|GTaag|

9. Dezember 2007

BND/2

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 20:43
Der Stadtelster hat man den Baum gelassen, aber sie ist doch beunruhigt, wenn es dunkel wird geht die Flutlichtanlage an und legt das Gebiet in ein weißes Licht, man könnte fast meinen, Schnee läge, alles ist fremd und unwirklich. Die Stadtelster ist ein paar Mal so auch zu einer Tageszeit geflogen, in der sie eigentlich nicht mehr unterwegs ist. Doch es hat ihr nicht gefallen und sie ist zu dem Baum zurückgekehrt, neben den Bauarbeitercontainern, wo es etwas ruhiger ist. Ja, als hier noch in der Mitte Berlins Golf gespielt wurde, die Elster seuftst. Sogar ein Geschäft gibt es noch in der Habersaathstraße, der Golfschläger und teure dunkele Kleidung verkauft. Wie lange der sich wohl da noch halten wird.

Es ging ja eigentlich ganz harmlos los. Ein viertel Jahr waren drei Planierraupen beschäftigt, das Areal tiefer zu buddeln und eine Versorgungsstraße wurde angelegt. Das die Planierraupen langsam tiefer und tiefer gingen, war gar nicht zu sehen von oben, erst jetzt, wo die ersten Mauern gegossen werden erkennt man die Dimension und die Tiefe, natürlich will ein Nachrichtendienst es auch in der Tiefe haben, natürlich.
Die Elster fliegt zu der Dachrinne des Hauses, das sein Dach verjüngt hat. Hier gefällt es ihr, die neue Dachrinne, fast besser als der alte Baum, dem man Gnadenfrist gegeben hat. Hier kann sie es auch ein bisschen dunkel haben und der Wind pfeift über sie hinweg.

Über diese ganze Aufregung der letzten Wochen hat sie ganz das Dieben vergessen. Wenn nur dieses weiße Licht nicht wäre. Menschen brauchen so etwas scheinbar, um ihrer Wichtigkeit Nachdruck zu geben. Der Elster ist das suspekt. Als Stadtelster ist sie einiges gewöhnt und wertet es deshalb nicht. Sie wird sich dieses Treiben noch eine Weile ansehen. Später wird sie sich bestimmt anfreunden und ihren Nutzen ziehen. Elstern sind so, Stadtelstern besonders.

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