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26. April 2008

Lourdes 4

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 12:33

21. April 2008

Lourdes 3

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 00:40
In Lourdes eine Kerze anzuzünden bedeutet, die Kerze in einem Meer von Kerzen zu versenken, seine Wünsche und Hoffnungen und Gedanken zu übergeben in eine Gasse, wie auf einem Wochenmarkt mit Ständen, überdacht und abgesperrt, wo die Kerzen stehen.
Von der Flussseite ist diese Gasse von Scheiben geschützt, damit der Wind die Kerzen nicht ausbläst und die volle Wucht des Gedenkens sichtbar bleibt, eine erloschene Kerze, das ist es nicht. Die Scheiben strahlen wohltuende Wärme, das Gedenken und die Hoffnung sind eine heiße Angelegenheit. Unter den Ständen, in denen die teils dicken, teils dünnen, auf jeden Fall langen Kerzen aufgereiht sind, natürlich nicht ganz gerade, aber diese Unordentlichkeit hat einen geordneten Plan, sind Metallbehälterschalen aufgestellt, die den Wachs auffangen. Einzig und alleine diese Behälter machen eine Industrialisierung sichtbar, die man, so man sie bemerkt, eigentlich nicht bemerken möchte.

19. April 2008

Lourdes 2

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 22:55
Lourdes: Die Stadt besteht praktisch aus Hotels und Souvenierläden. Einskommafünfmillionen Pilger werden in diesem Jahr erwartet. 150 Jahre nach der Erscheinung. Mein Hotelzimmer riecht nach Weihrauch, hat 2 Betten mit züchtiger Spalte, einen Fernseher und ein Kreuz über der Tür. Wenn im Nebenzimmerbad jemand etwas mit Wasser macht, gluckert es bei mir. Aus dem Tal schallt ein Ave Maria, das Bier ist teuer und die Restaurants der Stadt haben sich auf salzarme Kost geeinigt. Es gibt überdurchschnittlich viele Rollstuhlfahrer, es gibt viele Leute, deren Gesichter zum fotografiert werden taugen. Das Alter liegt jenseits der 50. Der Fluß, die Gave de Pau, hat Frühjahrshochwasser, die Pyrenäen sind schneebedeckt. Hinter den Hotels stehen die Reisebusse abgeparkt wie PKWs. Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien. Es muss sich lohnen, hierher zu kommen.

Lourdes 1

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 22:53
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17. April 2008

Palast der Republik – Der Stand des Dingens

Abgelegt unter: Bln. — gtaag @ 17:44
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14. April 2008

Zierrasen

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 21:18
Der Zierrasen auf Randberliner märkischem Sandboden durfte nicht betreten werden, weil sich die Halme dann nicht mehr aufrichten und es unansehnlich aussehen würde. Das war aber der Mickrigkeit geschuldet und nicht irgendwelcher willkürlicher Verbote.
Als Kind  konnte ich das nicht beurteilen und eine der ersten Oppositionen war, auf den Rasen zu pinkeln, mitten drauf, wenn es niemand sah.
Verborgen blieb es nicht, natürlich, nach wenigen Wochen gab es kleine Inseln dichteren Grüns, die bestaunt wurden und als Kind lernte ich schnell meine Lektion, ich staunte mit und ich bemühte mich fortan, zu vertuschen, indem ich zwischen die einzelnen Inseln pinkelte, was aber im Ergebnis nicht gelang, weil den alten Stellen langsam der Dünger wieder ausging und sie wieder weniger grün wurden.
Das Wissen darüber wurde nie öffentlich, ein Verdacht nicht geäußert und ein Geständnis nie gemacht. Erst als ein Bekannter der Eltern aus Wittenberg-Piesteritz, dem Stickstoffwerk VEB Agrochemie, einen Sack voll Harnstoff mitbrachte und der Rasen damit regelmäßig gegossen wurde, zeigte sich ein einheitlicheres und dichteres Grün. Der Rasen durfte auch nach und nach betreten werden, später sogar war es möglich, eine Decke auszubreiten und sich in die Sonne zu legen. Ich pinkelte fortan vornehmlich auf den Komposthaufen, man bedenke, wie viel Spülwasser ich seither gespart habe.

Mitte der neunziger Jahre wurde ich allerdings wieder zur Wachsamkeit alarmiert, als ich in Lemberg (Lviv) in einem Park, na ja, gerade dort, wo Zivilisation eher eine zarte Knospe…, von einem Parkwächter zur Zahlung einer Strafe aufgefordert wurde und mich nur durch Flucht entziehen konnte.
In T. hinterm Haus, ich habe heute früher als jemals in einem Jahr den Rasen gemäht, weil da so dichte Grasbüschel standen. Nein, das Rasenmähen wäre eigentlich nicht nötig gewesen, aber was soll man machen, wenn einem die Peinlichkeit überkommt.