|GTaag|

30. Oktober 2008

Xapkib Tag 20

Abgelegt unter: Xapkib, unterwegs — gtaag @ 20:12
Und wandere ich auch durchs finstere Tal. Jaja. Mit Fieber ist die Welt tatsächlich nur noch in einem dunklen Tal zu sehen. Wenn man drinsteckt merkt man das ja gar nicht richtig, erst wenn die Sonne wieder aufgeht, man klar sehen kann. Eine Lungenentzündung ist eine schmerzfreie, aber dunkele Angelegenheit.

Die erste Zeit in Xapkib ist mir wie ein finsterer langer Tunnel. Ich erinnere mich an gigantische Sets, eines, in die Tiefe 3km und bespielt mit Kulisse der 30iger Jahre. Straßenbahnen, Autos, 500 Komparsen, 9 Unterregisseure für 9 Sektoren. 2 Megawindmaschinen, in deren Strom fleißig Zement gestreut wurde. Soviel zum riechenden Ton. Durch finstere Täler kann man auch nur gehen, wenn man eigentlich nichts zu tun hat, ich bin wohl der teuerste Tonmeister für Primärton. (Allerdings habe ich alle Möglichkeiten und Unterstützung, den Ton nachträglich aufzunehmen. So wie in noch keiner Produktion. Aber Ton nachträglich aufzunehmen ist keine Anstrengung, da herrschen keine fremde Gesetze, keine Einschränkungen. Einmal möchte ich in Deutschland solche Bedingungen haben.)

Wenn ich mich auch erinnern werde:  An wechselnde Wohnungen. Nun habe ich endlich eine, die wohl auch die letzte sein wird. Keine Kraft mehr, mich zu wehren. Um hineinzukommen, muß man etliche Gerüche überwinden und landet dann in einer Wohnung mit 2 Zimmern, spärlich möbliert, unausgestattete Küche, einem Bad, das Eigengeruch hat und wo die Fußbodenkacheln lose sind. Seit 3 Tagen gibt es warmes Wasser. Die Heizung ist Zierde. Ein Ölradiator tut seinen Dienst. Strom kommt auch in der Ukraine aus der Steckdose. Bitte noch die nächsten 3 Wochen.

15. Oktober 2008

Xapkib Tag 3

Abgelegt unter: Xapkib — gtaag @ 11:18
Es mehrt sich auffällig ein bestimmter Frauentyp: Sehr schlank, regelrecht schmal, kleine Brüste. Haarfarbe kann wechseln.
Man weiß nicht so genau, was hinter den Kulissen passiert, diese Frauen kommen und gehen und erfüllen manchmal einen, manchmal zwei Tage im Getriebe der Produktion ihre Aufgaben, beim Kostüm, im Artdepartement, im Büro. Dann hat man sich an ein Gesicht gewöhnt, schon wechselt es wieder.
D.Z. hat alles in der Hand. Er und seine Assistentin, P., auch schmal und kleinbrüstig, sind das Gedeih und Verderb, sie sind der Eingang und der Ausgang.
Bei so viel äußerlichen Gemeinsamkeiten stellt sich die Frage nach der Qualifikation, aber nicht umsonst werden Eingang und Ausgang so oft benutzt.
Da hatte sich dann auch ein Focuspuller vorgestellt, sie kam Aufgrund ihrer Körpermaße durchs Nadelöhr, aber es stellte sich schnell heraus, sie hatte doch nicht die nötige Erfahrung für diesen Beruf, war aber als Typ gelehrig, enthusiastisch und passte zu den Männern der Kameraabteilung, sie war gut als Assistentin, eine Stelle, die auch besetzt werden musste. Ex und Hopp, sie war also nicht als Focuspuller gut, weg mit ihr. Selbst die Intervention des DOP und seines Assistenten half nichts. Zur Begründung für Kameraabteilung, sie sei ja nun nicht das, als was sie sich vorgestellt habe. Zur Begründung für sie: Sie sei eine Frau, so einen Beruf übe keine Frau aus.
D.Z. trifft zufälligerweise meinen Frauengeschmack. Ich gehe gerne in die Etage mit den Büros und dem Café, die neuen Mitarbeiterinnen mir angucken. Im Café ist wlan, es wird kräftig geraucht und besprochen, getroffen, gegessen. Telefoniert. Ich habe wenig zu tun. Ab und zu kommt jemand vorbei, dem ich erklären muss, dass Ton kein Problem darstellt, dass es eben nur ein paar Regeln gibt, die man beachten sollte, wenn man nicht hinterher alles im Studio nachmachen wolle. Und das wolle D.Z. nicht und ich wolle das sowieso auch nicht.
Nach der Traktorenfabrik wollte ich heute die Drehorte ansehen, aber es stellte sich heraus, dass die meisten entweder noch nicht feststehen oder nur mit Aufsicht zu besichtigen sind. Mein Assistent aus Kiew, er ist strebsam, er will schon vor Drehbeginn Töne aufnehmen. Ein Drehort ist der Zoo, mitten in der Stadt, ich setzte mich durch, das Tongerät nicht mitzuschleppen, denn was soll man denn nachmittags in einem Zoo in der Mitte einer Stadt aufnehmen, außer Straßenverkehr, Publikumsverkehr und Bauarbeiterlärm. Er war unzufrieden, aber ich bin ja nun mal sein Chef. Neinnein, ich bremse ihn nicht, aber sinnlose Aktionen… Es war dann auch wirklich so, wie ich gedacht hatte, schreiende Kinder und ein Presslufthammer emsig beschäftigt, Bären, die stumm im Kreis liefen und die einzigen Tiere, die irgendwie Lärm machten waren die Spatzen, außerhalb des Vogelkäfigs.

14. Oktober 2008

TonSplitter Traktorenfabrik

Abgelegt unter: TON-Splitter, Xapkib — gtaag @ 11:50
Xapkib, Traktorenfabrik. Wenn man sie zu Fuß durchqueren will benötigt man 45 Minuten. Die Hallen haben Stadienausmaße. In der Sowjetzeit wurde 24 Stunden am Tag gearbeitet, heute sind es 5 Tage, 8 Stunden.

Irgendwann fiel der Strom aus und es gab nur noch ein Zischen der Druckleitungen. Es war 2 Stunden vor Schichtende und die Arbeiter gingen ganz ruhig nach Hause.

13. Oktober 2008

Xapkib Tag 0

Abgelegt unter: Xapkib — gtaag @ 18:24
Von Wien nach Xapkib Business Class zu fliegen bedeutet 2 Flaschen Weißwein zur Auswahl präsentiert zu bekommen, Grüner Veltliner oder einen Chardonnay, ich entscheide mich für einen Veltliner, der wird dann im Glas serviert.
Die Business Class ist in der Fokker ist nicht unbedingt geräumiger als es die Holzklasse ist. Aber in der Dreierreihe, der Mittelsitz hat ein Tuch über die Lehne gelegt, auf dem Tuch steht, reserviert for your comfortable.
Ich sitze da nun so rum und lasse mich in die Ukraine segeln, der Flieger liegt wie ein Brett, es gibt weit unten eine Wolkenschicht und einmal tauchte die Hohe Tatra mit Schnee als kleines, sehr begrenztes Hochgebirge auf. Business ist billiger als normal zu fliegen, wenn man die Kosten fürs Gepäck einrechnet und vor allem, der Rückflug kann jederzeit umgebucht werden, und da ich in unsicherem Zeitrahmen unterwegs bin, es kann passieren, von einem Tag auf den anderen abserviert zu werden, dann ist Business regelrecht billig sogar.
Ja, es kann passieren, bei diesem Projekt von einem Tag auf den anderen rausgeschmissen zu werden. Entweder ich bleibe erst einmal bis Ende des Jahres in Xapkib und dann noch einmal weitere 4 Monate oder aber mich schwebt ein Austian Arrow schnell wieder über Wien nach Berlin. Es ist eigenartig zu wissen, auf einem Schleudersitz zu sitzen. Der Regisseur möchte den Ton riechen können. Der Regisseur ist ein Russe, ein Wohlgeborener, er kann deutsch und ich dachte, da liege nun ein Vokabelfehler vor, aber er sagte jaja, er wisse schon, er wolle den Ton riechen können. Nicht nur die Atmosphäre. Und er wolle jeden Raum, jede Szene, noch einmal, riechen können. Das dürfe aber nicht erst bei der Nachbearbeitung entstehen, das müsse schon im Originalton am Set hergestellt werden.
Man muss wissen, dass es sich um einen Film handelt, der in Russland der 30iger bis 60iger Jahre spielt. Gedreht wird 2008 und 2009 in Xapkib in der Ukraine, gedreht wird viel in gebauten Sets, gedreht wird an Originalschauplätzen. Originalplätze bedeuten eine Atmosphäre der heutigen Zeit, das fängt mit dem Klang von Straßenverkehr an und hört auf damit, worüber die Leute reden und vor allem in welcher Sprache. An Tekknomusik aus irgendwelchen Läden mag ich gar nicht denken.
Gebaute Sets bedeuten vor allem, dass die Türen und Wände aus anderem Material sind, als es ein Original wäre. Wenn eine schwere Tür ins Schloss fällt wird es immer nach Pappe und Pressspan klingen, ein Fußboden, der die Optik von Marmorplatten hat, ist in Wirklichkeit Bühnenboden. Wie denn da um alles in der Welt den Ton zum duften bringen.
Schleudersitz.
Regisseure sind ja meistens Menschen, die gut damit fahren, Maximalforderungen zu stellen. Das stachelt die Mitarbeiter an, das motiviert sie mitunter, über ihren eingefahrenen Stiefel hinauszuwachsen. Wenn Regisseure dann auch noch motivieren können, ihr Feuer wirklich ansteckt, dann entstehen manchmal einzigartige Dinge, nicht reproduzierbar, etwas Außergewöhnliches und Gültiges. Darum müssen Regisseure manchmal schwierige und unbequeme Menschen sein, das hat schon alles seinen Sinn. Aber einen Ton riechbar zu machen unter solchen Bedingungen, das bedeutet den Auftrag zu bekommen, Gold herzustellen und selbst wenn Meissner Porzellan dabei herauskommt wird man geköpft. Also ist es billiger, Business zu fliegen, um die Leiche zurückzutransportieren.

Xapkib empfing grau und auf dem Rollfeld wurde die Form gewahrt, die etwa 50 Passagiere nicht die hundert Meter zum Abfertigungsgebäude laufen zu lassen, da wurde ein Bus geschickt. Durch ein schmales Tor ging es einen Weg entlang, es standen Birken und Eschen und schummrig empfing ein größerer Flur, in einer Reihe standen artig die Passagiere, zur Passkontrolle, in der Luft lag unparfümierter Zigarettenrauch. Und ja schließlich, endlich beim Zoll. Das sind ja so viele Koffer und Kisten. Was denn da drin ist. Eigentlich müsste ja Einfuhr erhoben werden, so Fotoapparate und so. Es herrschte Bemühung und Ratlosigkeit, dieser kleine Flugplatz, diese eingespielte Zollkontrolle, Leute hindurchzuwinken, aber seine Arbeit müsse man ja auch tun, aber zu viel und außergewöhnliches dann doch nicht. Im Beruf gealterte Herrschaften, jenseits der 50. Eigentlich redet und klagt man lieber miteinander, als neue Formulare auszufüllen und sich mit unzufriedenen Reisenden herumzuschlagen. Schließlich wurden wir durchgewunken. Ja. Die Ukraine dürfte Prozente auf Equipment erheben, pro Monat, wo dieses Equipment im Lande verbliebe. Deshalb auch die komplizierte Geschichte mit dem Carnet.
Xapkib, willkommen. Tag 0. Ich werde dich schon riechbar machen. (Es roch erst einmal nach Kerosin.)

12. Oktober 2008

TonSplitter

Abgelegt unter: TON-Splitter, Xapkib — gtaag @ 15:08
Xapcib, Hinterhof. Feuerwerk.

TonSplitter

Abgelegt unter: TON-Splitter — gtaag @ 14:59


Businesslounge Flughafen Wien

10. Oktober 2008

Dax wird ausgesetzt

Abgelegt unter: Abwege, Allgemein — gtaag @ 13:22
LINK

4. Oktober 2008

Epson.

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 00:24

“Dieses Produkt entspricht den strengen ENERGY STAR-Richtlinien der Europäischen Kommission. Epson ist ein weltweit operierendes Unternehmen und trägt zum Umweltschutz für künftige Generationen bei, indem es eine Reihe von ENERGY STAR-Produkten anbietet. Bei diesen Produkten wurde der Stromverbrauch enorm reduziert. Dadurch sparen Sie Energie und Geld und schützen die Umwelt – ganz ohne Qualitätskompromisse.” /Quelle/


Epson? Klasse!

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2. Oktober 2008

Carnet

Abgelegt unter: Allgemein — gtaag @ 23:36
Um Technik in die Ukraine zu schaffen, um damit zu arbeiten, und sie dann wieder zurückzubringen, zollfrei, ohne eben bezahlen zu müssen, dafür bedarf es eines Carnets. Ein Carnet ist eine komplizierte Angelegenheit, man muss genau sein, aber eigentlich auch schwindeln: Für jedes mitgeführte Teil muss es eine Nummer geben und ein Foto und eine Beschreibung, aber für den Wert gibt man nur 10% oder weniger an, was lächerlich ist. Eine Mikroportanlage kommt so eben nur auf 300Euro. Und ein Kabel auf 50ct. Wehe wenn dann eine Nummer nicht stimmt, die Nummern 509 bis 515 sind 8 Stück Kabel, falsch. Mit so einem Fehler gefährdet man ein ganzes Carnet, nicht etwa weil die Anzahl der Kabel kontrolliert wird, sondern die Liste nicht stimmt. 7, richtig. Setzen.

9 Stunden habe ich meine Technik gepackt, wieder ausgepackt, einzeln gewogen, einzeln fotografiert und aufgeschrieben, benannt, bewertet. So ziemlich zum Ende hin kam eine kleine Tasche. Das ist meine Wundertasche. Ich weiß eigentlich selber nicht so recht, was drin ist, es ist die Adaptertasche. Wenn ich einen Adapter suche, dann finde ich ihn auch darin. Ich habe dann geschrieben: Eine Tasche mit Adaptern. „Eine Position“. Was habe ich nur für einen Fehler gemacht. Ich hätte jeden einzelnen Adapter fotografieren und benennen und beziffern müssen.
Die Übersetzerin, ins Russische, rief mich an, Tasche mit Adapter, was heiße denn das. Was solle das schon heißen, antwortete ich, angefressen. Da sind 350 Adapter drin, oder 60, das ist pauschal, so etwas müsse doch wohl nicht aufgeschlüsselt werden.
Eigentlich nicht, eigentlich doch. Sie schrieb einfach hin: Adaptertasche mit 60 Adaptern. Aber vergab keine 60 neue Nummern. Und das war der Fehler. Der Fehler wurde prompt bemerkt, das Carnet nicht eröffnet.
Das wird dann wohl allgemein als „Problem“ benannt. Meine Antwort war nur, vor den Augen des Zolls die Tasche öffnen und den Inhalt vor ihm auf den Boden fallen lassen, leere Tasche mit Nummer wieder einpacken und weiterfahren. So einfach geht das dann wohl auch nicht…