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13. Mai 2008

Wien 1

Abgelegt unter: Wien — gtaag @ 22:51
„Paßt schon“ (geht schon),
„baba“ (tschüß),
„oalles Leiwand“ (alles in Ordnung, sauber).
Die Straßen heißen Gassen, auch wenn sie Hauptstraßen sind, es gibt kleine Geschäfte, die sich mit Pinselverkauf, Furnierverkauf, mit der Gravur von Schildern über Wasser halten, Messerfachgeschäfte gibt es, auch einen Laden mit „Schuhe für die Frau“. Trotzdem gibt es noch die Mariahilfer Straße (ja, Straße), in der man wie in Berlin oder London oder Paris seine angestammten Ketten hat, wo die Jugendlichen Nabel zeigend vor Handys stehen oder HaUndeM stürmen.
Wiener Schnitzel sind in Wien besonders groß, jedenfalls beim Schnitzelwirt in der Neubaugasse. 2 Scheiben, halb übereinander gelegt. Der Zufall wollte es, dass der Schnitzelwirt gerade Lieferung bekam und 2 Asiaten schleppten einen riesigen Bottich gefüllt mir flachem roten Fleisch in die Küche. Die Karte beim Schnitzelwirt vermerkte auch 2 vegetarische Gerichte, aber alle aßen diese panierten Fladen und jeder, ich hatte einige Gäste im Blick, hatte irgendwie ein gequältes Gesicht. Nicht zu schaffen, so viel Fleisch.

8. Mai 2008

Lourdes 7

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 11:08
4 Wochen Lourdes sind wie 4 Wochen Disneyworld: Ein Aufenthalt ist nur für 2 bis 3 Tage ausgelegt, danach reist man wieder ab. Bleibt man länger, spürt man ein System hinter den Veranstaltungen, sie verlieren ihre Anziehungskraft, die Musik, die Rituale, die Menschen, alles wird zu einer Inszenierung, die wie eine Hülle wirkt, der Inhalt, die Faszination, ist verloren.  Man steht da und will nur lachen.  Man läuft durch die Straßen und will nur Rempeln. Man sitzt in den Kneipen und kann nur trinken.

Lourdes 6

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 01:04
Die Grotte selber, an der vor 150 Jahren Bernadette siebzehnmal die Marienerscheinung hatte, ist ein halbrund in den Felsen gelassenes Gewölbe, marmorn ausgelegt und unter einer Glasscheibe sprudelt eine Quelle. Merci, Bernadette, steht auf einem Schild und rundherum, von Licht angestrahlt und durch Glas in Nirostaeinfassungen geschützt liegen Blumen.

Der Pilgerstrom tastet sich fingernd und küssend an der Felswand entlang, der Stein ist dunkler dort, wie Speckstein, glänzender, ein Band der Berührung und der Hoffnung. Vorne, dort wo die Blumen liegen, ist der speckige Fels höher, von den aufrecht Gehenden, und weiter hinten, zum Ausgang der Rotunde hin niedriger, dort wird gekniet und dort kommen auch die Rollstuhlfahrer heran, ihre Hoffnung und den Fingerschweiß in den Fels zu tuen. Es wird geküsst und gebetet, sehr kurz nur, fast vorbeihuschend, es gibt eine bestimmte Geschwindigkeit der Nachdrängenden, die lässt kein Verweilen zu.

Die Pilger sind dann schon an den Behältern mit den Schlitzen vorbei gekommen. Die werden mehrmals täglich von kahlgeschorenen und finster blickenden Gestalten geleert, Angestellte einer externen Sicherheitsfirma. Mit schnellen Handgriffen wird wie in einem Potkasten ein neuer Sack hineingeschoben, der alte, prall gefüllt und gar nicht schwer: Hier wird nur wenig Hartgeld hinterlassen. Ave Maria. Gelobest seiest du.

1. Mai 2008

Lourdes 5

Abgelegt unter: Lourdes — gtaag @ 16:51

Lourdes ergreift aller 14 Tage eine neue Chance: Dann drehen sich die Einbahnstraßen um, der Verkehr rollt in die entgegengesetzte Richtung. Gerade auf der Rue de la Grotte, einer schmalen Straße, die wie eine pulsierende Vene zum Heiligtum führt, und die Pulsrichtung ist immer in Richtung, niemals fort, aller 14 Tage haben es die Autos leichter, durchzukommen, wenn sie entgegengesetzt dem Pilgerstrom fahren können. Das macht die Einheimischen noch ein wenig stürmischer, denn wer dort seinen Autoweg hat, der darf nicht verzagen, sonst kommt er nur mit den 2 km/h der Leute voran. Also Gas geben und wenn mal jemand vom Spiegel gestreift wird, Grüß Gott, nun ja. Lourdeswasser trinken und ein Vaterunser mehr gesprochen.