|GTaag|

10. Januar 2008

Chaiten

Abgelegt unter: Chile — gtaag @ 14:06
In Chile regnet es immer mehr als in Argentinien, aber diesmal war es eine Meldung wert: 50mm an einem Tag.

Chaiten ist haargenau so eine reißbrettartig aufgezogene Stadt, wie es sie überall in Südamerika gibt. Zwar haben die Straßen Namen, jede Stadt und jedes Dorf hat seine 9 de Julio, seine 25 de Mayo und seine Sarmiento, aber wenn man nach dem Weg fragt, wird immer nur gesagt, 2 Blöcke oder dreieinhalb weiter, dann links und noch einmal einen Block. Hat man 2 Blöcke genommen, ja, wie ging es nun weiter, niemand auf der Straße, den man fragen könnte, es wird nicht gerne gelaufen, endlich jemanden gefunden, ja, 2 Blöcke weiter, dann nach rechts und nach einem Block wieder nach links. Vielen Dank für die Auskunft.

Chaiten hat seine Tankstelle direkt am Meer, 2 Zapfsäulen und ein tankstellengerechtes Überdach, aber etwas abseits und schräg nach hinten gelagert 2 handelsübliche Stahlcontainer für die Kasse und für Getriebeöl und für Sneaks. Das Meer dahinter mit einer Ebbe, die im kleinen Fischereihafen die Schiffe auf der Seite liegen ließ. Die Küste sah aus wie ein kranker See, der kraftlos geworden ist und dahinsiechend sich zurückgezogen hat. Nichts wird mehr so wie vorher sein, könnte man denken, wenn man es nicht besser wüsste.
Chaiten ist keine Ausnahme, nur wenige Küstenstädte, die nicht vor dem Strand eine Straße haben und dahinter erst die Häuser. Ein- bis zweistöckige Häuser aus Holz. Ein Hotel, in dem das Zimmermädchen Wache hält, sie saß vor dem Fernseher im Frühstücksraum und sang ein Lied mit. Eine Rezeption gab es nicht, die Zimmer wie Katen und im Bad eine Badewanne, in der man nur sitzen kann. Zu zweit ist sie auch zu schaffen, es ist aber wirklich sehr eng, schmälert aber den Wasserverbrauch. Bei der Ankunft wurde uns extra das Gas angestellt.

Dann ging der Regen los. Die Wolken kamen über die Berge und der Wind war böig, wobei es immer nur eine Böe war, einmal in 3 Minuten, heftig und vorbeigehend.
In der Nacht peitschte der Regen in kleiner werdenden Abständen gegen die Wetterwand des Hauses, dort waren auch keine Fenster eingebaut. Wenn es mal von Meerseite auf die dortigen Fenster ging, war ein Luftzug zu spüren. Es war wie auf hoher See, das Hotel ein Schiff, nur das es nicht schaukelte. Dann gingen die Geräusche von Tropfen los, der alte Kasten schien wohl nicht dicht zu sein, aber es tropfte nirgends. Bis zum Morgen peitschte der Regen gegen das Haus und die Betten blieben trocken.

Als wir das Haus morgens halb 7 das Haus verließen, tauchte Chiko wieder auf, dieselbe Rasse wie Ben del Pampa (Beitrag folgt), nur kleiner ohne eingeknicktem Ohr und unterwürfiger. Er hatte uns gestern begleitet, er humpelte etwas, wer weiß, seine Pfoten zeigten keine Wunden. Von den Kletten kam das Humpeln nicht, er humpelte weiter, wenn wir ihn davon befreiten.
T. hatte ihm am Abend ein Brötchen gegeben und etwas Wurst. So hatte er die ganze Nacht bei diesem Wetter auf uns gewartet. Er war naß wie ein Pudel und hatte wohl geschlafen und war schnell hinter uns her und am Bus gab T. ihm noch ein Brötchen, aber es ging nicht mal mehr ums Fressen, er ließ es liegen, als T. wegging. Ein treuer Hundeblick folgte uns, als wir schon im Bus saßen.
In Patagonien verschenken die Hunde schnell ihr Herz..

8. Januar 2008

Coyhaique – Sarmiento

Abgelegt unter: Argentinien — gtaag @ 20:35
Am Grenzübergang bei Coyhaique musste erst der Grenzbeamte geholt werden. Zuerst lungerte da nur ein untersetzter Ziviler in Lederjacke, vor denen man sich immer in acht nehmen sollte, weil ein Ziviler an dieser Stelle immer Innere Sicherheit bedeutet, und Innere Sicherheit ist etwas, das man von innen in keinem Land der Welt kennen lernen sollte müssen.
Hier war er freundlich und fragte nur, wo wir herkämen und wo wir hingingen. Denn abends um 5, wenn dann von Chile nach Argentinien auch noch die Uhren vorgestellt werden, ist es doch etwas ungewöhnlich, wenn 2 Leute mit schmalen Rucksäcken eine Grenze passieren, wo sie erst in 120 Kilometern die erste ernsthafte Stadt erreichen werden, Rio Mayo, aber ohne Fluß. Wo nichts anderes ist als Steppe und kein nennenswerter Durchgangsverkehr.
Europäer. Wahnsinnige.
Das Niemandsland erstreckte ich über 4 Kilometer und es pfiff ein Wind von der Seite, der einen regelrecht schupste und stieß. Die Landschaft hatte eine Weite, die jeden Schritt sinnlos machte, nach einer Stunde war der argentinische Grenzpunkt erreicht, es waren dann wohl doch 5 Kilometer gewesen.
Die beiden Länder hatten sich im Niemandsland eine plane Asphaltstraße geleistet, mit ordentlicher Markierung, wobei das Niemandsland wohl mehr chilenischer Verantwortung unterstand, denn eine ganze Weile ging noch die Landebahn vom Coyhaique Airport parallel, was sofort die Frage aufwarf, wo nun wirklich die Grenze zwischen Chile und Argentinien verlaufe, denn die Maschinen können doch nicht jedes Mal beim Landeanflug argentinischen Luftraum verletzen. Oder doch?

2 Maschinen landeten auch. Während sie landeten hatte ich wieder das dringende Bedürfnis, sie zu fotografieren, weil ich bei einem Flug die Landung immer als das kritischste Moment ansehe und wenn dann nun etwas passiere, hätte ich es auf Foto und die Ursache könnte schneller ermittelt werden. Es ist immer nur eine Regung, ich habe eine Landung noch nie fotografiert und auch diese beiden liefen ja bilderbuchhaft ab, trotz des Seitenwindes, nur die zweite Maschine hatte einmal schon aufgetippt, ehe sie richtig landete, das sah man an den zweimaligen Rauchwolken der Reifen.

Auf argentinischer Seite ging dann die Schotterpiste los. Ein Jeep mit einem Advokaten am Steuer, mit seiner Frau daneben und seinen 2 Töchtern und 2 MP3-Playern auf der Rückbank und uns beide mit halben Hintern fuhr etwas unkontrolliert und viel zu schnell. Mit dem Advokaten hatten wir ein Gespräch angeknüpft und ihn für uns gewonnen, seine 3 Frauen waren etwas verschnupft und als auf einmal ein Truck auftauchte und zur Kontrolle hielt, fragte der Advokat den Trucker, ob er uns mitnehmen könne, der war aber nicht so begeistert, seine erste Frage war wohl gewesen, ob wir spanisch können, was der Advokat, ehrlich, nur verneinen konnte. So fuhren wir erst mal im Jeep mit, 30 km weiter, ins nächste Nest, wenn wir dann dort stünden, würde uns der Truck schon mitnehmen.

Dann standen wir wirklich einem gottverlassenen Kaff, Largo Blanco, wobei Blanco für einen ausgedehnten ausgetrockneten Salzsee nebenbei stand, der Wind trug eisig den Staub vor sich hin und manchmal auch Gestüppbüschel und hatte einen Atem, und der Wind, wieder und wieder der Wind, der, so kalt und unwirtlich, um 6, die nächste Stadt 120km Schotterpiste entfernt.
Nach einer Stunde kam der LKW. Er sah aus wie ein Ungetüm mit seiner seitlich wegwehenden Staubfahne. Die Abendsonne von der Seite. Die 5 Silberpappeln neben den viereckigen Betonhäusern, die genauso gut Container sein könnten.
Er schob sich langsam näher und bis zum Schluss war nicht zu erkennen, ob er nun verzögern würde oder vorbeizöge. Er verzögerte.
Der Fahrer machte so eine Geste, na ja, kommt schon, nun muss ich dann ja wohl. Ein Gastanktruck, der nach Comodoro Rivadadavia fuhr, Gas aufzutanken. Der Fahrer Mitte 30 und mit einer Brille wie Heiner Müller sie trug. Mit 40 Kilometern ging es 120 Kilometer per Wüstenschiff die Schotterstraße. Einige Guanacoherden, einige Hasen, ein Strauss und ein Gürteltier. Eine 6-stündige Unterhaltung auf spanisch und mit Händen und Füßen. Auch der Fahrer benutzte manchmal seine Füße, in der Steppe geht das, bei 40km/h. Dann war Sarmiento erreicht, sehr weit nachts. Der Fahrer hatte noch 3 Stunden vor sich und morgen weitere 2000 km. Einen Fahrtenschreiber gibt es in Südamerika nicht und der Truck gehörte ihm selber. Im Truck war es sehr gemütlich, aber die Einsamkeit war zu spüren. Da sitzt man und ist mit sich alleine und man kennt die Strecke, die man noch zu bewältigen hat und nur das unendliche Straßenband liegt vor einem.

2. Januar 2008

Argentinischer Jahreswechsel

Abgelegt unter: Argentinien — gtaag @ 20:40

Auch die Argentinier stellen die Uhr von Winter- auf Sommerzeit, also eine Stunde vor. Am letzten Wochenende vor Neujahr. Als Europäer ist das eine unverhoffte Angelegenheit, die besonders prekär wird, wenn man genau zu diesem Zeitpunkt einen Flug gebucht hat und man von einer Zeitumstellung nichts mitbekommen hat. Denn der Argentinier hält besonders zu seinen fremden Gästen einen gewissen Abstand, Reserviertheit möchte ich es nicht nennen, nein, Abstand und Unbesorgtheit.
So kann man es in sehr kurzer Zeit schaffen, vom Hotel zum Flughafen zu gelangen, wenn man sofort ein Taxi bekommt, am Businessschalter sich einchecken lässt, vor den Röntgengeräten die Warteschlange von der Seite umgeht und als Letzter die Bordkarte abreißen lässt. Das alles in nicht einmal einer Dreiviertelstunde.
Was für eine Zeit man sonst doch nur durch seine kleine Angst und Vorsicht auf Flughäfen in Warteschlangen verbringt. Das wird einem gelehrt, wenn einfach eine Stunde weggenommen wird, mein Dank gilt Argentinien für diese Erkenntnis und dieses Erlebnis.

Eigenartig ist dann, wie in Bariloche geschehen, wenn zu Sylvester die Raketen gezündet werden, aber die Rathausuhr noch 11 Uhr zeigt. Wenn alles zwar nach der umgestellten Zeit funktioniert, aber höchstens die Armbanduhren umgestellt sind, aber nicht die an den Gebäuden, in den Autos, in den Restaurants. Wenn man noch halb elf Licht hat und auch schon um 6 in der Frühe. Und wenn man nur wenige Kilometer in Chile diese Mätzchen nicht macht, sondern schön um 12 den Jahreswechsel feiert, nicht eine Stunde früher, wie in Argentinien. Das heißt, halt, in Chile wird im Oktober umgestellt. So gehen dann wenigstens zu Sylvester alle Uhren richtig und kein Tourist wird gefoppt.