15. Mai 2009
18. September 2008
Wein, Internet, Mobiltelefon.
Ich habe mir nun auch Internet hier im Kaff aufm Land geleistet, drahtlos. EDGE.
Das war ein Fehler. Bisher war hier immer internetfreie Zeit, aber so, ja die Änderung ist ein anderer Blick aus dem Fenster, als er es in Berlin ist. Die Ruhe ist auch anders.
So eine gewisse Zeit mache ich das noch mit, dann schalte ich das Internet ab. Es frisst auf. Mit dem Mobiltelefon war es ähnlich, ein paar Jahre so sehr wichtig, jetzt lasse ich es oft aus. Wer was will, kann auf die Mailbox was sagen. Schon nach einem Tag hat sich das meiste erledigt. Besonders bei Anrufen von Filmproduktionen ist das so.
Prost. Auf andere Zeiten.
3. Dezember 2007
geht auch gänzlich stumm…
27. August 2007
Ein Hoch über Berlin
Ansonsten war der Pfarrer erfrischend nicht bei der Sache. Zuerst vergaß er, die Ringe sich geben zu lassen, T. fiel es mittendrin auf und als er sie nahm, war er so ungeschickt, einen fallen zu lassen, ich reichte ihm ihn hinauf.
Auch war er nicht fähig, einen Satz fehlerfrei zu lesen und später, als er meinen Namen zweimal hintereinander falsch und zweimal verschieden falsch aussprach und es mir jedes Mal so ein gewisses Ziehen verursachte, ich aber gewähren ließ, weil ich zu eingeschüchtert war, er dann aber plötzlich meinen Namen richtig aussprach, war ich doch überzeugt, dass gewisses Kirchenpersonal eben nicht dem entspricht, wie man es sich gerade bei so einem Anlass vorstellen würde, aber Nachsicht, natürlich, es ist eben nur Personal, es geht um etwas ganz anderes.
Die Predigt ging um einen Fußabtreter, den er tatsächlich auch vorholte und hinlegte. Dieses Moment hatte etwas von gelungenen Sat1- oder RTL-Einmannshows, aber was er dann sagte, hatte nichts mit dem Leben zu tun und war in sich drin rührend falsch: Man solle in der Ehe, wenn der Mann von der Arbeit nach Hause komme, zu der Frau mit den Kindern, draußen auf diesem Fußabtreter die Füße abtreten und damit alles das draußen lassen, was einen belaste und sich ganz der Frau und dem Kinde widmen, voller Liebe und so.
Der Sinn war schon klar und es war wirklich so rührend falsch, rührend auch deshalb, weil der Pfarrer sichtlich stolz auf seine Predigt war, dass er mit Freiberuflern sprach und was es bedeutet, Freiberufler zu sein, dass wir möglicherweise und eigentlich eher gar keine Kinder haben wollen oder haben werden und das es erwiesener Maßen auch falsch ist, Sorgen draußen zu lassen und nicht auszusprechen, das hatte ihm der Herr nicht eingegeben und auch nicht ein gewisses Interesse an uns, über uns wollte der Herr auch nichts wissen.
Im Vorgespräch wollte er rein gar nichts erfahren, nur mir hatte er zu verstehen gegeben, dass ich ja gar nicht an Gott glauben könne, weil ich nicht getauft sei und folglich an meiner Ehrlichkeit zu zweifeln wäre, da ich das Eheprotokoll mit „So wahr mir Gott helfe“ unterschrieben habe.
Meine ganze katholische Schwiegerverwandtschaft hegte hinterher Zweifel, ob der Mann überhaupt echt gewesen sei. Meine ganze getaufte oder ungetaufte oder ausgetretene Verwandtschaft zog es vor, sich jeglichen Kommentars zu enthalten, auch eine Form der Toleranz, die anderen Gäste sagten dann nach der Hochzeit, alles sei ja schön gewesen, aber das in der Kirche, warum habt ihr das eigentlich gemacht?
Es soll ja Leute geben, die es genießen, im Mittelpunkt zu stehen, ich gehöre definitiv nicht dazu. Hochzeit gleicht einem Ausnahmezustand, wo nicht alle Waffen geladen, sondern mit Blumen geschmückt sind. So oft habe ich T.s und meinen Namen noch niemals in Zusammenhang gehört und noch niemals wurde mir so viel Aufmerksamkeit und Wohlwollen entgegengebracht, wie an diesem Tag. T. sagte zwar auch hinterher, es sei ihr eine Anstrengung gewesen, aber sie hatte wenigstens noch Stimme und konnte was bewegen, während ich mich am liebsten etwas ins Abseits begeben hätte oder still dazugesetzt, aber so – diesen Grad Aufmerksamkeit denke ich nun für den Rest meines Lebens genug gehabt zu haben.
Das Konzept war aber trotzdem aufgegangen. Nichts ist schlimmer als Steifheit bei einem Fest oder erst eine Lockerheit nach gewissem Alkoholkonsum, so war die Aufgabe unserer beiden Zeremonienmeister (Sabine Beyerle und David Reuter) sich etwas auszudenken, was zum einen die Gäste von uns ablenken und zum anderen auch mit sich selber und untereinander in Kontakt kommen lassen würde. Die Idee war einfach und wirkungsvoll: In leere Filmdosen wurden jeweils zu acht verschieden klingende Gegenstände getan und je nach Geräusch mussten sich die Gruppen dann zusammenfinden. Dieses Klappern und Hören schuf schon eine Aktion und jeder musste sein Territorium verlassen, das war es schon. David sagte hinterher, die Filmdosen und das Hören, diese Analogie sei ein Zufall gewesen. Ich glaube ihm nicht ganz.
Die Gruppen dann mussten den blanken Korpus eines Schiffes gestalten, so ein einsfünfzig langes Modelschiff und da wurde aufgeteilt in Heck, Buk, Wimpel, Seiten, Ruder, Schwert. T. und ich (so ein Zufall) waren zu zweit und mussten den zentralen Teil des Schiffes, den Liebesaltar, gestalten. Das taten wir auch, während die anderen wirkten und werkelten und nur wenige sich abseits hielten, was ja auch ganz gut war. Auf den Fotos sieht man eine gelungene Veranstaltung. Herausgekommen ist eine komplexe Gestaltung, am Schert stand das Datum und ein bis und dann die liegende 8 für unendlich. Ein Kompass, eine T., die im Liegestuhl sitzt, ein GTaag, der neben ihr steht. Der Clou aber, der Name des Schiffes, ein Wortspiel, das sich leider nur mit meinem und T.s Vornamen verstehen lässt, ich sage sie sonst nicht gerne in diesem Blog, aber da ich bis heute gerührt bin und es die eigentlich Erinnerung an die Hochzeit ist: Anjas Uver.
Nachdem ein Brand gelöscht wurde, beim Zuwasserlassen hatte ich es nicht geschafft, zwei abgelegte Seerosen aus Plastik hinunterzunehmen und die Kerzen …, übergaben wir das Schiff dem Kanal zum Großen Wannsee. Später rankten sich schon Geschichten, das Schiff sei gekentert, es sei abgebrannt, mindestens sei es untergegangen. Dass es einfach nur ganz friedlich weggetrieben war, mit etwas Schlagseite, das vermutete niemand. Komisch, ich gehe davon aus.
18. April 2007
Verliebt. Verlobt.
T. soll meinen Namen nehmen oder ich T.s?, auch nicht vorstellbar. Doppelname wäre schon cool, aber wenn eben nur dann einer… Also waren wir zu keinem rechten Ergebnis gekommen und da wir nicht gerade Nachnamen tragen, die irgendwie anrüchig oder Massenware sind, verschoben wir die Entscheidung, wie man gerne Entscheidungen verschiebt, indem man eben einfach darüber nicht mehr redet, aber trotzdem weiß. Denn irgendwann wird es schon den Zeitpunkt geben, sich entscheiden zu müssen und dann entscheidet man sich eben.
Vom Wohngefühl leben wir in Berlin Mitte, mit Blick auf den Rosa-Luxemburg-Platz, aber das zuständige Finanzamt ist das von Friedrichshain – Prenzlauer Berg und aber die Postleitzahl ist Mitte, 10119. Die Post macht es besonders schwer, Pakete müssen in Prenzlauer Berg in den Alleearkaden abgeholt werden, aber Päckchen im Postamt an der Chausseestraße. Da kann man schon mal einige Kilometer radeln, um dann brav in der Schlange stehen zu dürfen, eine zeitlang besonders ärgerlich, wenn man eigentlich zu Hause gewesen war und die Paketausträger einfach zu faul waren, zu klingeln. Es hätte ja dann sein können, dass er ein paar Treppenstufen entgegenlaufen hätte müssen.
Die Bezirkstrennung geht nun bis in den eigenen Haushalt. Bei T. steht im Personalausweis als Meldestelle Berlin-Mitte und bei mir steht Berlin-Pankow. Na da haben wir ja nun alle Bezirke fast, fehlt nur noch Köpenick oder wie wäre es mit Zehlendorf?
Da wir uns als Berlin-Mitter fühlen, gingen wir zuerst einmal zum Standesamt an der alten Stadtmauer, Klosterstraße. Dort war dann so ein Beamter wie der, von dem ich meinem Saab gekauft hatte, ein Beamter, dem es wichtig war, nicht wie ein Beamter auszusehen, indem er einen kleinen Brillanten im Ohr zur Schau trug, so einer. Der klärte uns auf, indem er seinen Computer befragte und die Meldebescheinigungen abrief: Berlin-Pankow. Wir beide. Nicht etwa Prenzlauer Berg oder Friedrichshain, Mitte erst recht nicht, Pankow. Er überließ uns die Meldebescheinigungen, ohne dass wir etwas zu bezahlen hatten, guter Mann, darfst weiter deinen Brillanten im Ohrläppchen tragen, hast uns 30 Euro gespart.
In Pankow in der Breitestraße, das Rathaus mit dem Standesamt, wir fuhren anderntags hin, leider war geschlossen, der Internetauftritt fehlerhaft. 5 oder 6 Zimmer gab es, überall stand Standesamt dran und die Namen der Mitarbeiter, aber niemand war da. Die arbeiten also nur 3 Tage in der Woche. Die armen, bestimmt auch für weniger Geld.
Gestern nun hat es geklappt. Ich bin nun verlobt. 5 Paare waren vor uns und nun bin ich also auch ein Paar. Da es dauerte schauten wir die ausliegenden Broschüren durch und auf einmal wurde es uns bewusst, die Entscheidung über den Nachnamen musste jetzt getroffen werden. Hm. Ach wenn wir doch beide Doppelnamen tragen dürften. Was macht man, wenn man fast emotionsfrei ist, aber eben doch eben nur fast: Man macht TschingTschangTschong. Jedenfalls macht T. das ganz gerne und ich finde es auch an bestimmten Stellen sehr gerecht, Schere schneidet Papier, Stein fällt in Brunnen. Genaues weiß ich allerdings nicht, nur, dass ich im Vorteil war, ich gewinne immer, wenn ich nicht so genau Bescheid weiß: T. würde nun also einen Doppelnamen tragen. TschingTschangTschong.
Das Zimmer der Standesbeamtin lag auf der Schattenseite des Gebäudes und irgendwie war noch die Kühle des Winters im Raum, es nutzte nichts, dass das Fenster geöffnet war, um die ersten 25 Grad des Jahres hineinzulassen.
Die Standesbeamtin las brav alle Papiere vor und beim Namen sagten wir unsere Entscheidung, aber als auf einmal klar war, dass T. alle ihre Papiere umändern müsste, da siegte über alles TschingTschangTschong die augenblickliche Vernunft, nein, das machen wir jetzt mal nicht, jeder wird weiter seinen Namen behalten.
Ist das gut? Ist das schlecht?
Heiraten ist ja sowieso eine Operation am offenen Herzen, das Herz ist betäubt, deshalb merkt es nicht, was rundherum passiert. Dann wird unserer beider Herzen irgendwann aufwachen und so heißen wie zuvor, ein Glück, dann gibt es keinen Schock.
Von der Beamtin in ihrem muchtigen Zimmer bekamen wir eine Plastikkarte und wurden zur Kasse geschickt. Dort gab es zwar noch eine große Glasscheibe und dahinter war eine Beamtin, aber die hatte nichts mehr mit Kassieren zu tun, das tat ein Automat, dem man die Plastikkarte in den einen Schlitz schob und in den anderen die EC-Karte. Schöne neue Welt. 45 Euro. Verlobt!
22. April 2006
"Verbrechergedenktag"
Unter dem Eintrag “Verbrechergedenktag“ schrieb 40something:
“Warum wissen selbst Leute, die in einem vorgeblich bewusst antifaschistischen System wie der DDR oder im Ausland sozialisiert wurden, mit diesem Datum etwas anzufangen?”
Jetzt würde es schneller gehen, polemisch zu antworten, aber ich habe mir ja an irgendeinem ErstenJanuar vorgenommen, dieser Schwäche entgegenzuarbeiten und gerade in einem Blog kommt Polemik billig, finde ich.
Also: Aus meiner Erfahrung war die ddr kein “vorgeblich” antifaschistisches System, sondern sie war es. Zwar konnte man (und kann man erst recht heute, mit Abstand) Parallelen zu totalitären Regimen sehen, die fdj, die Kampfgruppen, die Staatssicherheit, aber trotzdem, das System war antifaschistisch. Ich meine, zich der Genossen in der Führungsetage haben im Konzentrationslager gesessen, bei einem Interviewmarathon 1988 (niemals ausgewertet) habe ich alleine 20 ehemalige Sachsenhausenhäftlinge kennengelernt, davon waren alle irgendwie mehr oder weniger hochgestiegen im Staatsapparat.
Gerade aber in der immer wieder zu jeder passenden und unpassenden Beschwörung des Antifaschismus liegt ein Grund, warum man “selbst” in der ddr den Geburtstag Hitlers kannte, dieses Datum im Bewußtsein so vieler Menschen, auch meinem, verankert ist: Die ddr war ein mehr gehaßtes als geliebtes Gebilde und immer, wenn man einer Sache nicht entfliehen kann und sie haßt, sucht man sich Möglichkeiten zur Oppositition, wo kann man Papa am meisten weh tun, wo hat er eine Wunde, die werde ich finden. Eine der Wunden war Antifaschismus. Nichts leichter als das, dem einen Tritt zu versetzen. Und wenns nur so ein bißchen ist, auf jeden Fall fühlt man sich dann wohler.
Mein Erklärungsversuch ist etwas einfach? Ja aber warum sollte ich (Jahrgang 1962) denn dann Hitlers Geburtstag kennen? Aber hab ich ihn begangen, gefeiert, gedacht. Nein, aufhören, ich will nicht polemisch sein.
17. April 2006
14. April 2006
Dem Don Alphonso seine Sau durchs Dorf
Es war wohl ungefähr so, als hätte man als Tankwart an der eigenen Zapfsäule ein Lagerfeuer veranstaltet oder wäre man des nachts im Antiquitätengeschäft an der Ecke eingestiegen, um anderntags die erbeutet Ware eben jenem Antiquitätenhändler zum Kauf anzubieten: Eine PR-Agentur illustriert ihre Website mit einem Foto, welches sie einfach mal so kopiert hat und dieses Foto gehört einem A-Blogger. Soweit so nicht mal so schlimm. Aber diese PR-Agentur wirbt mit Blog-Monitoring von A-Bloggern, will heißen, Überwachung, will heißen, gegen einiges Honorar sucht sie Gründe zum Anschiß. Denn Blogs, das hat sich wohl mittlerweile herumgesprochen, können ganz gut Stimmung machen, leider eben auch schlechte. Das interessiert, das will man wissen.
Das könnte doch wohl nicht eine Marktlücke sein? Sie ist es, bestimmt, also auf der eigenen Website diese Chance mit ausführlichem Artikel bekannt gemacht und ein Foto geklaut, dumm gelaufen: von einem A-Blogger,
Don Alphonso himself.
Nein, das tut man nicht, dem Haifisch eine Flosse klauen und ihm dann vorm eigenen Schnabel herumwedeln damit. Also wirklich. Denn so nimmt es dann seinen Anfang: A-Blogger schreibt bei einem anderen A-Blogger einen Artikel,
/hier/ in dem er ankündigt, dass, wenn es nicht in weniger Zeit eine entgegenkommende Reaktion wegen unerlaubt genutztem Foto und so geben würde, er bei sich und Blogbar posten würde, was ein Debakel wäre, für eine PR-Firma. Aber optimistisch könne man ja sein, schließlich werben sie ja damit, dass sie in sehr geringer Zeit, unter einer Stunde, Veränderungen in Blogs mitbekommen können, damit man, falls nötig, rasches Krisenmanagement einleiten könne. Nicht zu spät komme. Damit es nicht solche Debakel gebe wie in der jüngsten Vergangenheit mit Jamba und Transperency International.
Was dann folgt ist leider unerfreulich. Goliath ist in diesem Falle nicht die PR-Agentur, sondern der A-Blogger, er verhält sich aber so, als sei er David. Wer nachlesen möchte, wie man sich im Laufe eines Tages aufgeschaukelt hat, /hier/.
Zuerst geschah gar nichts, außer Aufheize, dann das Statement der Agentur, die Genehmigung zur Benutzung des Fotos sei vom Verlag sanktioniert gewesen, schnell entkräftet, leider eine Lüge, aber da lag der Hund eigentlich schon am Boden. Einmal zuckte er noch, dann stellte er sich endgültig tot. Keine Meldung mehr von ihm.
Über 200 Kommentare generierten sich an einem Nachmittag und Abend, ich schickte auch 3 los, als sich David so weit steigerte, Zitat: „Öffentlichkeitsarbeiter sind qua Beruf beruflich keine Privatpersonen.“ Hm. Starkes Stück Unsinn. (Wenn ich auch, jetzt, mit dem eingefügten „beruflich“ nicht ganz klar komme, entweder zu schnell geschrieben oder soll das doch was aussagen?)
An dieser Stelle, nach nicht mal 2 Stunden Freigabe zur Jagd hatte sich in den Kommentaren ein illustres Volk versammelt, teilweise schlau, teilweise lustgeifernd, alle geeint gegen Goliath, der schon am Boden lag, bevor es überhaupt losging, aber immer drauf. Stasi, diese. Und spätestens dann darf man ja hauen. Stasi.
Spätestens so ungefähr da hatte es mir die Lust an der Posse genommen, als David-A-Blogger seine
Rechnung postete, 250 Eurolein für das Foto, diese Ziffer eingefasst mit 2 Seiten Text. Mein Gott, muss der Mann beim Verfassen eine Erektion gehabt haben!
Was ist, 24 Stunden später, bei mir übriggeblieben?
Zum einen wurde sehr anschaulich Macht illustriert, worüber auch ich nur froh sein kann, sonst könnte auch ich hier meinen C-Blog (schlappe 5 Leute am Tag, die vorbeischauen, kein Kommentargeschehen, Verlinkung, nein) bestimmt bald dicht machen. Zum anderen ein arges Gefühl der Peinlichkeit. Nee, war das aber auch peinlich, diese Trittbretttypen, jeder zweite hatte da schon mal so „eine Zeit“, in der er „Einblick“ in PR-, Politik- oder Journalistenbetrieb bekommen hatte. Ach ja.
Leider. Man kann sich seine Haifische eben nicht aussuchen.
6. April 2006
Leben – wat sonst

Da wird wieder eine Sau durchs Dorf getrieben, jedenfalls hat man diesen Eindruck. Andauernd werden ja Säue durchs Dorf getrieben, nach wie vor ist es schwierig, dieses Durchs-Dorf-Sau-Treiben zu ignorieren, aber irgendwie, diese Säue, rosig und im Fleisch, das Schauspiel ermüdet, man schaut eigentlich nur noch hin, falls doch einmal etwas passiert, was anderes, aus Sensationslust schaut man vielleicht, oder man ist einfach nur drangebllieben, nach anfänglichem Interesse. Diese Säue.
Es ist der Ex Gerhard S. , der sich per Amtsgewalt seinen späteren Arbeitsplatz sichert.
Der Schwan mit Grippe und die Hauskatze, die sich angesteckt hat.
In Klein Bloggersdorf ist es das Abmahnwesen.
Die Hauptschulen, Jugendliche, die kein Deutsch können und deren Sprache Gewalt ist.
Nebenbei und parallel aktuell ist es auch die Themenwoche der ARD, Krebs, der liebe gute alte.
Überall in den Straßen begegnen einem Plakate mit einer ernstaften Frau Mitte 30 darauf. “Leben – was sonst.”
Schon das ARD-verbundene Radio morgens, bei der Schrippe und dem Kaffee, liefert Worte, Metastasen, Prävention, Vorsorgeuntersuchung. Man ist versucht, zum Dudelfunk zu wechseln.
Den Tag kann man einigermaßen unbeschadet überstehen, wird aber durch die Plakatierung auf den Abend vorbereitet, denn wenn man das Pech hat, ARD-Zuschauer zu sein, gibt es dann Filme, in denen sich viel umarmt wird, Familien wieder zusammenfinden und einer aus der MItte trotzdem sterben wird. So ist das und das ist nicht schön, als diese Sau, durchs Dorf, das mitansehen zu müssen. Ausnahmsweise keine Glatzen aus Überzeugung, sondern durch Chemotherapie.
Maischberger macht es auch nicht anders. Was soll sie auch machen, sie hat bestimmt einen Vertrag. Ihre Gäste kommen aus verschiedenen Lagern, der, der Vorsorge ablehnt, hat ein Buch geschrieben und verkauft sich gut, er hat es schwer, er sitzt breitbeiniger als nötig da und hat eine leise Stimme. Die, die Vorsorge verfechtet, ist Professorin und hat die richtigen Zahlen und Argumente. Ihre Stimme ist schrill. Ihr fällt es schwer, zuzuhören. So treibt sich die Sau durchs Dorf.
Ja, ich weiß, die ARD mit ihrer Themenwoche hat wenig mit den anderen Säuen zu tun. Eigentlich gar nichts. Aber gemeinsam ist ihr dieses gewisse Bomardement, diese Präsenz auf allen ihren Kanälen, und jeder hat etwas zu sagen. Eine Woche ist ja auch lang. Nicht klug, nicht schlau. Es atmet Planwirtschaftlichkeit.
Ein verwittertes Plakat wird nachgereicht. Versprochen. Bestimmt in 14 Tagen schon.
11. Februar 2006
Ausblick
Was werde ich in 20 Jahren schreiben? Bestenfalls wird es kein Thema, sondern Wiederholung sein. Denn: Im Haus sitzen, ins Feuer schauen. Die Spülmaschine nebenan in der Küche. Nicht mehr hören. Denn bislang sind ja alle in der Familie väterlicherseits schwerhörig geworden. Gut daß ich Tonmeister geworden bin.
30. Januar 2006
Jordanien 2006
Text dazu wegen inhaltlicher Unstimmigkeiten mit nicht zufällig handelnden Personen, die sich erkannt und drüpiert sahen, vom Netz genommen. Aber die Fotos dürfen doch bleiben. Oder?




26. Januar 2006
Alok

Amman, Jordanien
Der Zen-Kalligraph Alok ist angekommen. Das ist ein kleiner Mann mit weißen Haaren und einem sehr kurz gehaltenen weißen Vollbart über sonnengebräunter Haut. Er ist Chinese und lebt in Arizona. Seitdem er 12 ist, ist er aus China weg, jetzt ist er 67 und er will wieder zurück nach China, für den letzten Abschnitt seines Lebens. So wie er das sagte, war es mehr, als nur sich zur Ruhe setzen wollen. Das dringende Befürfnis, den Kreis schließen zu wollen? So etwas?
Alok ist sehr fein und zurückhaltend, aber diese Zurückhaltung steht ihm nicht im Wege. Da er von jedem beachtet wird, kann er sogar mit dieser Zurückhaltung spielen. Er schwebt durchs Leben und seine Worte, die er gerne mit leiser Stimme ausspricht, finden Beachtung, eigentlich egal, was er sagt. Ist das nicht ein anstrengendes Leben? Vielleicht nicht. Wenn man 67 ist und wie 57 aussieht und eine federnde Natur besitzt, dann vielleicht nicht.
Und die Chinesen lassen ihn bis heute nicht in ihr Land.
UPDATE 14.4.06: Alok hat mich wieder dazu gebracht, TaiChi zu lernen. Seit 1993 versuche ich das, ich hatte es immer wieder aufgegeben, hab ja viel reisend gearbeitet, schöne Ausrede. Nun aber bleibe ich dran. Egal, ob Arbeit dazwischen kommt. Der Knoten ist geplatzt.