|GTaag|

15. Mai 2010

1999-2010

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 21:48
T. war ein schöner Ort und das hatte alles durchaus seinen Sinn. Es wird noch das eine oder andere Mal geben, da werde ich wehmütig zurückdenken, und vor allen Dingen den Blick aus dem Giebelfenster vermissen und die kalten und grauen Tage vor dem bullernden Morsoe. Ärgerlich ist im Grunde, für den erzielten Verkaufspreis nichts adäquates anderes zu bekommen, obwohl ich nicht mal mit Verlust den Ort verlasse. Die Wahrheit ist, dass ich niemals würde zu diesem Preis wie jetzt verkaufen können, weil es keine deutschen Käufer mehr gibt. Wer weiß, vielleicht bleibt der Pole auch weg, wenn das Windfeld vor den Toren des Dorfes endgültig in voller rauschender Pracht steht?

6. Mai 2010

Woran liegt’s?

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 23:04
Im Dorf sind 2 Anwesen in polnischer Hand. Was den Polen treibt, gerade hier in T. sich ein Haus zuzulegen ist mir ein Rätsel und ich habe auch nicht gefragt. Es ist bloß eine Tendenz zu sehen. In B. gibt es schon eine polnische Kneipe.
Ich vermute es ist tiefenpsychologischer Natur. Als Pole in Deutschland ein Haus zu besitzen, das hat ein gewaltiges Prestige. So wie eine goldene Mastercard oder ein Pferd, was man auf dem Land stehen hat. Oder der Porsche Cayenne.



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8. März 2010

In T…

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 00:04
… ist immer noch Winter und als es in der Toilette gluckerte beim Badewasserablaufen wußte ich: Die Grube ist voll.
Bei Schneetreiben habe ich die Jauche in den Büschen verklappt. Nein, das darf man nicht tun. 3 m2 homöopathisch mit Abwasser versetzes Trinkwasser versickern lassen, das ist nicht in Ordnung.

Dabei kam mir wieder in den Sinn, wie das arme Brandenburg den armen Bürgern Brandenburgs das Geld aus der Tasche zieht: Für eine nicht ans öffentliche Abwassernetz angeschlossene eigene Abwassergrube, die man selber errichtet hat und die selbstverständlich dicht ist, für die zahlt man monatlich Abwassergebühren. Hinzu kommt noch eine saftige Gebühr, wenn man denn ein Jauchepumpenfahrzeug kommen lassen muß. … Einmal kam auch ein Brief, man habe festgestellt, dass die Menge des zugeflossenen Wassers bei weitem die des abgepumpten übersteige.
Dududu.


20. April 2009

Windräder

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 12:39
Die Fundamente lassen eine Plombe von den Wurzeln einer Solitäreiche erahnen, was oben herausschaut ist eher mickrig und hat einen Durchmesser von ca. 3 Metern und könnte ein Brunnen sein, darauf soll also ein 300m hohes Windrad montiert werden. Die Plombe ragt in ihrem Kreisrund 4 Meter hoch aus der Landschaft, die Dimensionen verlieren sich, wenn man das von weitem in den Feldern sieht. Auch sonst ist es unspektakulär, der Ring ist in dichten Abständen gelocht für die Bolzen und 10 Plastikrohre ragen blind aus dem Boden, wo der Brunnenschacht sich öffnen könnte ist nach einem halben Meter Beton, das ist alles.
T. bekommt in guter Sichtbarkeit seine Windräder, 10 Jahre hat der Kampf dagegen, an dem ich mich nicht beteiligt habe, gedauert. Wenn die Politik sich einig ist zählen keine Menschen, die ruhige Horizonte bevorzugen, das stimmt schon, man muß mitunter seine Sentimentalität vor dem Höheren und Ganzen zurückstellen. (Wer das Höhere und Ganze bestimmt ist eine andere Frage.)

18. September 2008

Wein, Internet, Mobiltelefon.

Abgelegt unter: Uckermark, so — gtaag @ 01:51
Nabend, heute hab ich mal ein bisschen Luft in so 2 Flaschen gefüllt. Die Pullen lagen schon einige Jahre im kleinen Gewölbekeller, der jedes Frühjahr Wasser zieht und wo sich sonst die Molche tummeln. Jedes Jahr werden die Regale aufgefüllt und ich habe einen Überhang, der mir gar nicht in den Kopf will, eigentlich wird doch alles, was man mag immer knapp irgendwann, mein Weinkeller nicht. Ein Wunder. Mittlerweile greife ich wahllos in den Roten. Die Flaschen sind alle gleich dreckig, ob von 1997 oder 2006. Heute war 2003 und 5 dran, ganz ok., 2 Gläser wurden dem Gulasch geopfert. Das Weinkellerchen ist eine feste Bank.
Ich habe mir nun auch Internet hier im Kaff aufm Land geleistet, drahtlos. EDGE.
Das war ein Fehler. Bisher war hier immer internetfreie Zeit, aber so, ja die Änderung ist ein anderer Blick aus dem Fenster, als er es in Berlin ist. Die Ruhe ist auch anders.
So eine gewisse Zeit mache ich das noch mit, dann schalte ich das Internet ab. Es frisst auf. Mit dem Mobiltelefon war es ähnlich, ein paar Jahre so sehr wichtig, jetzt lasse ich es oft aus. Wer was will, kann auf die Mailbox was sagen. Schon nach einem Tag hat sich das meiste erledigt. Besonders bei Anrufen von Filmproduktionen ist das so.
Prost. Auf andere Zeiten.


11. August 2008

Wespenschaum

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 02:14
Die Ruhe in der Uckermark ist von einer Allmacht.
Nun hat sich ein Wespenstamm eingenistet, Schlupfloch ist am Ortgang, eine kleine Lücke zwischen Holz und Ziegeln. Beim Dachneubau hatte ich das Gerüst noch nutzen wollen und begonnen, mit Zeitungen auszustopfen und Mörtel aufzufüllen, aber dann kamen die Gerüstbauer, abzubauen, und ich musste abbrechen.
Am Abschlußgiebel hab ich mir die Jahreszahl setzen lassen, 2004. Was die Uckermark angeht, ich verliere so schnell das Zeitgefühl, 10 Jahre bin ich nun hier, das sagt die Kaufurkunde, der Neubau des Dachstuhles war 2004, die Ziffer am Abschlussstein.
Die Allmacht der Stille. Die Wespen geben auch nachts keine Ruhe. Manchmal schnarcht es, als läge ein Tier. Aber meistens kraspelt es so hell, da wird gearbeitet, es sind kleine und nicht sehr feine Geräusche, als würde jemand dauernd mit steifem Papier hantieren. Die Allmacht der Ruhe diktiert das Handeln. Wespenschaum.

[Nun wollte ich, damit der Text nicht gar zu kryptisch ist, Ihnen mit links unterlegen. Aber wordpress gibt sich bockig.]

6. Juli 2008

Fensterblick, 200mm

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 20:23
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29. Juni 2008

Hochstand

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 20:35
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In T. ist nicht nur der Amtsdirektor im Heute und Jetzt angekommen, sondern auch die Jägermeister sind es. Nachdem ein Sturm einen Hochstand an exponierter Stelle umgewedelt hatte, wurde der neu errichtet, Stahlgestänge unten, Stahltreppe hinauf, oben die Kanzel aus üblichem Holz, aber innen, innen der Fußboden wie die Wände mit Teppichbelag ausgekleidet, ein blauer Drehstuhl, und in Kopfhöhe, wo man fein das Gewehr ablegen kann, zur Beobachtung, gefällig, gepolstert.
Ich stellte mir eine Weile vor, ein Jäger zu sein, ja, ich kann das schon verstehen, das lange Sitzen und Schauen in die Umgebung, das Wetter, was an der Kanzel rüttelt, man selber sitzt trocken und nimmt einen Schluck. Und die Aufmerksamkeit bleibt, vielleicht kommt man zum Schuss, vielleicht auch nicht, man muss nicht zu sehr übers Leben nachdenken, nur so an der Oberfläche, denn eigentlich fühlt man sich wohl, so gepolstert, so weit oben.
Natürlich, abends wird alles anders sein, wenn die Stille sich senkt, die Geräusche sich trennen, man das eigene Blut in den Ohren hört und alles andere, außerhalb, wie ein Donnerhall scheint. Dann merkt man vielleicht gar nicht diese Polsterung.
Wofür sie dann da ist, die Frage ist einfach und leicht zu beantworten: Ein zahlender Gast bekommt das, was sich der vorstellt, einmal haben zu müssen, wenn er es sich aussuchen könnte. Einen gepamperten Hochstand. Wenn dann nichts zum Schießen vorbeikommt, hat man wenigstens noch bequem gesessen.

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Ich lege wieder sorgfältig die Bolzen um, damit kein Wind hineindringt und kein Regen. Der Wind wogt in den Feldern. Das Gras steht saftig. Der Mohn ist verblüht, die Kornblumen in diesem Jahr zögerlich. Hinten liegt T., der Sommerregen ist kalt.
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20. Juni 2008

Hecke u.a.

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 21:54
Da in T. mehrere Tage während meiner Lourdes-Wien-Reise ein junges Paar zu Gast war, mit einem ununterbrochenen schreiendem Kleinkind, hielt auf der Straße M. an und beglückwünschte mich zum Nachwuchs. Ein Junge oder ein Mädchen.

Der Amtsdirektor hatte wieder einen Brief geschrieben, die Fliederhecke sah ihm zu dicht und zu wild aus, ich war aufgefordert sie zu stutzen. Schade dass in diesem Teil Deutschlands, der armen Uckermark, nun auch die Amtsmitarbeiter nicht mehr nur mit sich selber beschäftigt sind, in der neuen Zeit sich zurechtzufinden, sondern sich auch Aufgaben suchen, wo sie ihre Daseinsberechtigung behaupten können, eine Fliederhecke, die die Straße einengt, das gehört dazu, da kann man sich kümmern und auch drohen, mit einer Beseitigungsmaßnahme, komplett, das wird teuer. Einem Bürger kann man sowieso nur mit Kosten drohen. Logisch. Dann wird er sich schon bewegen.
Nun gut, meine Fliederhecke, sie nimmt schon immer den Bürgersteig ein. Die Hecke ist der Bürgersteig, es gab noch nie einen Bürgersteig und die wenigen Bürger T.s, es stimmt schon, im Mittelalter durften die Entrechteten nicht den Bürgersteig benützen, will ich denn die wenigen verbliebenen Aufrechten und Ehrlichen zwingen, über Kopfsteinpflaster zu laufen? Nein, das will ich nicht.
Ich war dabei, diese verdammte Hecke zu stutzen und erschreckte dabei M, die mit ihrem Diamant-Herrenfahrrad vorbei kam, sie hatte trotz der Wärme einen Fliespullover an und ihr Gesicht war vielleicht deshalb gerötet oder wegen des Alkohols. Nein, Nachwuchs, nein. Ach, sie habe sich schon gewundert, wie ich das dann machen würde, mit meinen ständigen Auslandsaufenthalten.
Dann klingelte das Telefon. Telefone, die jedem Gespräch ein Ende setzen, es ist eine Ungehörigkeit. In dem Fall, es war so eine gewisse Geniertheit, also doch keine Kinder, wo ihr doch an einem Freitag den dreizehnten geheiratet habt, was hat das eigentlich mit Kindern zu tun, da klingelte das Telefon. Ich konnte gehen. Ja, London, ein Polospiel und die Queen als Gast, 3 REDs, ja, da muss viel telefoniert werden, ich konnte M. und die Hecke stehen lassen. Zu einem Drittel ist sie nun gestutzt und M. hat die Aufgabe, zu verkünden, nein, kein Nachwuchs. Sie sagte wortwörtlich: Wie soll ich das denn nun erklären, da glaubt mir doch keiner und alle werden sagen, wieder wohl mal ein Bier zu viel. (Aber Auslandsaufenthalte und Kinder, das schließt sich ja nun wahrhaftig aus.)
Ich habs mit der Heck dann erst einmal aufgegeben, es sieht einfach unmöglich aus. Eindrittel ist gestutzt, so als hätte eine Kettensage einen Pudel düpiert. Lieber Amtsdirektor. Wir hören einander.

14. Februar 2008

4 Frauen im Bungalow

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 23:26
Am Dienstag treffen sie sich sich immer zum Schnäpperken. Wenn der Gemüsewagen durch ist, im Bungalow. Dann sitzen sie am Tisch und unterhalten sich darüber, was ist und was nicht ist. 3 Frauen, die ich in T. noch nie gesehen habe und eine, meine Nachbarin, die schon immer mit ihrem Bruder zusammenlebt und eine Pfannkuchengestalt hat.
Der Bungalow steht auf dem Dorfanger, neben dem Fußballplatz und vor der Kirche. Im Bungalow sitzen die Säufer zum Frühschoppen, am Sonntag. Dann ist der kleine Raum zugepafft von billigen polnischen Zigaretten und es ist eine gewisse Schwere im Raum, man weiß nicht, ob man willkommen ist, so als Zugereister. Bei den Frauen wurde nicht geraucht und sie schauten auch neugierig. Deutlich über 60 sitzen sie da, mit Kittelschürzen, nein, sie wüssten nichts von einer Liste, die hier ausliegen solle, in die man sich eintragen könne, um die Telekom zu bewegen, auch nach T. dsl zu bringen. Ach nein, das interessiere sie doch auch gar nicht. Gar nicht? Sie würden nicht gerne auch ins Internet gehen? Ach nein, wir sind doch viel zu alt. Was sollen wir denn.
Deine Scheune ist ja nun eingekracht. Ja, meine Scheune ist eingekracht. 9 Jahre hat sie als Ruine gehalten, 5 Jahre war sie überfällig, der Nussbaum hat sie wohl noch gestützt.
Wer ist er denn eigentlich, wurde meine Nachbarin gefragt, der von Rathke oder der von Leske? Der von Leske.
Sie boten mir keinen von ihrem roten Schnäpperken an, vielleicht waren sie zu verdutzt, mich in ihrem Bungalow zu sehen. Sie waren dann wohl auch ganz froh, als ich wieder ging.
Kein dsl in T. Ein Glück, es muss ja nicht alles überall gleich sein.
(Gibt es nicht so etwas wie einen Grundversorgungsanspruch? „…“)

12. Februar 2008

T. im Februar 2008

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 22:48
50km nach Berlin wird es dämmrig und die Temperatur sinkt von 7 auf 4 Grad. Dann kommt die Randow und es sinkt die Temperatur noch einmal um einen Grad und Nebel setzt ein, die Windräder bei Gramzow haben schon still gestanden und selbst der Verkehr hat nachgelassen, kein Eiliger von hinten, wenn man mit 110 links fährt. Weil die rechte Spur unbenutzbar ist. Die letzten Kilometer auf der Autobahn vor Polen sind wahre Nostalgie, wo kann man eigentlich noch die deutsche Vergangenheit so deutlich spüren wie auf den letzen 20 Kilometern Richtung Szczecin, nirgends.

Es ist Montag und der Fleischer in Schmölln hat geschlossen. Er kann es sich leisten, am Montag zugesperrt zu haben, wer in dieser Region unterwegs ist, wird immer dort anhalten und den Schinken kaufen und die Karpatensalamie, den Saftschinken allemal. Und er wird sich hinterher verfluchen, weil er keine andere Wurst mehr essen mag. Gibt es einen Webadresse, die ich hierher kopieren könnte, nein, sie gibt es nicht. Sehr schade. Oder gut so. Der Umsatz wird stimmen, man braucht diese Visitenkarte nicht.

In Trampe ist die Scheune zusammengekracht. Die Geschichte der Scheune fängt bei mir vor 9 Jahren an und damals sah ich sie schon als Ruine, das Geld musste erst einmal ins Haus fließen. 2 Jahre später wollte ich sie aufbauen lassen, aber alle Fachleute winkten ab. Sie winkten natürlich ab, weil ich nur fragte und keine Anweisungen gab. Nun liegen die Reste wie ein Mikado da, es wird etwas Arbeit geben , das zu beseitigen, vor allem die Reste vom Dachpappendach sind ärgerlich, ansonsten werde ich wohl gut einen Winter den Ofen füttern können.
Es wird etwas geschehen müssen. So sehr die Scheune Ruine war, so sehr hat sie immer auch zur Dorfstraße hin die Blicke abgeschirmt. Nachdem der Landrat mich gezwungen hat, die Hecke zu stutzen, ach es ist schade, überall wird man drangsaliert, überall kann man den Dingen nicht einfach seinen Lauf lassen. Und dann hat man den Dingen seinen Lauf gelassen und dann ist es auch nicht gut.

In T. angekommen, eine Windstille und ein Nebel, das Häuschen auf Frostschutz, es sagte, na komm schon rein, alter Junge, du Hund. Du Hundesohn. Ich zündete nach neuer Methode, die mir mein alter Vater gesagt hatte, den Ofen an: Scheite unten und ganz oben drauf erst die Kienäppel, ein paar Zweiglein und den Kohlenanzünder, das fängt zwar erst nur zögerlich an zu brennen, aber dann auf einmal gibt es so etwas wie eine lautlose Explosion, der Schornstein hat Zug und der Ofen fängt an zu schmeissen. Eine starke Methode.

In T. gibt es kein Fernsehen mehr, über Antenne wird nicht mehr gesendet und das digitale Fernsehen erreicht das kleine Dörflein nicht. In T. gibt es auch kein Internet mehr, der neue Mac hat kein Modem mehr drin und ein externes will ich nicht kaufen, über einen Analoganschluß ins Netz zu gehen ist kein Vergnügen und so lasse ich es. Das ePlusnetz verabschiedet sich unten und holt den Polen herein, eine Begrüßungs-SMS sagt an, dass nun jedes ankommende Gespräch 28ct kostet und jedes abgehende 48. Oben auf dem Dachboden gibt es eine Stelle, da ist leidlicher Empfang und base sagt, ich stehe zur Verfügung.

So ist das in T. Inzwischen schmeißt der Ofen. Nurs Rauschen vom Zug ist zu hören und das Metall, das rythmisch knackt.

11. Dezember 2007

Zeit für einen Vodka

Abgelegt unter: Uckermark — gtaag @ 02:34
T. war den ganzen Tag in tiefen Wolken: Ein Nebel mit einem leichten Wind aus Südosten, Sichtweite 50 Meter. Es tropfte von den Bäumen und die Pferde auf der Koppel sahen aus wie Wesen in einer schwebenden Welt zwischen hier und irgendwo auf dem Weg den man beschreitet, wenn man das Hier verlässt. Ich war bereit, schon mittags einen tiefgefrorenen Vodka zu trinken, vergaß es aber und lief über die Felder, wobei mir die Furchen die Richtung gaben, so wenig war Sicht durch den Nebel.
Am See hat man Weiden gefällt, nicht etwa nur gestutzt und kupiert, richtig weggesäbelt. So hat sich das Bild verändert, dort wo der Pfad zum Steg hinunterführt sind die beiden Weiden verschwunden. Ich fühlte mich betrogen und enttäuscht, die beiden Weiden waren immer gute Orientierung, ich dachte, nun werde ich hier nicht mehr hergehen, weil man mir die Weiden gestohlen hat, die Weiden waren ein wichtiges Bild.

Der See liegt wie eine Stahlplatte.

In T. hat ein Haus seinen Besitzer gewechselt und nun sind neue Fenster drin und das Dach ist auch neu gedeckt. Für den Dachboden haben die neuen Besitzer alte Dielen gekauft, was natürlich edel und teuer gewesen ist. Verlegt haben Polen. Nicht besonders fachmännisch, eine Kante ziert immer wieder, sie wussten wohl nicht, dass man besser gegenläufig und nicht auf Stoss verlegt. Die Fenster kamen auch Polen, leider hatten die Sprossen keine einheitliche Höhe und so hat es lange gedauert, bis alle Fenster in richtiger Optik beieinander waren. Nun wird aber nicht auf die Polen geschimpft, man ist eben selbst dran Schuld, man wollte es eben preiswerter haben. Es ist sonst ja alles so schon teuer genug. Aber irgend etwas bleibt unausgesprochen und ich sage: Sie haben ein wirklich schönes Grundstück hier gekauft.

Ein anderes Haus liegt wieder verwaist. Es hat viel versprechend angefangen mit einer jungen Familie, die sogar aus der Region und nicht aus Berlin stammte. Im Sommer wohnten sie in 2 Zelten und da das Haus unter Denkmalschutz steht, wurden die Fensterläden neu gestrichen, und rein äußerlich hat sich am Haus nichts geändert, sicherlich lag es auch am Geld. Denn dann waren sie auf einmal weg: Der Mann wurde beim Kupferklau erwischt und die Familie wohnt nun in der nächsten Stadt in einem der ddr-Neubauten, die die LPG damals bauen ließ für ihre Arbeiter. Da der Mann nicht das erste Mal erwischt wurde, sitzt er in Untersuchungshaft.

Zum Haus von Gustav Grams wäre ich am Freitag beinahe vorgedrungen, weil sich im Sturm eine Tür losgerissen zu haben schien, es schepperte und dröhnte mit unglaublicher Gewalt. Ich hatte meine Taschenlampe genommen, aber das Gartentor ließ sich nicht öffnen. Da ich noch niemals dort auf dem Grundstück war, nur einmal im Hof, gab ich schnell auf. Ich heizte erst einmal und befüllte den Kühlschrank und in diesen 20 Minuten hatte auf einmal der sagenhafte Sturm aufgehört und es war 3 Grad kälter geworden. Irgendwelche elementaren Dinge geschehen hier. Gustav ist schon ein paar Jahre tot und Inge, seine Frau, auch. Die beiden Kinder, erwachsene Leute, können sich über das Erbe nicht einigen. Vielleicht haben Inge und Gustav darüber gezürnt und den Sturm geschickt.

T. liegt ruhig im Nebel. Der Bungalow am Sportplatz trieft in der Nässe. Dort trifft man sich zum Frühschoppen am Sonntag und geht am frühen Nachmittag betrunken nach Hause. Was dort geredet wird, ich weiß es nicht, sicherlich über den Reichtum der anderen. Vielleicht über meine Scheune, die nun fast ganz eingestürzt ist, nur eine Seite hält sich noch, gestützt vom Nussbaum, natürlich, vom Nussbaum, sonst wäre das Ding doch schon längst eingestürzt.
Ich komme zu Hause an und feuer den Ofen nach. Unbedingt ist es nun Zeit für einen Vodka, die Straßenbeleuchtung geht gleich an. Ich vergesse den Vodka wieder. Im Haus ist so eine Stille, die tief ist, nur der Ofen knackt unter der Hitze. Um 5 gehen einige Autos, die Pferde sind schon von der Koppel. Das Telefon ist wieder stumm, die Telekom schafft es nicht., Eplus hat am Giebel Empfang, unten ist der Pole stärker und loggt sich automatisch ein. Zeit für einen Vodka, wirklich.
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