|GTaag|

22. August 2009

40 Jahre her

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 21:35
Strohhalme, die bei heißer Milch schlaff wurden.

Milch in Schläuchen: blau mit normalem Fettgehalt, rot reduziert. Blau 70 Pfennige der Liter, rot unbekannt, da verpönt.

Die Milchtüten ausgewaschen und als Stullenbeutel benutzt.

Ratterlok (eine Westernlokomotive von Mattel), die durch einen kleinen sich drehenden Mechanismus in der Mitte am Boden die Lok in unendlicher Bewegung hielt: Stieß sie an ein Hindernis, auch eine Wand, setzte sie ihre Fahrt fort.

Ebendiese Ratterlok, gefüttert mit 2 Flachbatterien, die gerne ausliefen, die Säure war scharf und musste hinterhergeschmeckt werden

Der Sommer mit Wasserknappheit am Müggelberg: Wenn unten in den Kleingärten noch die Rasensprenger liefen, tröpfelte es oben nur noch. Die Toilette hatte keinen Wasserkastenspüler, es musste mit einem Eimer nachgegossen werden. Das Wasserfaß wurde mitten in der Nacht vollgelassen, wurde geduscht?, gebadet?, es gab in den Langen See (die Dahme). Das Wasser war zwar nicht sauber, wurde gerne von der Industrie gefüttert, aber Ekel davor kam erst später auf.

Ein früh aufgetauchter Traum, der in den Tag aufgenommen wurde und mitunter bis heute das Gefühl wiedergibt, fliegen zu können: Am Berg war der Garten in Terrassen aufgeteilt und ich springe die Treppen hinunter, weit, sehr weit, komme gar nicht zum Landen, muß mich nur ein wenig anstrengen, biege im Flug um die Ecke, höre gar nicht auf zu fliegen. Nein, nicht sehr hoch, eher so einen Meter über den Boden. Es funktioniert hervorragend, es macht mich auf eigenartige Weise stark. Dieses mir eigene Gefühl, fliegen zu können wird mitunter sehr hart auf die Probe gestellt, wenn es nur darum geht, einen Rinnsal zu überspringen. Wenn der Flug dann mickrig ausfällt wundere ich mich.

Eine Iljuschin Il-18, die nur mit 2 Propellern betrieben Richtung Schönefeld flog. Sehr langsam. Sehr leise. Sehr sicher. Die beiden ausgefallenen Propeller drehten sich in Zeitlupe und ich schaute in Erwartung eines Unglücks hinterher, bis sie hinter den Kiefern verschwunden war. Ein Glück, jeweils eines links und eines rechts waren ausgefallen. Später bin ich einige Male solche eine Maschine mitgeflogen. Innen war sie eine kleine benutzte und abgeschabte Röhre, vibrierend. Besorgt hatte ich auf die Propeller geschaut, die zuverlässig liefen. Angeblich hat diese Maschine sich auch nur mit einem Propeller in der Luft halten können.

22. Februar 2009

Warten auf den Bus

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 19:10
Hoyerswerda, 3.9.1987 – Bushaltestelle Braunkohlekombinat “Schwarze Pumpe”

1987wartenaufdenbus0a.jpg

.

1987derbusistda2a.jpg

9. Februar 2009

Straßenbahn, Berlin 1986

Abgelegt unter: Bln., Erinnerungen — gtaag @ 18:10
1986

1986strassenbahninnen.jpg

14. April 2008

Zierrasen

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 21:18
Der Zierrasen auf Randberliner märkischem Sandboden durfte nicht betreten werden, weil sich die Halme dann nicht mehr aufrichten und es unansehnlich aussehen würde. Das war aber der Mickrigkeit geschuldet und nicht irgendwelcher willkürlicher Verbote.
Als Kind  konnte ich das nicht beurteilen und eine der ersten Oppositionen war, auf den Rasen zu pinkeln, mitten drauf, wenn es niemand sah.
Verborgen blieb es nicht, natürlich, nach wenigen Wochen gab es kleine Inseln dichteren Grüns, die bestaunt wurden und als Kind lernte ich schnell meine Lektion, ich staunte mit und ich bemühte mich fortan, zu vertuschen, indem ich zwischen die einzelnen Inseln pinkelte, was aber im Ergebnis nicht gelang, weil den alten Stellen langsam der Dünger wieder ausging und sie wieder weniger grün wurden.
Das Wissen darüber wurde nie öffentlich, ein Verdacht nicht geäußert und ein Geständnis nie gemacht. Erst als ein Bekannter der Eltern aus Wittenberg-Piesteritz, dem Stickstoffwerk VEB Agrochemie, einen Sack voll Harnstoff mitbrachte und der Rasen damit regelmäßig gegossen wurde, zeigte sich ein einheitlicheres und dichteres Grün. Der Rasen durfte auch nach und nach betreten werden, später sogar war es möglich, eine Decke auszubreiten und sich in die Sonne zu legen. Ich pinkelte fortan vornehmlich auf den Komposthaufen, man bedenke, wie viel Spülwasser ich seither gespart habe.

Mitte der neunziger Jahre wurde ich allerdings wieder zur Wachsamkeit alarmiert, als ich in Lemberg (Lviv) in einem Park, na ja, gerade dort, wo Zivilisation eher eine zarte Knospe…, von einem Parkwächter zur Zahlung einer Strafe aufgefordert wurde und mich nur durch Flucht entziehen konnte.
In T. hinterm Haus, ich habe heute früher als jemals in einem Jahr den Rasen gemäht, weil da so dichte Grasbüschel standen. Nein, das Rasenmähen wäre eigentlich nicht nötig gewesen, aber was soll man machen, wenn einem die Peinlichkeit überkommt.

10. Dezember 2007

Der IG64-06 und der IS 01-16 und auch der IJ84-84

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 20:57
Der erste Trabant der Familie war weiß und hatte ein rotes Dach. IG 64-06 hieß das Nummernschild und das I stand für Berlin und das G für Autos, die 1968 zugelassen wurden. Einige Jahre konnte ich noch die Zulassung der Autos bestimmen, später dann verwischte es sich, mein erster eigener Trabant hieß IJ 84-84 und war aus dem Jahre 1980 wo schon manchmal 3 Buchstaben am Anfang der Nummernschilder standen, weil 2 Buchstaben bei den Neuzulassungen nicht mehr ausreichten und IJ hätte in den 60igern oder 70igern gewesen sein müssen, da war das Baujahr also nicht mehr auszumachen.
Als der erste Trabant zur Familie kam, wurde er erst einmal auseinander genommen und die Ecken und Kanten wurden mit so einer öligen Masse bestrichen, zwar wurde das vorher maschinell gemacht und hieß Hohlraumkonservierung, aber man traute dem Verfahren nicht und besserte nach in jede Ritze und jeden Winkel. Der Chrom der Dachzierleisten wurde mit Elsterglanz poliert, das war meine Aufgabe, während die komplizierteren Aufgaben, wie Vergaser auseinandernehmen und reinigen und Zündung einstellen sowie Bremsklötze wechseln mein Vater vornahm. Im Innenraum wurde vorne dicker Fils geklebt, das machte das Gefährt etwas leiser, trotzdem war an ein Radio nicht zu denken, ein Radio war zum einen teurer Luxus und zum anderen hielt man es für Unfug, weil ein Radio gar nicht den Motor übertönen hätte können. Wer ein Radio in seinem Trabanten hatte war ein Angeber.
Ich war sehr stolz auf dieses Auto und konnte schon sehr bald in meiner Phantasie selber fahren. Später machte ich den Führerschein in der minimalsten Zeit von 12 Stunden. Ich bin der geborene Autofahrer.

Der IG 64-06 wurde irgendwann von einem IS 01-16 abgelöst. Das war ein ganz neuer Trabant in hellem blau, dem Blau eines dunstigen Spätsommertages. Der IS klang eine kurze Zeit auch nicht so wie alle anderen Trabanten, zuerst war da irgendwie Ordnung, weil alles ineinander griff wie es ineinander greifen sollte. Aber schon nach kurzer Zeit klang auch dieser Trabant nicht mehr ungewöhnlich und die Hoffnung, es hätte eine Fortschritt gegeben, war nur von kurzer Zeit, es klapperte wieder in allen Ecken und auch der Motor hatte dieses gewisse Surren verloren, es war schnell ein Trabant wie jeder andere geworden, dem man zum Tanken den Motorraum öffnete und wo man auch sonst schnell hineingreifen und richten konnte, notfalls nahm man eben den Vergaser auseinander, wenn man wieder Dreck getankt hatte und die Schwimmernadel klemmte oder stellte an einer Schraube das Standgas nach, es war alles sehr einfach und jeder war irgendwie ein Automechaniker.

Anfang der achtziger Jahre folgte dann in Familienbesitz ein Wartburg. Der wurde genauso auseinandergenommen und hohlraumkonserviert, nur Filz wurde nicht mehr geklebt, das hatte dieses Auto nicht nötig. Ein Radio gab es und jeder hatte eine eigene Tür, sehr komfortabel. So sehr hatte ich mich aber doch nicht mit dem Wartburg angefreundet, weil ich in der Pubertät war und alles, was von den Eltern kam und bei den Eltern war automatisch mit Opposition belegt wurde.

1990 kaufte ich meinen ersten Golf, weil ich es nicht besser wusste. Der hielt nicht lange und ich fuhr erst einmal ein Jahr lang Fahrrad oder Taxi oder ließ mich abholen. Das war eine schöne Zeit.

Apropos Hohlraumkonservierung: Die SED hielt für ihre Mitglieder jeden Montag ein Parteilehrjahr ab. Da mussten die armen Schweine immer hin und sich ihre Direktiven abholen sowie über Marx und Engels und Lenin sich belehren lassen. Im Volksmund hieß diese Veranstaltung, das Parteilehrjahr: Hohlraumkonservierung.

9. Dezember 2007

Gerüche

Abgelegt unter: Erinnerungen — gtaag @ 20:47
Den Herd mit Speckschwarten abreiben. Das gab immer so einen schönen Glanz. Und dort, wo die Herdplatten waren und direkt darunter das Feuer, das Fett verbrannte und das Eisen verfärbte sich bläulich. Der Geruch war ekelhaft und verband sich fortan mit Reinheit. Vielleicht ist mir der Geruch von Tierverbrennungsanlagen deshalb so ambivalent.