Xapkib Tag 0
Von Wien nach Xapkib Business Class zu fliegen bedeutet 2 Flaschen Weißwein zur Auswahl präsentiert zu bekommen, Grüner Veltliner oder einen Chardonnay, ich entscheide mich für einen Veltliner, der wird dann im Glas serviert.
Die Business Class ist in der Fokker ist nicht unbedingt geräumiger als es die Holzklasse ist. Aber in der Dreierreihe, der Mittelsitz hat ein Tuch über die Lehne gelegt, auf dem Tuch steht, reserviert for your comfortable.
Ich sitze da nun so rum und lasse mich in die Ukraine segeln, der Flieger liegt wie ein Brett, es gibt weit unten eine Wolkenschicht und einmal tauchte die Hohe Tatra mit Schnee als kleines, sehr begrenztes Hochgebirge auf. Business ist billiger als normal zu fliegen, wenn man die Kosten fürs Gepäck einrechnet und vor allem, der Rückflug kann jederzeit umgebucht werden, und da ich in unsicherem Zeitrahmen unterwegs bin, es kann passieren, von einem Tag auf den anderen abserviert zu werden, dann ist Business regelrecht billig sogar.
Ja, es kann passieren, bei diesem Projekt von einem Tag auf den anderen rausgeschmissen zu werden. Entweder ich bleibe erst einmal bis Ende des Jahres in Xapkib und dann noch einmal weitere 4 Monate oder aber mich schwebt ein Austian Arrow schnell wieder über Wien nach Berlin. Es ist eigenartig zu wissen, auf einem Schleudersitz zu sitzen. Der Regisseur möchte den Ton riechen können. Der Regisseur ist ein Russe, ein Wohlgeborener, er kann deutsch und ich dachte, da liege nun ein Vokabelfehler vor, aber er sagte jaja, er wisse schon, er wolle den Ton riechen können. Nicht nur die Atmosphäre. Und er wolle jeden Raum, jede Szene, noch einmal, riechen können. Das dürfe aber nicht erst bei der Nachbearbeitung entstehen, das müsse schon im Originalton am Set hergestellt werden.
Man muss wissen, dass es sich um einen Film handelt, der in Russland der 30iger bis 60iger Jahre spielt. Gedreht wird 2008 und 2009 in Xapkib in der Ukraine, gedreht wird viel in gebauten Sets, gedreht wird an Originalschauplätzen. Originalplätze bedeuten eine Atmosphäre der heutigen Zeit, das fängt mit dem Klang von Straßenverkehr an und hört auf damit, worüber die Leute reden und vor allem in welcher Sprache. An Tekknomusik aus irgendwelchen Läden mag ich gar nicht denken.
Gebaute Sets bedeuten vor allem, dass die Türen und Wände aus anderem Material sind, als es ein Original wäre. Wenn eine schwere Tür ins Schloss fällt wird es immer nach Pappe und Pressspan klingen, ein Fußboden, der die Optik von Marmorplatten hat, ist in Wirklichkeit Bühnenboden. Wie denn da um alles in der Welt den Ton zum duften bringen.
Schleudersitz.
Regisseure sind ja meistens Menschen, die gut damit fahren, Maximalforderungen zu stellen. Das stachelt die Mitarbeiter an, das motiviert sie mitunter, über ihren eingefahrenen Stiefel hinauszuwachsen. Wenn Regisseure dann auch noch motivieren können, ihr Feuer wirklich ansteckt, dann entstehen manchmal einzigartige Dinge, nicht reproduzierbar, etwas Außergewöhnliches und Gültiges. Darum müssen Regisseure manchmal schwierige und unbequeme Menschen sein, das hat schon alles seinen Sinn. Aber einen Ton riechbar zu machen unter solchen Bedingungen, das bedeutet den Auftrag zu bekommen, Gold herzustellen und selbst wenn Meissner Porzellan dabei herauskommt wird man geköpft. Also ist es billiger, Business zu fliegen, um die Leiche zurückzutransportieren.
Xapkib empfing grau und auf dem Rollfeld wurde die Form gewahrt, die etwa 50 Passagiere nicht die hundert Meter zum Abfertigungsgebäude laufen zu lassen, da wurde ein Bus geschickt. Durch ein schmales Tor ging es einen Weg entlang, es standen Birken und Eschen und schummrig empfing ein größerer Flur, in einer Reihe standen artig die Passagiere, zur Passkontrolle, in der Luft lag unparfümierter Zigarettenrauch. Und ja schließlich, endlich beim Zoll. Das sind ja so viele Koffer und Kisten. Was denn da drin ist. Eigentlich müsste ja Einfuhr erhoben werden, so Fotoapparate und so. Es herrschte Bemühung und Ratlosigkeit, dieser kleine Flugplatz, diese eingespielte Zollkontrolle, Leute hindurchzuwinken, aber seine Arbeit müsse man ja auch tun, aber zu viel und außergewöhnliches dann doch nicht. Im Beruf gealterte Herrschaften, jenseits der 50. Eigentlich redet und klagt man lieber miteinander, als neue Formulare auszufüllen und sich mit unzufriedenen Reisenden herumzuschlagen. Schließlich wurden wir durchgewunken. Ja. Die Ukraine dürfte Prozente auf Equipment erheben, pro Monat, wo dieses Equipment im Lande verbliebe. Deshalb auch die komplizierte Geschichte mit dem Carnet.
Xapkib, willkommen. Tag 0. Ich werde dich schon riechbar machen. (Es roch erst einmal nach Kerosin.)
Die Business Class ist in der Fokker ist nicht unbedingt geräumiger als es die Holzklasse ist. Aber in der Dreierreihe, der Mittelsitz hat ein Tuch über die Lehne gelegt, auf dem Tuch steht, reserviert for your comfortable.
Ich sitze da nun so rum und lasse mich in die Ukraine segeln, der Flieger liegt wie ein Brett, es gibt weit unten eine Wolkenschicht und einmal tauchte die Hohe Tatra mit Schnee als kleines, sehr begrenztes Hochgebirge auf. Business ist billiger als normal zu fliegen, wenn man die Kosten fürs Gepäck einrechnet und vor allem, der Rückflug kann jederzeit umgebucht werden, und da ich in unsicherem Zeitrahmen unterwegs bin, es kann passieren, von einem Tag auf den anderen abserviert zu werden, dann ist Business regelrecht billig sogar.
Ja, es kann passieren, bei diesem Projekt von einem Tag auf den anderen rausgeschmissen zu werden. Entweder ich bleibe erst einmal bis Ende des Jahres in Xapkib und dann noch einmal weitere 4 Monate oder aber mich schwebt ein Austian Arrow schnell wieder über Wien nach Berlin. Es ist eigenartig zu wissen, auf einem Schleudersitz zu sitzen. Der Regisseur möchte den Ton riechen können. Der Regisseur ist ein Russe, ein Wohlgeborener, er kann deutsch und ich dachte, da liege nun ein Vokabelfehler vor, aber er sagte jaja, er wisse schon, er wolle den Ton riechen können. Nicht nur die Atmosphäre. Und er wolle jeden Raum, jede Szene, noch einmal, riechen können. Das dürfe aber nicht erst bei der Nachbearbeitung entstehen, das müsse schon im Originalton am Set hergestellt werden.
Man muss wissen, dass es sich um einen Film handelt, der in Russland der 30iger bis 60iger Jahre spielt. Gedreht wird 2008 und 2009 in Xapkib in der Ukraine, gedreht wird viel in gebauten Sets, gedreht wird an Originalschauplätzen. Originalplätze bedeuten eine Atmosphäre der heutigen Zeit, das fängt mit dem Klang von Straßenverkehr an und hört auf damit, worüber die Leute reden und vor allem in welcher Sprache. An Tekknomusik aus irgendwelchen Läden mag ich gar nicht denken.
Gebaute Sets bedeuten vor allem, dass die Türen und Wände aus anderem Material sind, als es ein Original wäre. Wenn eine schwere Tür ins Schloss fällt wird es immer nach Pappe und Pressspan klingen, ein Fußboden, der die Optik von Marmorplatten hat, ist in Wirklichkeit Bühnenboden. Wie denn da um alles in der Welt den Ton zum duften bringen.
Schleudersitz.
Regisseure sind ja meistens Menschen, die gut damit fahren, Maximalforderungen zu stellen. Das stachelt die Mitarbeiter an, das motiviert sie mitunter, über ihren eingefahrenen Stiefel hinauszuwachsen. Wenn Regisseure dann auch noch motivieren können, ihr Feuer wirklich ansteckt, dann entstehen manchmal einzigartige Dinge, nicht reproduzierbar, etwas Außergewöhnliches und Gültiges. Darum müssen Regisseure manchmal schwierige und unbequeme Menschen sein, das hat schon alles seinen Sinn. Aber einen Ton riechbar zu machen unter solchen Bedingungen, das bedeutet den Auftrag zu bekommen, Gold herzustellen und selbst wenn Meissner Porzellan dabei herauskommt wird man geköpft. Also ist es billiger, Business zu fliegen, um die Leiche zurückzutransportieren.
Xapkib empfing grau und auf dem Rollfeld wurde die Form gewahrt, die etwa 50 Passagiere nicht die hundert Meter zum Abfertigungsgebäude laufen zu lassen, da wurde ein Bus geschickt. Durch ein schmales Tor ging es einen Weg entlang, es standen Birken und Eschen und schummrig empfing ein größerer Flur, in einer Reihe standen artig die Passagiere, zur Passkontrolle, in der Luft lag unparfümierter Zigarettenrauch. Und ja schließlich, endlich beim Zoll. Das sind ja so viele Koffer und Kisten. Was denn da drin ist. Eigentlich müsste ja Einfuhr erhoben werden, so Fotoapparate und so. Es herrschte Bemühung und Ratlosigkeit, dieser kleine Flugplatz, diese eingespielte Zollkontrolle, Leute hindurchzuwinken, aber seine Arbeit müsse man ja auch tun, aber zu viel und außergewöhnliches dann doch nicht. Im Beruf gealterte Herrschaften, jenseits der 50. Eigentlich redet und klagt man lieber miteinander, als neue Formulare auszufüllen und sich mit unzufriedenen Reisenden herumzuschlagen. Schließlich wurden wir durchgewunken. Ja. Die Ukraine dürfte Prozente auf Equipment erheben, pro Monat, wo dieses Equipment im Lande verbliebe. Deshalb auch die komplizierte Geschichte mit dem Carnet.
Xapkib, willkommen. Tag 0. Ich werde dich schon riechbar machen. (Es roch erst einmal nach Kerosin.)