Der IG64-06 und der IS 01-16 und auch der IJ84-84
Der erste Trabant der Familie war weiß und hatte ein rotes Dach. IG 64-06 hieß das Nummernschild und das I stand für Berlin und das G für Autos, die 1968 zugelassen wurden. Einige Jahre konnte ich noch die Zulassung der Autos bestimmen, später dann verwischte es sich, mein erster eigener Trabant hieß IJ 84-84 und war aus dem Jahre 1980 wo schon manchmal 3 Buchstaben am Anfang der Nummernschilder standen, weil 2 Buchstaben bei den Neuzulassungen nicht mehr ausreichten und IJ hätte in den 60igern oder 70igern gewesen sein müssen, da war das Baujahr also nicht mehr auszumachen.
Als der erste Trabant zur Familie kam, wurde er erst einmal auseinander genommen und die Ecken und Kanten wurden mit so einer öligen Masse bestrichen, zwar wurde das vorher maschinell gemacht und hieß Hohlraumkonservierung, aber man traute dem Verfahren nicht und besserte nach in jede Ritze und jeden Winkel. Der Chrom der Dachzierleisten wurde mit Elsterglanz poliert, das war meine Aufgabe, während die komplizierteren Aufgaben, wie Vergaser auseinandernehmen und reinigen und Zündung einstellen sowie Bremsklötze wechseln mein Vater vornahm. Im Innenraum wurde vorne dicker Fils geklebt, das machte das Gefährt etwas leiser, trotzdem war an ein Radio nicht zu denken, ein Radio war zum einen teurer Luxus und zum anderen hielt man es für Unfug, weil ein Radio gar nicht den Motor übertönen hätte können. Wer ein Radio in seinem Trabanten hatte war ein Angeber.
Ich war sehr stolz auf dieses Auto und konnte schon sehr bald in meiner Phantasie selber fahren. Später machte ich den Führerschein in der minimalsten Zeit von 12 Stunden. Ich bin der geborene Autofahrer.
Der IG 64-06 wurde irgendwann von einem IS 01-16 abgelöst. Das war ein ganz neuer Trabant in hellem blau, dem Blau eines dunstigen Spätsommertages. Der IS klang eine kurze Zeit auch nicht so wie alle anderen Trabanten, zuerst war da irgendwie Ordnung, weil alles ineinander griff wie es ineinander greifen sollte. Aber schon nach kurzer Zeit klang auch dieser Trabant nicht mehr ungewöhnlich und die Hoffnung, es hätte eine Fortschritt gegeben, war nur von kurzer Zeit, es klapperte wieder in allen Ecken und auch der Motor hatte dieses gewisse Surren verloren, es war schnell ein Trabant wie jeder andere geworden, dem man zum Tanken den Motorraum öffnete und wo man auch sonst schnell hineingreifen und richten konnte, notfalls nahm man eben den Vergaser auseinander, wenn man wieder Dreck getankt hatte und die Schwimmernadel klemmte oder stellte an einer Schraube das Standgas nach, es war alles sehr einfach und jeder war irgendwie ein Automechaniker.
Anfang der achtziger Jahre folgte dann in Familienbesitz ein Wartburg. Der wurde genauso auseinandergenommen und hohlraumkonserviert, nur Filz wurde nicht mehr geklebt, das hatte dieses Auto nicht nötig. Ein Radio gab es und jeder hatte eine eigene Tür, sehr komfortabel. So sehr hatte ich mich aber doch nicht mit dem Wartburg angefreundet, weil ich in der Pubertät war und alles, was von den Eltern kam und bei den Eltern war automatisch mit Opposition belegt wurde.
1990 kaufte ich meinen ersten Golf, weil ich es nicht besser wusste. Der hielt nicht lange und ich fuhr erst einmal ein Jahr lang Fahrrad oder Taxi oder ließ mich abholen. Das war eine schöne Zeit.
Apropos Hohlraumkonservierung: Die SED hielt für ihre Mitglieder jeden Montag ein Parteilehrjahr ab. Da mussten die armen Schweine immer hin und sich ihre Direktiven abholen sowie über Marx und Engels und Lenin sich belehren lassen. Im Volksmund hieß diese Veranstaltung, das Parteilehrjahr: Hohlraumkonservierung.
Als der erste Trabant zur Familie kam, wurde er erst einmal auseinander genommen und die Ecken und Kanten wurden mit so einer öligen Masse bestrichen, zwar wurde das vorher maschinell gemacht und hieß Hohlraumkonservierung, aber man traute dem Verfahren nicht und besserte nach in jede Ritze und jeden Winkel. Der Chrom der Dachzierleisten wurde mit Elsterglanz poliert, das war meine Aufgabe, während die komplizierteren Aufgaben, wie Vergaser auseinandernehmen und reinigen und Zündung einstellen sowie Bremsklötze wechseln mein Vater vornahm. Im Innenraum wurde vorne dicker Fils geklebt, das machte das Gefährt etwas leiser, trotzdem war an ein Radio nicht zu denken, ein Radio war zum einen teurer Luxus und zum anderen hielt man es für Unfug, weil ein Radio gar nicht den Motor übertönen hätte können. Wer ein Radio in seinem Trabanten hatte war ein Angeber.
Ich war sehr stolz auf dieses Auto und konnte schon sehr bald in meiner Phantasie selber fahren. Später machte ich den Führerschein in der minimalsten Zeit von 12 Stunden. Ich bin der geborene Autofahrer.
Der IG 64-06 wurde irgendwann von einem IS 01-16 abgelöst. Das war ein ganz neuer Trabant in hellem blau, dem Blau eines dunstigen Spätsommertages. Der IS klang eine kurze Zeit auch nicht so wie alle anderen Trabanten, zuerst war da irgendwie Ordnung, weil alles ineinander griff wie es ineinander greifen sollte. Aber schon nach kurzer Zeit klang auch dieser Trabant nicht mehr ungewöhnlich und die Hoffnung, es hätte eine Fortschritt gegeben, war nur von kurzer Zeit, es klapperte wieder in allen Ecken und auch der Motor hatte dieses gewisse Surren verloren, es war schnell ein Trabant wie jeder andere geworden, dem man zum Tanken den Motorraum öffnete und wo man auch sonst schnell hineingreifen und richten konnte, notfalls nahm man eben den Vergaser auseinander, wenn man wieder Dreck getankt hatte und die Schwimmernadel klemmte oder stellte an einer Schraube das Standgas nach, es war alles sehr einfach und jeder war irgendwie ein Automechaniker.
Anfang der achtziger Jahre folgte dann in Familienbesitz ein Wartburg. Der wurde genauso auseinandergenommen und hohlraumkonserviert, nur Filz wurde nicht mehr geklebt, das hatte dieses Auto nicht nötig. Ein Radio gab es und jeder hatte eine eigene Tür, sehr komfortabel. So sehr hatte ich mich aber doch nicht mit dem Wartburg angefreundet, weil ich in der Pubertät war und alles, was von den Eltern kam und bei den Eltern war automatisch mit Opposition belegt wurde.
1990 kaufte ich meinen ersten Golf, weil ich es nicht besser wusste. Der hielt nicht lange und ich fuhr erst einmal ein Jahr lang Fahrrad oder Taxi oder ließ mich abholen. Das war eine schöne Zeit.
Apropos Hohlraumkonservierung: Die SED hielt für ihre Mitglieder jeden Montag ein Parteilehrjahr ab. Da mussten die armen Schweine immer hin und sich ihre Direktiven abholen sowie über Marx und Engels und Lenin sich belehren lassen. Im Volksmund hieß diese Veranstaltung, das Parteilehrjahr: Hohlraumkonservierung.