Zeit für einen Vodka
T. war den ganzen Tag in tiefen Wolken: Ein Nebel mit einem leichten Wind aus Südosten, Sichtweite 50 Meter. Es tropfte von den Bäumen und die Pferde auf der Koppel sahen aus wie Wesen in einer schwebenden Welt zwischen hier und irgendwo auf dem Weg den man beschreitet, wenn man das Hier verlässt. Ich war bereit, schon mittags einen tiefgefrorenen Vodka zu trinken, vergaß es aber und lief über die Felder, wobei mir die Furchen die Richtung gaben, so wenig war Sicht durch den Nebel.
Am See hat man Weiden gefällt, nicht etwa nur gestutzt und kupiert, richtig weggesäbelt. So hat sich das Bild verändert, dort wo der Pfad zum Steg hinunterführt sind die beiden Weiden verschwunden. Ich fühlte mich betrogen und enttäuscht, die beiden Weiden waren immer gute Orientierung, ich dachte, nun werde ich hier nicht mehr hergehen, weil man mir die Weiden gestohlen hat, die Weiden waren ein wichtiges Bild.
Der See liegt wie eine Stahlplatte.
In T. hat ein Haus seinen Besitzer gewechselt und nun sind neue Fenster drin und das Dach ist auch neu gedeckt. Für den Dachboden haben die neuen Besitzer alte Dielen gekauft, was natürlich edel und teuer gewesen ist. Verlegt haben Polen. Nicht besonders fachmännisch, eine Kante ziert immer wieder, sie wussten wohl nicht, dass man besser gegenläufig und nicht auf Stoss verlegt. Die Fenster kamen auch Polen, leider hatten die Sprossen keine einheitliche Höhe und so hat es lange gedauert, bis alle Fenster in richtiger Optik beieinander waren. Nun wird aber nicht auf die Polen geschimpft, man ist eben selbst dran Schuld, man wollte es eben preiswerter haben. Es ist sonst ja alles so schon teuer genug. Aber irgend etwas bleibt unausgesprochen und ich sage: Sie haben ein wirklich schönes Grundstück hier gekauft.
Ein anderes Haus liegt wieder verwaist. Es hat viel versprechend angefangen mit einer jungen Familie, die sogar aus der Region und nicht aus Berlin stammte. Im Sommer wohnten sie in 2 Zelten und da das Haus unter Denkmalschutz steht, wurden die Fensterläden neu gestrichen, und rein äußerlich hat sich am Haus nichts geändert, sicherlich lag es auch am Geld. Denn dann waren sie auf einmal weg: Der Mann wurde beim Kupferklau erwischt und die Familie wohnt nun in der nächsten Stadt in einem der ddr-Neubauten, die die LPG damals bauen ließ für ihre Arbeiter. Da der Mann nicht das erste Mal erwischt wurde, sitzt er in Untersuchungshaft.
Zum Haus von Gustav Grams wäre ich am Freitag beinahe vorgedrungen, weil sich im Sturm eine Tür losgerissen zu haben schien, es schepperte und dröhnte mit unglaublicher Gewalt. Ich hatte meine Taschenlampe genommen, aber das Gartentor ließ sich nicht öffnen. Da ich noch niemals dort auf dem Grundstück war, nur einmal im Hof, gab ich schnell auf. Ich heizte erst einmal und befüllte den Kühlschrank und in diesen 20 Minuten hatte auf einmal der sagenhafte Sturm aufgehört und es war 3 Grad kälter geworden. Irgendwelche elementaren Dinge geschehen hier. Gustav ist schon ein paar Jahre tot und Inge, seine Frau, auch. Die beiden Kinder, erwachsene Leute, können sich über das Erbe nicht einigen. Vielleicht haben Inge und Gustav darüber gezürnt und den Sturm geschickt.
T. liegt ruhig im Nebel. Der Bungalow am Sportplatz trieft in der Nässe. Dort trifft man sich zum Frühschoppen am Sonntag und geht am frühen Nachmittag betrunken nach Hause. Was dort geredet wird, ich weiß es nicht, sicherlich über den Reichtum der anderen. Vielleicht über meine Scheune, die nun fast ganz eingestürzt ist, nur eine Seite hält sich noch, gestützt vom Nussbaum, natürlich, vom Nussbaum, sonst wäre das Ding doch schon längst eingestürzt.
Ich komme zu Hause an und feuer den Ofen nach. Unbedingt ist es nun Zeit für einen Vodka, die Straßenbeleuchtung geht gleich an. Ich vergesse den Vodka wieder. Im Haus ist so eine Stille, die tief ist, nur der Ofen knackt unter der Hitze. Um 5 gehen einige Autos, die Pferde sind schon von der Koppel. Das Telefon ist wieder stumm, die Telekom schafft es nicht., Eplus hat am Giebel Empfang, unten ist der Pole stärker und loggt sich automatisch ein. Zeit für einen Vodka, wirklich.
Am See hat man Weiden gefällt, nicht etwa nur gestutzt und kupiert, richtig weggesäbelt. So hat sich das Bild verändert, dort wo der Pfad zum Steg hinunterführt sind die beiden Weiden verschwunden. Ich fühlte mich betrogen und enttäuscht, die beiden Weiden waren immer gute Orientierung, ich dachte, nun werde ich hier nicht mehr hergehen, weil man mir die Weiden gestohlen hat, die Weiden waren ein wichtiges Bild.
Der See liegt wie eine Stahlplatte.
In T. hat ein Haus seinen Besitzer gewechselt und nun sind neue Fenster drin und das Dach ist auch neu gedeckt. Für den Dachboden haben die neuen Besitzer alte Dielen gekauft, was natürlich edel und teuer gewesen ist. Verlegt haben Polen. Nicht besonders fachmännisch, eine Kante ziert immer wieder, sie wussten wohl nicht, dass man besser gegenläufig und nicht auf Stoss verlegt. Die Fenster kamen auch Polen, leider hatten die Sprossen keine einheitliche Höhe und so hat es lange gedauert, bis alle Fenster in richtiger Optik beieinander waren. Nun wird aber nicht auf die Polen geschimpft, man ist eben selbst dran Schuld, man wollte es eben preiswerter haben. Es ist sonst ja alles so schon teuer genug. Aber irgend etwas bleibt unausgesprochen und ich sage: Sie haben ein wirklich schönes Grundstück hier gekauft.
Ein anderes Haus liegt wieder verwaist. Es hat viel versprechend angefangen mit einer jungen Familie, die sogar aus der Region und nicht aus Berlin stammte. Im Sommer wohnten sie in 2 Zelten und da das Haus unter Denkmalschutz steht, wurden die Fensterläden neu gestrichen, und rein äußerlich hat sich am Haus nichts geändert, sicherlich lag es auch am Geld. Denn dann waren sie auf einmal weg: Der Mann wurde beim Kupferklau erwischt und die Familie wohnt nun in der nächsten Stadt in einem der ddr-Neubauten, die die LPG damals bauen ließ für ihre Arbeiter. Da der Mann nicht das erste Mal erwischt wurde, sitzt er in Untersuchungshaft.
Zum Haus von Gustav Grams wäre ich am Freitag beinahe vorgedrungen, weil sich im Sturm eine Tür losgerissen zu haben schien, es schepperte und dröhnte mit unglaublicher Gewalt. Ich hatte meine Taschenlampe genommen, aber das Gartentor ließ sich nicht öffnen. Da ich noch niemals dort auf dem Grundstück war, nur einmal im Hof, gab ich schnell auf. Ich heizte erst einmal und befüllte den Kühlschrank und in diesen 20 Minuten hatte auf einmal der sagenhafte Sturm aufgehört und es war 3 Grad kälter geworden. Irgendwelche elementaren Dinge geschehen hier. Gustav ist schon ein paar Jahre tot und Inge, seine Frau, auch. Die beiden Kinder, erwachsene Leute, können sich über das Erbe nicht einigen. Vielleicht haben Inge und Gustav darüber gezürnt und den Sturm geschickt.
T. liegt ruhig im Nebel. Der Bungalow am Sportplatz trieft in der Nässe. Dort trifft man sich zum Frühschoppen am Sonntag und geht am frühen Nachmittag betrunken nach Hause. Was dort geredet wird, ich weiß es nicht, sicherlich über den Reichtum der anderen. Vielleicht über meine Scheune, die nun fast ganz eingestürzt ist, nur eine Seite hält sich noch, gestützt vom Nussbaum, natürlich, vom Nussbaum, sonst wäre das Ding doch schon längst eingestürzt.
Ich komme zu Hause an und feuer den Ofen nach. Unbedingt ist es nun Zeit für einen Vodka, die Straßenbeleuchtung geht gleich an. Ich vergesse den Vodka wieder. Im Haus ist so eine Stille, die tief ist, nur der Ofen knackt unter der Hitze. Um 5 gehen einige Autos, die Pferde sind schon von der Koppel. Das Telefon ist wieder stumm, die Telekom schafft es nicht., Eplus hat am Giebel Empfang, unten ist der Pole stärker und loggt sich automatisch ein. Zeit für einen Vodka, wirklich.