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29. Juni 2008

Hochstand

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 20:35
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In T. ist nicht nur der Amtsdirektor im Heute und Jetzt angekommen, sondern auch die Jägermeister sind es. Nachdem ein Sturm einen Hochstand an exponierter Stelle umgewedelt hatte, wurde der neu errichtet, Stahlgestänge unten, Stahltreppe hinauf, oben die Kanzel aus üblichem Holz, aber innen, innen der Fußboden wie die Wände mit Teppichbelag ausgekleidet, ein blauer Drehstuhl, und in Kopfhöhe, wo man fein das Gewehr ablegen kann, zur Beobachtung, gefällig, gepolstert.
Ich stellte mir eine Weile vor, ein Jäger zu sein, ja, ich kann das schon verstehen, das lange Sitzen und Schauen in die Umgebung, das Wetter, was an der Kanzel rüttelt, man selber sitzt trocken und nimmt einen Schluck. Und die Aufmerksamkeit bleibt, vielleicht kommt man zum Schuss, vielleicht auch nicht, man muss nicht zu sehr übers Leben nachdenken, nur so an der Oberfläche, denn eigentlich fühlt man sich wohl, so gepolstert, so weit oben.
Natürlich, abends wird alles anders sein, wenn die Stille sich senkt, die Geräusche sich trennen, man das eigene Blut in den Ohren hört und alles andere, außerhalb, wie ein Donnerhall scheint. Dann merkt man vielleicht gar nicht diese Polsterung.
Wofür sie dann da ist, die Frage ist einfach und leicht zu beantworten: Ein zahlender Gast bekommt das, was sich der vorstellt, einmal haben zu müssen, wenn er es sich aussuchen könnte. Einen gepamperten Hochstand. Wenn dann nichts zum Schießen vorbeikommt, hat man wenigstens noch bequem gesessen.

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Ich lege wieder sorgfältig die Bolzen um, damit kein Wind hineindringt und kein Regen. Der Wind wogt in den Feldern. Das Gras steht saftig. Der Mohn ist verblüht, die Kornblumen in diesem Jahr zögerlich. Hinten liegt T., der Sommerregen ist kalt.
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