännisch, eine Kante ziert immer wieder, sie wussten wohl nicht, dass man besser gegenläufig und nicht auf Stoss verlegt. Die Fenster kamen auch Polen, leider hatten die Sprossen keine einheitliche Höhe und so hat es lange gedauert, bis alle Fenster in richtiger Optik beieinander waren. Nun wird aber nicht auf die Polen geschimpft, man ist eben selbst dran Schuld, man wollte es eben preiswerter haben. Es ist sonst ja alles so schon teuer genug. Aber irgend etwas bleibt unausgesprochen und ich sage: Sie haben ein wirklich schönes Grundstück hier gekauft.

Ein anderes Haus liegt wieder verwaist. Es hat viel versprechend angefangen mit einer jungen Familie, die sogar aus der Region und nicht aus Berlin stammte. Im Sommer wohnten sie in 2 Zelten und da das Haus unter Denkmalschutz steht, wurden die Fensterläden neu gestrichen, und rein äußerlich hat sich am Haus nichts geändert, sicherlich lag es auch am Geld. Denn dann waren sie auf einmal weg: Der Mann wurde beim Kupferklau erwischt und die Familie wohnt nun in der nächsten Stadt in einem der ddr-Neubauten, die die LPG damals bauen ließ für ihre Arbeiter. Da der Mann nicht das erste Mal erwischt wurde, sitzt er in Untersuchungshaft.

Zum Haus von Gustav Grams wäre ich am Freitag beinahe vorgedrungen, weil sich im Sturm eine Tür losgerissen zu haben schien, es schepperte und dröhnte mit unglaublicher Gewalt. Ich hatte meine Taschenlampe genommen, aber das Gartentor ließ sich nicht öffnen. Da ich noch niemals dort auf dem Grundstück war, nur einmal im Hof, gab ich schnell auf. Ich heizte erst einmal und befüllte den Kühlschrank und in diesen 20 Minuten hatte auf einmal der sagenhafte Sturm aufgehört und es war 3 Grad kälter geworden. Irgendwelche elementaren Dinge geschehen hier. Gustav ist schon ein paar Jahre tot und Inge, seine Frau, auch. Die beiden Kinder, erwachsene Leute, können sich über das Erbe nicht einigen. Vielleicht haben Inge und Gustav darüber gezürnt und den Sturm geschickt.

T. liegt ruhig im Nebel. Der Bungalow am Sportplatz trieft in der Nässe. Dort trifft man sich zum Frühschoppen am Sonntag und geht am frühen Nachmittag betrunken nach Hause. Was dort geredet wird, ich weiß es nicht, sicherlich über den Reichtum der anderen. Vielleicht über meine Scheune, die nun fast ganz eingestürzt ist, nur eine Seite hält sich noch, gestützt vom Nussbaum, natürlich, vom Nussbaum, sonst wäre das Ding doch schon längst eingestürzt.
Ich komme zu Hause an und feuer den Ofen nach. Unbedingt ist es nun Zeit für einen Vodka, die Straßenbeleuchtung geht gleich an. Ich vergesse den Vodka wieder. Im Haus ist so eine Stille, die tief ist, nur der Ofen knackt unter der Hitze. Um 5 gehen einige Autos, die Pferde sind schon von der Koppel. Das Telefon ist wieder stumm, die Telekom schafft es nicht., Eplus hat am Giebel Empfang, unten ist der Pole stärker und loggt sich automatisch ein. Zeit für einen Vodka, wirklich.
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10. Dezember 2007

Mein Co2-Fußprint

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 21:50
Am Sonnabend, den 8.12.2007 waren die privaten Haushalte aufgerufen, für 5 Minuten die Beleuchtung auszuschalten. Der Kölner Dom wurde nicht beleuchtet und auch nicht das Brandenburger Tor. Ziel und Zweck war es, die Umwelt ins Bewusstsein zu rücken und Einsparpotential aufzuzeigen. Experten warnten sofort, es könne zu einem Einbruch kommen, wenn dann alle auf einmal 5 Minuten nach 8 ihre Beleuchtung wieder anschalten würden. Dazu kam es nicht, im Gegenteil, die Aktion sei ein voller Erfolg gewesen, über 1000 kW seien eingespart worden.

In T. war lange Zeit das Licht vorne draußen am Haus kaputt. Zuerst hatte ich eine Energiesparlampe mit Dämmerungsschalter eingeschraubt, die aber bald den Geist aufgegeben hatte, weil die Lampe nur einen porösen Dichtungsring hat und manchmal das Wetter direkt auf die Hauswand geht. Dieser Dämmerungsschalter war meine Antwort auf die Zeit, als hier in der Uckermark gegen 23 Uhr die Straßenbeleuchtung abgeschaltet wurde. Es hatte etwas romantisches, aber die wenig umweltbewußte Bevölkerung dieses Landstriches protestierte und bemäntelte diesen Protest mit einem Sicherheitsbedürfnis: Wie soll man denn bei stockfinsterer Dunkelheit von der Bushaltestelle nach Hause kommen? . Verlogen, denn seit wann fahren abends noch Busse in der Uckermark und seit wann ist man überhaupt noch nach Anbruch der Nacht in der Uckermark unterwegs. Nein niemand, außer vielleicht eben kriminelle Elemente. Aber dann ließ man eben doch die Straßenbeleuchtung über die ganze Nacht brennen, so arm könne man doch hier in Deutschland nicht sein, sagten die Abgeordneten des Landes Brandenburg. Und so ersetzte ich die Dämmerungsschalterenergiesparlampe gegen eine normale Energiesparlampe, die ich nur anschalte, wenn ich da bin.
Ich habe gerne am Haus Licht. Ich würde mir sogar so ein Lichterband um Giebel und Dachrinne legen und mein rundes Fenster bekäme extra ein Band, in einer anderen Farbe. Vielleicht blau. War ich in den 90igern zu lange in Disneyworld?
Die zweite Energiesparlampe ging wieder kaputt und ich hatte nun die Nase voll: Nun habe ich so viel Geld ausgegeben, um Energie zu sparen, jetzt reicht es da mit der Beleuchtung. Dann gibt es eben kein Licht, basta.

Aber pünktlich gestern zum 5-Minuten-Energiespargedenktag spendierte ich eine Birne, äh Energiesparlampe. Ich habe ja nun ein Dutzend bekommen von der neuen Kampagne des Herrn Faltin, der schon hinter der Teekampagne steht und hinter noch einigen anderen Kampagnen, wie z.B. der Ölkampagne. Nun steht er hinter der Co2-Kampagne und ich unterstütze ihn natürlich, obwohl ich genau genommen natürlich nicht ihn unterstütze, sondern die Umwelt und meinen Co2-Fußabdruck klein halte, das habe ich gerne, genauso freue ich mich ja auch, wenn mein Dieselsaab nur 5,4 Liter auf 100 Kilometer braucht, wie es der Fall ist, wenn ich von Berlin nach T. fahre, mit dem Tempomaten auf 120.
Nun leuchtet wieder die Lampe am Haus zur Staße. Das war notwenig, weil sich die Straßenlaterne gegenüber regelmäßig um 23 abschaltet. Das ist neu und mir gefällt es, das Dorf ist nicht ganz dunkel, aber bei mir schon. Nur mein Häuschen hat Licht, hinten und vorne, innen oben wie unten. Ich fühle mich so wohl, wenn ich das sehe, wenn ich in den Garten pinkeln gehe oder neue Scheite für den Ofen hineinhole.
Nein, ich gebe auch niemandem Bescheid, dass das Straßenlicht nicht mehr zuverlässig ist. Ich halte meinen Co2-Fußprint klein. Und wenn ich mal in Polen billig einkaufen gehe… vielleicht begegnet mir da solches Lichterband. Entschuldigung, liebe Co2-Kampagne. Schwächen sind menschlich, oder? Verziehen? Bitte. Ich habe auch mein Chili con Carne ganz ohne Strom gekocht. Aufm Ofen, der sowieso glühte. Also.

Der IG64-06 und der IS 01-16 und auch der IJ84-84

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 20:57
Der erste Trabant der Familie war weiß und hatte ein rotes Dach. IG 64-06 hieß das Nummernschild und das I stand für Berlin und das G für Autos, die 1968 zugelassen wurden. Einige Jahre konnte ich noch die Zulassung der Autos bestimmen, später dann verwischte es sich, mein erster eigener Trabant hieß IJ 84-84 und war aus dem Jahre 1980 wo schon manchmal 3 Buchstaben am Anfang der Nummernschilder standen, weil 2 Buchstaben bei den Neuzulassungen nicht mehr ausreichten und IJ hätte in den 60igern oder 70igern gewesen sein müssen, da war das Baujahr also nicht mehr auszumachen.
Als der erste Trabant zur Familie kam, wurde er erst einmal auseinander genommen und die Ecken und Kanten wurden mit so einer öligen Masse bestrichen, zwar wurde das vorher maschinell gemacht und hieß Hohlraumkonservierung, aber man traute dem Verfahren nicht und besserte nach in jede Ritze und jeden Winkel. Der Chrom der Dachzierleisten wurde mit Elsterglanz poliert, das war meine Aufgabe, während die komplizierteren Aufgaben, wie Vergaser auseinandernehmen und reinigen und Zündung einstellen sowie Bremsklötze wechseln mein Vater vornahm. Im Innenraum wurde vorne dicker Fils geklebt, das machte das Gefährt etwas leiser, trotzdem war an ein Radio nicht zu denken, ein Radio war zum einen teurer Luxus und zum anderen hielt man es für Unfug, weil ein Radio gar nicht den Motor übertönen hätte können. Wer ein Radio in seinem Trabanten hatte war ein Angeber.
Ich war sehr stolz auf dieses Auto und konnte schon sehr bald in meiner Phantasie selber fahren. Später machte ich den Führerschein in der minimalsten Zeit von 12 Stunden. Ich bin der geborene Autofahrer.

Der IG 64-06 wurde irgendwann von einem IS 01-16 abgelöst. Das war ein ganz neuer Trabant in hellem blau, dem Blau eines dunstigen Spätsommertages. Der IS klang eine kurze Zeit auch nicht so wie alle anderen Trabanten, zuerst war da irgendwie Ordnung, weil alles ineinander griff wie es ineinander greifen sollte. Aber schon nach kurzer Zeit klang auch dieser Trabant nicht mehr ungewöhnlich und die Hoffnung, es hätte eine Fortschritt gegeben, war nur von kurzer Zeit, es klapperte wieder in allen Ecken und auch der Motor hatte dieses gewisse Surren verloren, es war schnell ein Trabant wie jeder andere geworden, dem man zum Tanken den Motorraum öffnete und wo man auch sonst schnell hineingreifen und richten konnte, notfalls nahm man eben den Vergaser auseinander, wenn man wieder Dreck getankt hatte und die Schwimmernadel klemmte oder stellte an einer Schraube das Standgas nach, es war alles sehr einfach und jeder war irgendwie ein Automechaniker.

Anfang der achtziger Jahre folgte dann in Familienbesitz ein Wartburg. Der wurde genauso auseinandergenommen und hohlraumkonserviert, nur Filz wurde nicht mehr geklebt, das hatte dieses Auto nicht nötig. Ein Radio gab es und jeder hatte eine eigene Tür, sehr komfortabel. So sehr hatte ich mich aber doch nicht mit dem Wartburg angefreundet, weil ich in der Pubertät war und alles, was von den Eltern kam und bei den Eltern war automatisch mit Opposition belegt wurde.

1990 kaufte ich meinen ersten Golf, weil ich es nicht besser wusste. Der hielt nicht lange und ich fuhr erst einmal ein Jahr lang Fahrrad oder Taxi oder ließ mich abholen. Das war eine schöne Zeit.

Apropos Hohlraumkonservierung: Die SED hielt für ihre Mitglieder jeden Montag ein Parteilehrjahr ab. Da mussten die armen Schweine immer hin und sich ihre Direktiven abholen sowie über Marx und Engels und Lenin sich belehren lassen. Im Volksmund hieß diese Veranstaltung, das Parteilehrjahr: Hohlraumkonservierung.

9. Dezember 2007

Gerüche

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 20:47
Den Herd mit Speckschwarten abreiben. Das gab immer so einen schönen Glanz. Und dort, wo die Herdplatten waren und direkt darunter das Feuer, das Fett verbrannte und das Eisen verfärbte sich bläulich. Der Geruch war ekelhaft und verband sich fortan mit Reinheit. Vielleicht ist mir der Geruch von Tierverbrennungsanlagen deshalb so ambivalent.

BND/2

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 20:43
Der Stadtelster hat man den Baum gelassen, aber sie ist doch beunruhigt, wenn es dunkel wird geht die Flutlichtanlage an und legt das Gebiet in ein weißes Licht, man könnte fast meinen, Schnee läge, alles ist fremd und unwirklich. Die Stadtelster ist ein paar Mal so auch zu einer Tageszeit geflogen, in der sie eigentlich nicht mehr unterwegs ist. Doch es hat ihr nicht gefallen und sie ist zu dem Baum zurückgekehrt, neben den Bauarbeitercontainern, wo es etwas ruhiger ist. Ja, als hier noch in der Mitte Berlins Golf gespielt wurde, die Elster seuftst. Sogar ein Geschäft gibt es noch in der Habersaathstraße, der Golfschläger und teure dunkele Kleidung verkauft. Wie lange der sich wohl da noch halten wird.

Es ging ja eigentlich ganz harmlos los. Ein viertel Jahr waren drei Planierraupen beschäftigt, das Areal tiefer zu buddeln und eine Versorgungsstraße wurde angelegt. Das die Planierraupen langsam tiefer und tiefer gingen, war gar nicht zu sehen von oben, erst jetzt, wo die ersten Mauern gegossen werden erkennt man die Dimension und die Tiefe, natürlich will ein Nachrichtendienst es auch in der Tiefe haben, natürlich.
Die Elster fliegt zu der Dachrinne des Hauses, das sein Dach verjüngt hat. Hier gefällt es ihr, die neue Dachrinne, fast besser als der alte Baum, dem man Gnadenfrist gegeben hat. Hier kann sie es auch ein bisschen dunkel haben und der Wind pfeift über sie hinweg.

Über diese ganze Aufregung der letzten Wochen hat sie ganz das Dieben vergessen. Wenn nur dieses weiße Licht nicht wäre. Menschen brauchen so etwas scheinbar, um ihrer Wichtigkeit Nachdruck zu geben. Der Elster ist das suspekt. Als Stadtelster ist sie einiges gewöhnt und wertet es deshalb nicht. Sie wird sich dieses Treiben noch eine Weile ansehen. Später wird sie sich bestimmt anfreunden und ihren Nutzen ziehen. Elstern sind so, Stadtelstern besonders.

Uckermark, weiterhin aufgelassen.

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 19:41
Und es gab einen Fortschritt.
Es entwickelt sich.
Doch.

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Hedwigshof am 9.12.2007, Ortsausgang Richtung Wallmow.
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